Wer spät mit Jus beginnt, hat schlechte Chancen

Je nach Geschlecht, Alter und schulischer Vorbildung unterscheiden sich die Erfolgsquoten an der Uni laut einer IHS-Analyse teilweise deutlich.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Wer mit über 30 Jahren ein Jusstudium beginnt, hat schlechte Chancen, es auch tatsächlich abzuschließen – statistisch gesehen tut das nur jeder Zehnte. Wer dagegen mit 20 beginnt, dessen Erfolgsquote ist drei Mal so hoch. Nicht so gut schneiden in Jus auch HTL-Absolventen ab. Wer ein Gymnasium besucht hat, hat deutlich eher Erfolg. Männer und Frauen liegen bei einem Jus-Abschluss dagegen etwa gleichauf.

Das zeigt eine detaillierte Auswertung in der IHS-Erhebung zu Studienverläufen („Die Presse“ berichtete). Die Forscher um Martin Unger haben sich dafür angesehen, wie erfolgreich Studienanfänger vom Herbst 2008 sieben Jahre danach im ursprünglich begonnenen Studium sind – denn viele machen nach einem Wechsel einen Abschluss in einem anderen Fach.

Je nach Geschlecht, Alter und schulischer Vorbildung zeigen sich hier größere oder kleinere Unterschiede. Frauen wie Männer, die mit Medizin begonnen haben, machen das Studium innerhalb dieser 14 Semester zu knapp 60 Prozent fertig. AHS- und HTL-Absolventen haben ebenfalls in etwa die gleiche Erfolgsquote. Wer vor der Uni eine HAK besucht hat, schließt Medizin dagegen nur zu 50 Prozent ab.

Beim Lehramt sind HAK-Absolventen ebenfalls nicht ganz so erfolgreich wie die einer AHS oder – an der Spitze – HTL. Das Studium erst spät zu beginnen ist für angehende Lehrer dafür kein Nachteil: Unabhängig davon haben etwa 30 Prozent dann ihr Lehramtsstudium abgeschlossen, Männer schmeißen es aber öfter hin als Frauen.

Bei den ingenieurwissenschaftlichen Studien haben wenig überraschend die BHS-Absolventen die Nase vorn: Während sie nach den 14 Semestern zu gut 40 Prozent ihr Studium fertig haben, sind es bei den Ex-Gymnasiasten 30 Prozent. Sieht man sich alle sogenannten Mint-Studien an – von Biowissenschaften über Informatik bis Architektur – liegen Frauen und Männer etwa gleichauf, was den Erfolg angeht, während in allen anderen Ausbildungsbereichen an der Universität die Frauen vorn sind.

In Informatik und in den Ingenieurberufen schließen die Männer dagegen deutlich öfter ab: Während ein Viertel der Frauen nach 14 Semestern den Abschluss hat, ist es mehr als ein Drittel der Männer. Interessant ist aber, dass dieser Unterschied in Informatik verschwindet, wenn man sich die Schule ansieht: Die HTL-Absolventinnen liegen mit ihren HTL-Kollegen bei der Erfolgsquote nämlich gleichauf. In Ingenieurwesen jedoch nicht.

 

Akademiker bei Jus vorn

Das sozial selektivste Studium ist laut den IHS-Forschern übrigens Jus: Es ist das, in dem die Erfolgsquote von Akademikerkindern 25 Prozentpunkte über der von Arbeiterkindern liegt. Mehr als zehn Prozentpunkte beträgt der Vorsprung in Medizin und in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Umgekehrt ist die Erfolgsquote von Arbeiterkindern beim Lehramt ein wenig höher, nämlich um knapp fünf Prozentpunkte. Die Forscher haben dafür Studienanfänger vom Herbst 2003 acht Jahre lang verfolgt.

Im Schnitt liegt der Vorsprung der Akademikerkinder gegenüber den Arbeiterkindern bei neun Prozentpunkten, sagt Unger. Sobald man auch Eltern mit Matura dazunimmt, wird das noch deutlich weniger. „Wenn man es an die Uni geschafft hat, ist das Studium im Aggregat nicht so sozial selektiv“, sagt er.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2017)

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