- 13:03 Hans Sünkel
Seien sie herzlich willkommen. Ich freue mich auf den Chat über das universale Thema der Universitäten führen zu dürfen.
- 13:05 Rampe
Sie haben in einem Interview gesagt, in Österreich gebe es zu viele Unis. Was halten Sie von der Idee, manche Studiengänge wie etwa Publizistik oder auch Jus nur an einem Standort anzubieten?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Sie zitieren mich unrichtig. Ich habe vielmehr festgestellt, dass das relativ kleine Österreich über eine große Anzahl von Universitäten verfügt und habe zu denken gegeben, ob die große Anzahl von Studienrichtungen an unseren 21 Universitäten mit ihren Bachelor- und Masterprogammen nicht übertriebenen Ehrgeiz darstellt. Meines Dafürhaltens könnte ein wenig weniger auch ein wenig mehr sein.
- 13:08 Walter 2000
Herr Sünkel, wie stehen Sie zur Abschaffung der Studiengebühren?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Die defacto Abschaffung der Studiengebühren sehe ich als eine unglückliche Entscheidung. Es ist unbestritten, dass Universitäten nicht ausschließlich von den öffentlichen Hand finanziert werden sollten, um deren finanzielle Lage in eine mit guten ausländischen Unis vergleichbare Position zu bringen, und Studiengebühren wohl einen Teil dieser Finanzierung darstellen sollten. Ich beeile mich jedoch hinzuzufügen, dass eine eventuelle Wiedereinführung von Studiengebühren von einer wesentlichen Verbesserung und Erweiterung des Stipendiensystems begleitet werden muss.
- 13:10 Jack Bauer
wie hoch müssen ihrer meinung nach studiengebühren sein, damit sie wirklich sinn machen?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Das UG 2002 sieht bekanntlich für sämtliche Universitäten und Studienrichtungen einheitliche Sätze vor. Im Rahmen der Autonomie der Universitäten ist darüber nachzudenken, ob anstelle von festen Sätzen Bandbreiten definiert werden könnten. Die untere Grenze dieses Bandes könnte durchaus null sein, als obere Grenze könnte ich mir auch ein Vielfaches der derzeitigen Studiengebührenhöhe vorstellen.
- 13:13 DisGruntler
wofür soll die uni jetzt wirklich dienen: forschung oder lehre? man weiß nie so genau, was unsere hochschulen wirklich tun wollen und sollen.
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Universitäten sind unbestritten Wissens- und Forschungshochburgen. Daraus ist nachvollziehbar ableitbar, dass Universitäten nicht Forschung oder Lehre tun sollen, sondern sowohl als auch. Eine Universität mit Zukunftsorientierung muss daher beide - nämlich Forschung und Lehre auf gleicher Augenhöhe - betrachten und dafür Sorge tragen, dass Forschungsergebnisse möglichst unmittelbar in Lehrinhalte einfließen.
- 13:16 anne3
Herr Sünkel, warum gibt es keine Frauen an der Spitze der österreichischen Unis?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Derzeit! Ich gehe davon aus, dass sich dieser Zustand im Zusammenhang mit der im nächsten Jahr an zahlreichen Universitäten stattfindenden Neuwahl der Rektorate deutlich verändert. Gleichzeitig ist jedoch hinzuzufügen, dass insbesondere die technisch orientierten Universitäten über derzeit noch relativ wenig Frauen in wissenschaftlichen Leitungsfunktionen verfügen, aus welchen heraus Positionen innerhalb des Rektorrates besetzbar werden. Das ist meine große Hoffnung dass sich dieser Zustand sehr bald zum Besseren verändert.
- 13:19 DisGruntler
die ausbildung quer durch österreich ist recht inhomogen. in meinem bekanntenkreis sind ein paar jus-studenten aus wien nach linz ausgewichen, weil einige prüfungen dort leichter sind. wie wollen sie dieser unterschiede herr werden?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Universitäten waren und sind angehalten ihren wissenschaftlichen Fingerabdruck im Rahmen der Profilbildung darzustellen. Die Qualität der individuellen Studienangebote wird aus diesem und anderen Gründen nie deckungsgleich sein. Dieses Spezifikum gilt weltweit und ist ganz und gar nicht auf Österreich beschränkt. Jedoch soll es unser aller Ziel sein, das Qualitätsniveau in allen Ausbildungsbereichen so anzuheben, dass die österreichischen Universitäten mit sehr guten in Europa und darüber hinaus vergleichbar sind.
- 13:23 pink
Lieber Rektor Sünkel! Von den Unis hört man immer, dass sie zu wenig Geld haben. Warum machen die Hochschulen es nicht wie in den USA und suchen sich Sponsoren?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Es ist unbestritten, dass das österreichische Universitätssystem im internationalen Vergleich vergleichbarer Staaten unterfinanziert ist. Es ist aber ebenso unbestritten, dass das Finanzierungssystem von Universitäten in USA sich in wesentlichen Punkten von jenen in unserem Land unterscheidet. In USA ist es seit langem Praxis, dass Universitäten in erheblichem Umfang direkt finanziert werden, während diese Finanzierung bei uns weitgehend auf indirekte Art über den Umweg der Steuern erfolgt. Daraus folgt unmittelbar, dass das Sponsoring-System in unserem Land im Vergleich zur USA deutlich unterentwickelt ist.
- 13:27 kripale
Wie viel Mitspracherecht sollten Studenten in Uni-Angelegenheiten haben, und in welchen bereichen?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Die Studierenden stellen unbestritten die Zukunft unseres Landes dar und sollten daher in Belangen eingebunden werden, die unmittelbar mit dieser Zukunft verbunden sind. In strategischen Universitätsangelegenheiten bedarf es jedoch einer klaren Verbindung von Verantwortung mit der jeweiligen Handlung und in diesen Verantwortungsbereich Studierende einzubinden erschiene mir unzweckmäßig.
- 13:31 piccolo
Lieber Herr Sünkel! Sie kennen doch die Meinung der Uni-Rektoren. Wie viele von Ihnen treten für einen freien Uni-Zugang ein?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Der freie Unizugang ist heute bereits in vielen Bereichen eine Illusion und vor allem in den anglikanischen Ländern absolut unüblich. Freier Unizugang bedeutet Beliebigkeit und Beliebigkeit wiederum steht im Widerspruch zu beschränkten Ressourcen (Personal, Räumlichkeiten, technologische Infrastruktur und letztlich Finanzen). Freier Unizugang steht aber ebenso einer Steigerung der Qualität der Ausbildung entgegen, sofern die Universitätsfinanzierung konstant bleibt. Ich plädiere daher vehement für die möglichst baldige Realisierung eines flächendeckenden Systems des Hochschulzugangs, und zwar nicht nur beschränkt auf einige wenige Bereiche, sondern auf den gesamten tertiären Sektor.
- 13:36 argentina
sg. herr sünkel. wie sehen sie die zukunft der universitäten in österreich, wenn es weiter (de facto) keine studiengebühren gibt und auch keine (bzw kaum) zugangsbeschränkungen?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Die internationalen Entwicklungen werden uns wohl veranlassen, sehr ernsthaft über die Wiedereinführung von Studiengebühren sowie die Installierung eines geordneten Hochschulzugangs nachzudenken. Der gegenwärtige Zustand wird vor dem Hintergrund von Jahr zu Jahr steigender Studierendenzahlen nicht mehr lange aufrecht erhalten werden können, wenn wir die derzeitige Qualität erhalten wollen. Das Halten dieser Qualität oder gar dessen Verbesserung ist jedoch ein Gebot der Stunde, um unseren zukünftigen AbsolventInnen möglichst gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bieten.
- 13:40 aussie86
was schlagen sie vor wie das betreuungsverhältnis bei den massenstudien verbessert wird?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Ich halte es für unzweckmäßig, Massenfächer dann finanziell - und damit personell - besser zu stellen, wenn sich hinter diesen Angeboten kein hinreichend aufnahmefähiger Markt befindet. Ich meine vielmehr, dass eine frühzeitige und hinreichend aussagekräftige Information unserer angehenden Studierenden über die zukünftigen Berufsaussichten dazu angetan ist, den Strom in Richtung Massenfächer zu reduzieren, und anstelle dessen in Studienrichtungen zu lenken, welche am Markt europaweit und darüber hinaus stark nachgefragt sind.
- 13:51 jake
Warum schneidet Österreich bei den internationalen Uni-Rankings immer so schlecht ab? Das kann doch nicht nur daran liegen, dass sich die US-Unis ihre Studenten aussuchen können.
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Diese eindimensionale Frage kann nicht ebenso eindimensional beantwortet werden, sondern hat mehrere Gründe. [-] Geld ist zwar nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. US-amerikanische Universitäten mit klingenden Namen verfügen über Budgets, von denen österreichische Universitäten nur träumen können (so verfügt etwa die Stanford University über mehr Mittel als alle 21 österreichischen Universitäten zusammen). [-] US-amerikanische Universitäten suchen sich bekanntlich ihre Studierende aus und wählen dabei unter allen BewerberInnen natürlich die Besten. [-] US-amerikanische Universitäten haben aufgrund ihres finanziellen Backgrounds auch die Möglichkeit, die Creme de la Creme der Lehrenden und Forschenden an Land zu holen, die ein intensives Verhältnis zu den Studierenden pflegen mit einem exzellenten Betreuungsverhältnis. [-] Die Risikobereitschaft ist seit jeher in den USA eine sehr viel höhere als in unseren Landen und damit auch die Chance, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Diese und weitere Effekte potenzieren sich und führen wohl dazu, dass internationale Rankings (Shanghai, Time etc.) von prominenten US-Universitäten dominiert werden.
- 13:55 HB1902
meine tochter studiert germanistk im 3.sem. (eigentlich IMMER noch mit Interesse), obwohl von verschiedener seite (professoren, uni-referenten, studentenbetreuer) ihr fachgebiet immer höchsts negativ dargestellt wird. sind sie auch der meinung, dass geisteswissenschaften in der heutigen zeit keine bedeutung mehr haben und eigentlich nur mehr techniker und wirtschaftler gesucht werden?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Mein fachlicher Hintergrund ist zwar ein technischer, aber dennoch oder gerade deshalb schätze ich die Bedeutung von Geisteswissenschaften ganz besonders hoch ein. Österreich hat in der Vergangenheit seine internationale Reputation in hohem Maße den außerordentlichen Leistungen im Bereich der Kultur- und Geisteswissenschaften zu verdanken. Es wäre daher töricht und kontraproduktiv, ausschließlich in technische Bereiche zu investieren. Österreich wäre vielmehr gut beraten, diese in der Vergangenheit erarbeitete Spitzenposition im Bezug auf Kunst und Kultur mit einem angemessenen und folglich hohen Stellenwert auszustatten.
- 13:57 der-schlingel
Da es Ihnen auch ein Anliegen ist die Lehre zu verbessern stellt sich die Frage ob Sie didaktische Schulungen für die Lehrenden in Betracht ziehen. Aus meiner persönlichen Erfahrung (TU Wien) weiß ich, dass diese bei vielen Professoren mangelhaft bis nicht vorhanden ist und damit die Lehre eine schlechte Qualität hat. Denn seien wir uns ehrlich, der beste Stoff hängt davon ab wie er präsentiert wird.
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Ich stimme Ihnen inhaltlich voll zu. Zahlreiche Universitäten haben Defizite dieser Art erkannt und reagieren darauf in Form eines einschlägigen Angebotes an Schulungen (z.B. TU Graz). Dennoch möchte ich festhalten, dass eine hervorragende Lehre mit zukunftsweisenden Inhalt ebenso eine hervorragende Forschung braucht und die didaktischen Fähigkeiten daher nicht das Maß aller Dinge sind.
- 13:59 Roro
Die FPÖ will im Tausch gegen ein Verbot von Zugangsbeschränkungen das Nein zu Studiengebühren überdenken. Was wäre Ihnen lieber: Zugangsbeschränkungen oder Gebühren?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Der jüngste intellektuelle Schwenk der FPÖ überrascht. Zugangsregelungen und Studiengebühren, verbunden mit einem sehr gut entwickelten Stipendiensystem hielte ich für ein Gebot der Stunde.
- 14:00 kripale
Wie viel Zeit bleibt einem Rektor(enchef) eigentlich für Lehre und Forschung? Bzw bleibt überhaupt Zeit?
ANTWORT VON Hans Sünkel:
Null!
- 14:01 DiePresse.com.Moderator
Der Chat wird um 14.00 geschlossen, vielen Dank für Ihre Fragen.
- 14:02 Hans Sünkel
Ich bedanke mich herzlich für alle an mich gerichteten Fragen und hoffe, dass ich mit meinen Beantwortungen meine strategischen Ziele für die österreichischen Universitäten darstellen konnte.
Sünkel: "Freier Unizugang ist eine Illusion"
15.04.2010 | 18:40 | (DiePresse.com)
livechat Der Präsident der österreichischen Universitätenkonferenz, Hans Sünkel, diskutierte mit den DiePresse.com-Usern über den Rektoren-Ausstieg aus dem Hochschuldialog und Zulassungsbeschränkungen.
9 Kommentare
Aufnahmeprüfungen für alle
die besten dürfen studieren, die anderen halt nicht.Und wenn es vom Präsidenten der Nachwuchs ist.
Denkste!
Die größten Pfeifen werden durch nicht gar arme Eltern durch den Bildungsweg getreten und schlussendlich mit einem Protektionsführungsposten ausgestattet.
Nicht alle aber einige.
Freier UNI Zugang wird von den LINK -Linken gefordert,
weil sie lieber ihre Zeit in der UNI verbringen natürlich auf Kosten der dämlichen Steuerzahler ,als beim Arbeiten. Wie erkennt man die Link -Linken, sie haben zwei Linke Hände.primitiv
Re: Freier UNI Zugang wird von den LINK -Linken gefordert,
Plötzlich ist alles Links-Link das nicht von einem Plakat mit der wehenden Österreichfahne im Hintergrund und blauem Säumnis im Vordergrund grinst?Kann mir jemand erklären was dieses Links-Links überhaupt bedeuten soll? Ist das genauso eine verdummende Sprachvergewaltigung wie "Gutmensch"?
Übrigens absolut abstrus Gut u. Mensch in Verbindung zu einem negativen Wort zu machen. Ihrer "Logik" nach würde das heißen, da die Rechten menschenfeindlich und bös sind ist Gutmensch für sie was schlechtes.
Re: Re: Freier UNI Zugang wird von den LINK -Linken gefordert,
Such mal die Definition von "Gutmensch" du Intelligenzbestie. Dort steht dann auch, was es bedeutet und wie es entstanden ist.Re: Re: Re: Freier UNI Zugang wird von den LINK -Linken gefordert,
Um mich zu wiederholen: Ist das genauso eine verdummende Sprachvergewaltigung.Lernen Sie Sinn erfassend lesen.
Didaktik nicht wichtig
Ich frage mich wie er exzellente Forschung ohne exzellente Ausbildung der Forscher erreichen will.Da beißt sich die Katze doch in den eigenen Schwanz oder nicht?
Re: Didaktik nicht wichtig
wenn man mit den besten der fachbereichen arbeiten kann, lernt man am meisten. didaktik ist (zumindest für meinen bereich/angewandte informatik) zweitrangig - exzellenz in der forschung öffnet deutlich mehr türen als gute pädagogen! und die TU Graz ist da ja als innovativste uni des landes (meisten patente im vorjahr) federführend :-)Re: Re: Didaktik nicht wichtig
Dennoch muss sich der Student vor allem zu Beginn, unnötigerweise, durch mehr durchbeißen als sein müsste.Denn bis der jeweilige Student dann tatsächlich mitarbeiten kann, vergeht das eine oder andere Semester.

Sünkel: ''Abschaffung der Studiengebühren unglückliche Entscheidung''
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