WIEN. Eigentlich hätte die Universität Wien im Sommersemester gern ihr Angebot an Lehrveranstaltungen – bescheiden– ausgebaut. Und das wäre der Uni schon schwer gefallen: Immerhin hat sich die Zahl ihrer Studenten vom Wintersemester 2008/2009 bis zum Wintersemester 2009/2010 von 74.000 auf 85.000 erhöht, also um mehr als 15 Prozent. Das Geld vom Staat für die Uni Wien ist in dieser Zeit aber nur leicht auf rund 450 Mio. Euro im Jahr gestiegen. Doch jetzt sind die Chancen auf mehr Lehrveranstaltungen gleich null. Denn die wochenlange Besetzung des Audimax und des Hörsaals C1 hat die Uni rund 1,5 Mio. Euro gekostet. Und damit fehlt Geld für mehr Lehre und Forschung, wie die Uni-Wien-Sprecherin Cornelia Blum im Gespräch mit der „Presse“ sagt.
Von den 1,5 Mio. Euro entfielen mehr als 600.000 Euro auf die Miete von Räumen, die als Ersatz für das Audimax und den Hörsaal C1 dienten. Der zweitgrößte Brocken entfiel mit rund 500.000 Euro auf die Beseitigung von Schäden, allein im Audimax mussten 150.000 Euro dafür aufgewendet werden. So wurden in beiden Hörsälen neue Türen, Schlösser oder Fenster eingesetzt; das Ausbessern von Orientierungstafeln oder Leitsystemen kostete mehr als 30.000 Euro; AV-Ausstattung musste um 20.000 bis 30.000 Euro repariert oder überhaupt ersetzt werden, weil sie verschwunden war; auch für Elektrik und Malerarbeiten – zur Beseitigung von Schmierereien – wurden hohe Summen aufgewendet. Auf den Sicherheitsdienst, der insbesondere beim Audimax für Ordnung sorgte, entfielen knapp mehr als 400.000 Euro. Auch für Extrareinigung und -müllentsorgung musste die Uni Wien aufkommen.
Fast sieht es so aus, als hätten sich die protestierenden Studenten ins eigene Fleisch geschnitten. Zwar haben sie mit der Besetzung der Hörsäle bessere Studienbedingungen und ein weniger verschultes System gefordert, nachhaltige Ergebnisse haben sie gegenüber der Regierung aber nicht erzielt.
Geld fehlt in Massenstudien
Und jetzt könnten sie sogar noch an Studienangebot einbüßen. Für Uni-Sprecherin Blum steht fest: „Lehrveranstaltungen, die finanziert hätten werden können und zusätzlich notwendig wären, können nicht angeboten werden. Das Geld ist nicht da.“ Nach den Ausgaben von 1,5 Mio. Euro „geht es nicht“. Die Uni Wien habe ihre „Grenze erreicht“, sagt Blum in Bezug auf die steigenden Studentenzahlen, die sich aus der Abschaffung der Studiengebühren ab dem Sommersemester 2009 ergeben hätten. Vor allem in Publizistik, Geschichte oder Politikwissenschaft sind die Zahlen weiter angestiegen.
„In diversen Studienrichtungen wird es noch enger. Die Kapazitäten werden zwar erweitert, aber nicht so, wie das gemäß des Studentenzuwachses notwendig wäre“, sagt Blum. Außer an Lehrveranstaltungen könnte es an wissenschaftlichem Personal fehlen. Umso mehr, als es im Sommersemester 2010 zu einem weiteren Anstieg der Studentenzahlen kommen könnte.
Für die Studentenvertretung waren die Proteste nicht umsonst, selbst wenn wegen diesen das Studienangebot schrumpfen dürfte. „Wir haben mit den Protesten eine unglaubliche Diskussion losgetreten, die sonst so nicht stattgefunden hätte“, ist die ÖH-Vorsitzende der Uni Wien, Oona Kroisleitner vom SPÖ-nahen VSStÖ, überzeugt. Immerhin würden nun die Curricula, etwa die Studieneingangsphasen, überdacht. Außerdem hätte die Regierung ohne Proteste nicht 8 bis 9 Mio. Euro aus der Uni-Reserve für die Uni Wien lockergemacht. Aber: „Natürlich ist es suboptimal, dass so viel Geld für Mieten und dergleichen aufgewendet wurde.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2010)

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