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Psychologiestudium: "Verheerende Abstriche bei Qualität"

15.11.2009 | 20:50 |   (Die Presse)

In Deutschland beträgt das Betreuungs-Verhältnis in der Psychologie 1:10, in Österreich 1:100. Bundespräsident Fischer wird zu Hilfe gerufen.

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KLAGENFURT (ewi). „Sehr geehrter Herr Bundespräsident, lieber Herr Doktor Fischer“, so beginnt der „Hilferuf“ von Oliver Vitouch. Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie und Senatsvorsitzende der Uni Klagenfurt dankt Fischer, dass er sich in den hochschulpolitischen Grundsatzdiskurs eingeschaltet hat (Aufruf Fischers zum Dialog, Anm.), zugleich präsentiert er in seinem Schreiben „einige Zahlen zur immer prekäreren Lage der österreichischen Psychologie“. Und das sind die von Vitouch angeführten Daten:
•In Österreich beginnen derzeit 1620 Studierende jährlich ein grundständiges Psychologiestudium (weniger zuzulassen ist bundesgesetzlich untersagt), in Deutschland – bei 10-facher Einwohnerzahl – 3500. Die UG-Novelle sieht eine Steigerung in Österreich auf 2300 jährlich vor; das wären zwei Drittel der Anfängerzahl in ganz Deutschland (Ö: fünf Studienstandorte, D: 43, künftig 47).
•In Deutschland beträgt das mittlere Betreuungsverhältnis in der Psychologie 1:10, in Österreich 1:100. Betreuungsverhältnisse spielen aus gutem Grund auch in Rankings, wie dem Times Higher Education Ranking, eine wesentliche Rolle.
•Exemplarisch an der Uni Klagenfurt: Derzeit ist jedes fünfte Studium ein Psychologiestudium (1492 von 7669). Die Steigerung gem. UG-Novelle würde einer Erhöhung auf 30 Prozent der ordentlichen Studien bedeuten.
•Die Klagenfurter Psychologie, mit einem Personalstand von 15 WissenschaftlerInnen (darunter auch solche „in Ausbildung“), hat derzeit beinahe 1500 Studierende, rund 100 AbsolventInnen jährlich (mit empirischen Diplomarbeiten) und nicht unter 230 AnfängerInnen jährlich. Es herrscht also rund 60 Prozent Drop-out. Die AbsolventInnenzahl ist trotzdem nur unter gröbster Vernachlässigung anderer Aufgaben (Forschung, Drittmittel, Nachwuchsförderung...) und unter verheerenden Qualitätsabstrichen zu bewältigen.
•Stünde die Uni Klagenfurt auf deutschem Hoheitsgebiet, so hätte sie bei gegebenem Personalstand nicht mindestens 230 AnfängerInnen jährlich, sondern 35 (deutsche Kapazitätsverordnung, die von erschöpfender Nutzung der Ressourcen spricht).
•Aufgrund des strikten bundesweiten Psychologie-Numerus-clausus in Deutschland liegt (nach dem EuGH-Urteil 2005) die Zahl der deutschen Psychologie-AnfängerInnen an der Uni Salzburg bei derzeit über 70 Prozent, in Innsbruck bei ca. 60 Prozent.

 

Kritik am „sozialen“ Uni-Zugang

Nach diesen Fakten verweist Vitouch in seinem Brief darauf, dass der österreichische „freie Zugang“ hinsichtlich der sozialen Durchmischung höchst unzufriedenstellende Resultate erbringt. Nur Belgien rangiere punkto „Bildungskonservativität und Akademikerreproduktion“ noch schlechter. Vitouch: „Das wahre Problem liegt im viel zu früh segregierenden Schulsystem.“ Zugleich spielen die in anderen Ländern völlig selbstverständlichen „affirmative action“-Ansätze (Vorzugsquotierung für Studierende aus sog. „bildungsfernen Schichten“) in der österreichischen Debatte überhaupt keine Rolle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2009)

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8 Kommentare
Denker
17.11.2009 11:34
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Also was will der Herr Vitouch eigentlich ?

Gibt es für ihn zu viele, noch dazu schlecht ausgebildete Psychologen (in Vergleich zu Deutschland) ? Dann muß er entsprechende Auswahlverfahren vorschlagen - vielleicht würde es schon genügen zwischen Matura und dem Beginn des angestrebten Studiums eine gewisse Praxis-(Assistenz)zeit einzuschalten (vielleicht könnte mit Abschaffung des Bundesheeres der freiwerdende Zeitraum genützt werden (endlich auch Gleichstellung mit Weiblichheit !), Viele falsche Vorstellungen könnten so vermieden werden !

Soll der "soziale" Uni-Zugang verbessert werden ? Gerade ein Psychologieprofesor sollte wissen, dass die Schranke meist in den Köpfen des familiären Umfeldes begründet ist. Beispiel: Ich scheiterte vor einigen Wochen daran einer Tante (pens. Fleischhauermeisterin) begreiflich zu machen was mein Sohn mit seinem Studium der Technischen Physik nach Studienende anfangen kann. Für Sie sind Arzt, Rechtsanwalt greifbare Tätigkeitsfelder, nicht aber Elektrotechnik, Nanophysik etc. Man sollte daher versuchen in den "unteren" Schichten (Immigranten) das Interesse für Facharbeiteraufstiegspositionen zu wecken (Werkmeister, Ing., Laborant ...). Die nächste Gerneration wird dann "wie von selbst" an die Universitäten finden. Die Kinder der "Ziegelböhm" haben auch nicht in Massen die Universitäten gestürmt, sondern in mittleren Fachpositioen geholfen die Basis unseres Wohlstandes aufzubauen.

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Wieviele Psychologen braucht das Land?

Schon zu meiner Studienzeit war die Anzahl der - meist weiblichen - Psychologiestudenten lachhaft gross (in Wien und Zuerich). Wenn alleine in Klagenfurt 1500 Studenten dieses Modestudium betreiben, so sieht man wie grotesk ueberbesetzt diese Studienrichtung ist. Wieso soll der Steuerzahler dieses Hobby finanzieren?

Gast: Beobachter
16.11.2009 19:47
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Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Die reinen Fakten, sprich die "nakten" Zahlen, gefallen mir in dem Bericht sehr gut. Warum das wahre Problem der Unterfinanzierung der Universitäten in einer nicht vorhandenen Gesamtschule der liegt, hätte ich bitte gerne erklärt. Meines Wissens funkionieren die US-High Schools nicht wirklich.

Antworten Gast: Christian G. Allesch
17.11.2009 09:37
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Re: Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Wenn man den Artikel genau liest, ist klar ersichtlich, dass sich diese Aussage nicht auf die Unterfinanzierung der Unis bezieht, sondern auf die mangelhafte soziale Durchmischung. Die immer wieder beklagte zu niedrige AkademikerInnen-Quote laut OECD Bericht hat zweifellos mit dem Verzicht auf Potenzial zu tun, das durch die frühe Selektion beim 10. Lebensjahr aus der AHS ausgeschlossen wird.

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Wenn es nicht ironisch gemeint ist:

dann braucht es nur 1) Volksschule bis 14 Jahren und 2) Eine Quote für Nachkommen von Proletariern und Zulassungsrestriktion für Sprösslinge von Akademikern ( wie weiland in der DDR), um die Probleme an unseren Universitäten zu lösen.

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Endlich ist das Problem Üniversität gelöst!


Gast: Wilhelmine Tell
16.11.2009 09:28
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EU Gesetze sind manchmal einfach schlecht.

Es ist absolut unverständlich, dass die österreichischen Universitäten von der EU gezwungen werden, deutsche Studenten aufzunehmen, die von den deutschen Universitäten abgelehnt wurden. Auch irgendwelche Tests zum Studienbeginn können keine Gerechtigkeit schaffen, denn unter 10mal so vielen deutschen Studenten sind zwangsläufig 10mal so viele "bessere" Studenten (was immer man unter besser verstehen mag). Eine absolut faire Lösung war, dass in Österreich studieren darf, wer in Deutschland die Studienberechtigung hat. Diese Regelung sollte wieder eingeführt werden.

Antworten Gast: expertenfabriken
17.11.2009 10:55
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Re: Zurück zum Kultursemester

(s. auch Brigitte Hamman, http://www.br-online.de/download/pdf/alpha/h/hamann.pdf)
" target="_blank">www.br-online.de/download/pdf/alpha/h/hamann.pdf)

der frühen Jahre qualitativen Studiums in Österreich: inskribierte deutsche Kommilitonen dürfen in Begleitung einer -In 1-2 Semester kultureller Übertünchung absolvieren, dann ab in die Heimat. Lebende Relikte jener Jahre, als Ausländer die dreifache Studiengebühr brennen durften, werden Zeugnis über den Wert österreichscher Pergamentrollen ablegen: der billigste Titel war in Italien zu erwerben, dicht gefolgt vom Land nördlich des Alto-Adige.
Tradition obsiegt.

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