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Hochbegabt: Keine Angebote für Marian Kogler

18.04.2010 | 18:39 |  ROSA SCHMIDT-VIERTHALER (Die Presse)

Der jüngste Absolvent der TU Wien lehrt und forscht bereits mit 18 Jahren. Allerdings in Deutschland, denn in Österreich bekam er keine Angebote von seiner Universität.

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Wien. Im Alter von drei Jahren machte Marian Kogler seinen ersten Intelligenztest. Das Ergebnis: Sein Intelligenzquotient überstieg den Wert von 150. Mittlerweile ist Kogler 18 Jahre alt, führt als jüngster Absolvent der Technischen Uni Wien den Titel Diplomingenieur und hat eine Vollzeitstelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Hochschule in Deutschland. Dass er – nach einer Ausbildung in Rekordzeit – nicht an einer österreichischen Uni lehrt und forscht, hat einen einfachen Grund: Er bekam kein Angebot.

Auf die Stelle an der Luther-Universität Halle-Wittenberg machte ihn der Betreuer seiner Diplomarbeit, Rudolf Freund vom Institut für Computersprachen, aufmerksam. „Ich habe mich beworben und wurde genommen“, sagt Marian Kogler im Interview mit der „Presse“. Ganz so, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, mit 18 Jahren im Ausland einen Forschungsauftrag zu erhalten. Kogler will anhand seiner Leistung beurteilt werden, er hasst es, als Wunderkind bezeichnet zu werden: Er sei volljährig, kein Kind, so Kogler. Und eine Hochbegabung sei auch kein Wunder: „Ich sehe mich als Wissenschaftler“, sagt der 18-Jährige selbstbewusst.

Und wie kommt der blutjunge Informatiker bei den Studenten an seiner neuen Uni an? „Der österreichische Akzent ist unter den Studenten ein größeres Thema als mein Alter“, sagt er, während er an seiner heißen Schokolade nippt. Die Unsicherheiten, die er zu Beginn als Vortragender hatte, seien mittlerweile beseitigt. Auf den ersten Blick entspricht er dem klassischen Klischee des Hyperintelligenten: Er geht gebückt und trägt eine Brille, spricht im Eiltempo und ohne Gefühlsbetonung. Doch Kogler ist nicht einseitig – sondern interessiert sich auch für Politik, Zeitgeschichte und Sprachwissenschaft. Er gibt sich selbstbewusst und ist „durchaus glücklich“ mit seiner Hochbegabung.

 

Vom Ausland profitieren

Die Arbeit an der Luther-Uni gefällt dem Teenager gut. Sein Betreuer riet ihm nach der Beendigung seines Studiums dazu, bald ins Ausland zu gehen. Gerade in den USA sei es wichtig, früh eine Professur zu bekommen. Kogler selbst sah einen Wechsel in die USA oder nach Kanada aber zu diesem Zeitpunkt nicht als ideal an. Ohne Doktortitel habe man dort kaum eine Chance. Nachdem kein interessantes Angebot aus Österreich kam, war Deutschland für ihn eine klare Wahl. Ein wenig enttäuscht ist er aber doch darüber, dass ihm an seiner Universität, der TU Wien, keine Stelle angeboten wurde. „Ich kenne die Gründe nicht, die dazu geführt haben, dass kein Angebot aus Wien kam. Aber ich habe das Beste daraus gemacht“, so sein Resümee.

Dass wissenschaftlicher Nachwuchs ins Ausland geschickt wird, gehört zum Konzept der österreichischen Universitäten: Es sei gut, dass junge Leute weggehen, sagt der Vorsitzende der Universitätenkonferenz, Hans Sünkel. So sammle man wichtige Erfahrungen, erweitere seinen Blickwinkel. Doch wie holt man erfolgversprechende Wissenschaftler später wieder zurück ins Land? Mit guten Angeboten, meint Sünkel. Wie etwa im Fall des Immunologen Josef Penninger, der 2003 nach Österreich zurückkehrte. Was natürlich auch viel Geld kostete. Geld, das amerikanische Elite-Institute haben, die österreichischen Hochschulen zumeist aber nicht.

Marian Kogler blickt positiv in die Zukunft – ob diese für ihn in Österreich liegt oder anderswo, spielt keine große Rolle. Sein Bereich ist mit Molecular Computing die theoretische Informatik, und dort werden immer Spitzenkräfte gesucht. Wichtig, so Kogler, sind für ihn bei einer Anstellung die Rahmenbedingungen, etwa, wie viel Zeit er mit Forschung verbringen kann und wie interessant das Forschungsfeld für ihn ist.

 

„Neid gibt es sicher“

Mit wem aber verbringt Marian Kogler die Freizeit? „Ich suche keinen Kontakt mit Hochbegabten, sondern mit denen, die ähnliche Interessen haben“, erzählt er. Seine Freunde und Bekannten sind hauptsächlich Studenten. Manche von ihnen seien zwar hochbegabt, doch das spiele für ihn keine Rolle. Neid gebe es zwar sicher, doch das habe ihn noch niemand spüren lassen. Vergangene Woche stellte Kogler denn auch sein Buch vor: „Gemischte Gefühle und anderer Zeitvertreib – Erfahrungen und Einsichten eines Hochbegabten“. Darin schildert Kogler seine Schul- und Studienzeit und erläutert, wie das ideale Bildungssystem aussehen soll. Eine strikte Trennung zwischen „Normalbegabten“ und Hochbegabten hält er nicht für sinnvoll, weil viele Schüler eben nur in einzelnen Bereichen hochbegabt seien.

Geworden ist das Buch seiner Erfahrungen auch eine Autobiografie. Eine Bezeichnung, bei der der erst 18-Jährige dann aber auch selbst lächeln muss.

ZUR PERSON

Marian Kogler. Bereits im Alter von zweieinhalb Jahren konnte er lesen – nur ein halbes Jahr später schreiben und dreistellige Zahlen addieren und subtrahieren. Die Volksschule und AHS-Unterstufe erledigte Kogler in je drei Jahren. Im Alter von 13 Jahren inskribierte er Informatik an der Technischen Universität Wien, die für ihn eine Sonderregelung schuf. Im Alter von 16 Jahren machte Kogler seinen Bachelor – mit 17 schließlich den Diplomingenieur.

Seit April hat Marian Kogler eine Vollzeitstelle an der Martin-Luther-Uni in Halle-Wittenberg, Deutsch- land. Dort forscht er im Bereich „Molecular Computing“ und hält auch Lehrveranstaltungen ab. Nun veröffentlichte er sein erstes Buch „Gemischte Gefühle und anderer Zeitvertreib“. Seine Zukunft will er sich noch „völlig offenhalten“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2010)

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30 Kommentare
 
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Gast: IGITUR
12.01.2011 23:55
0 0

Von der Schule in die Schule

Herr Marian Kogler mag zwar hochbegabt sein. Aber mit seinen 18 Jahren soll er ruhig forschen! Aber nicht lehren! Denn zum Lehren braucht es Erfahrung! Vor hundert Jahren haben bedeutende Wissenschafter freiwillig Bildung für alle weitergegeben, in diese,m Fall sind zu erinnern an de "Soziologische Gesellschaft", die so genannte "Damenakademie". Heute lehren schon hochbegabte Kinder wie Herr Kogler, was soll das? Herr Marian Kogler muss zuerst selbst das Lehren lernen und nicht von der Schule gleich wieder zurück in die Schule gehen!!!

komajo
22.04.2010 06:29
0 0

Ich staune

Wie sieht ein Intelligenztest für Dreijährige aus?

Gast: hase
20.04.2010 05:11
0 0

zusammenfassung

wir haben den penninger zurueckgeholt.

das war 2003. vielleicht waers zeit, wiedermal ein bisschen geld reinzuhauen. dann geht sich evtl. ein schnitt aus: alle 10 jahre (also praktisch ununterbrochen) holen wir uns einen topwissenschafter zurueck.

naja wurscht.

Antworten Gast: gast
20.04.2010 15:12
0 0

Re: zusammenfassung


Edelsbrunner ? Schmiedmayer ? Henzinger ?

baul
19.04.2010 18:15
2 2

soziale Kompetenzen?

Hochbegabt und ein sehr früher Abschluss ist das eine, die andere Seite ist, dass man für Forschung und besonders für Lehre auch soziale Kompetenzen braucht. Von denen ist überhaupt noch keine Rede gewesen! Ich möchte ja dem jungen Mann nichts unterstellen aber gerade bei den sogenannten Hochbegabten sind letztere oft mangelhaft bzw schlecht ausgeprägt.

Antworten Gast: Harpokrates
19.10.2010 10:43
1 0

Re: soziale Kompetenzen?

Er ist mein Dozent im Fach Mathematische Grundlagen der Informatik (Seminar/Übung). Nun seine Begabung möchte ich ihm unter keinen Umständen absprechen, noch bin ich neidisch auf diese, da mich Mathematik/Informatik höchstens in der Anwendung interessiert (Grafik-, KI- und Physikprogrammierung).

Marian Kogler zeigt sich zwar als interessiert, engagiert und freundlich, jedoch mangelt es ihm vehement an sozial-pädagogischer Kompetenz und Erfahrung, weswegen ich es, trotz (Hoch)Begabung, für nicht tragbar halte, unerfahrene (Hoch)Begabte auf Studenten loszulassen.

Antworten Antworten Gast: Hermokrates
12.01.2011 23:58
1 0

Re: Re: soziale Kompetenzen?

Vollkommen richtig! Was soll dieser Schüler schon Schülern lehren können. Marian Kogler zeigt zweifellos die Inkompetenz des Bildungssystem auf, weil er über keine soziale Kompetenz verfügt. Und das kommte von der Wahlfreiheit!

da wuzzi
19.04.2010 17:21
3 3

?

Der junge Mann scheint etwas an der Realität vorbeigeschrammt zu sein. Assistenten bekommen keine Stelle angeboten, sie bewerben sich. Oder meint er gleich eine Professur bekommen zu müssen?
Er hätte halt mit seinem Mentor reden müssen, dann hätte er im Drittmittelbereich untergebracht werden können (da geht's ohne Ausschreibung und in erster Linie um die Forschung) - das ist aber nicht primär Sache der Uni, sondern des Projektleiters.

Antworten vondelpark
19.04.2010 22:10
0 0

Re: ?

An der Realität vorbei geht wohl eher Ihr Kommentar! Auf eine Stelle bewerben kann man sich nur, wenn eine ausgeschrieben wird und wie die diesbezügliche Situation sich darstellt wissen alle, die nur ein bisschen Einblick ins universitäre System haben: Wenn man das Glück hat, eine der raren Assistentenanstellungen zu ergattern, ist diese schlecht bezahlt, Teilzeit und befristet und danach Tschüss! Und tun Sie bitte nicht so, als ob Drittmittel-Arbeitsverhältnisse so super attraktiv sind...in manchen Fächern für eine bestimmte Zeit: Ja, aber reden Sie mal mit den tausenden Betroffenen, die sich von Jahr zu Jahr dahin hanteln müssen in prekärsten Arbeitsverhältnissen und nie mehr den Sprung zurück ins "echte" Unisystem schaffen. Der wissenschaftliche Nachwuchs dieses Landes wird seit Jahren auf eine unbeschreibliche Weise frustriert... den Politikern, Unirektoren und der Öffentlichkeit ist's scheinbar aber völlig egal, denn "die Besten werden schon durchkommen" und "mit Arbeitsplatzsicherheit verwöhnen dürfen wir die Großkopferten nicht, sonst tun sie nix ja mehr und nisten sich auf ihren Posten ein wie Quallen". Ohne exzellente Rahmenbedingungen keine exzellente Forschung und Lehre! Die Besten gehen ins Ausland und kommen - NIE wieder!

Gast: Gast aus USA
19.04.2010 16:52
0 4

Dummes Gerede eines Hochbegabten


In die USA nur mit Doktortitel ? In die USA geht man, um einen Doktortitel zu erwerben, gerade in Informatik. Stanford, Berkeley, MIT, Cornell, ...

Warum geht Kogler in eine mittelmaessige deutsche Arbeitsgruppe an einer schwachen Universitaet ?

Offenbar hat er sehr schlechte Berater.

Antworten Gast: informatiker
19.04.2010 19:14
0 0

Re: Dummes Gerede eines Hochbegabten


Was will der in Halle - Wittenberg ? Dort schicke ich meine Feinde nicht hin, und schon gar keinen Hochbegabten.

2 3

S.g. Herr Kogler!

Nach erfolgter Geschlechtsumwandlung hätten Sie die besten Vorausssetzungen als Quotenfrau. Anssonsten war Ihr Schritt ins Ausland ein Schritt in die richtige Richtung.

MfG + weiterhin viel Erfolg,
H.M.

tomschi
19.04.2010 15:25
0 4

In seiner Biografie schreibt er doch,...

...dass er in der Schule immer schlechte Betragensnoten hatte. Das klingt jetzt gemein, aber vielleicht wollten sie ihn an der TU nicht, weil sie ihn schon kannten. Die Wissenschaft baut auf Teamwork auf, auch wenn das öffentlich oft nicht so dargestellt wird. Daher sind auch in diesem Bereich die sogenannten soft skills wichtig.

Gast: .
19.04.2010 15:03
1 1

.

vielleicht hat die TU schiss dass Marian dann auch bald einen pensionsantrag stellen wird ;-)

1. gratulation zu dem flotten abschluss
2. resultate der lehr und forschung sollten ortsunabhaengig sein
3. wien ist ein dorf ..

Gast: Gast
19.04.2010 13:15
1 8

Er wird sicher mal eine glückliche Beziehung

mit seiner Traumfrau haben...

mannimmond
19.04.2010 13:08
3 4

Die finanzielle Situation an unseren Unis

- soweit es sich um technische und naturwissenschaftliche Studien handelt - möchte ich mit folgendem Erlebnis aus dem Jahr 1990 illustrieren

Als ich an meiner Dissertation arbeitete, fragte ich "meinen" Professor, nach den Chancen auf eine Assistentenstelle, worauf dieser antwortete: "Wenn die ÖVP bei der nächsten Wahl nicht zu stark verliert, könnte der Busek vielleicht doch mehr Geld kriegen, und dann könnte sich vielleicht ..."

Die Wahl 1990 war für die ÖVP ein Desaster.

Im Bereich Frauenforschung (vgl. Werlhof: "Die Amerikaner haben das Erdbeben in Haiti ausgelöst") ist aber jede Menge Geld vorhanden.

galli leo
19.04.2010 12:25
1 9

hochbegabung

mag ja für die forschung günstig sein.
aber für die lehre???

ich erinnere mich da an meine eigene studienzeit: ich war ein 'spätberufener', der zuvor schon etliche jahre berufstätig war. und es war ein höchst seltsames erlebnis, deutlich jüngere assistenten mit kaum-lebenserfahrung und entsprechend seltsamen verhalten akzeptieren zu müssen...

Gast: sowhat?
19.04.2010 12:01
2 2

Trotzdem frage ich mich

ob es richtig ist, wenn Eltern die Hochbegabung ihres Kindes von Beginn an "fördern" -soll heißen sie keine Kinder sein lassen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich im späteren Leben dieser Kids, möglicherweise soziale Defizite heraus kristallisieren, da in solchen Fällen die komplette "normale Entwicklung" und der Kontakt mit Gleichaltrigen großteils zu kurz kommt. Von einem normalen Ausleben einer Pupertät kann hier ja auch nicht gesprochen werden. So würde ich mich als Elternteil fragen, ob ich meinem Kind wirklich nur das Beste angedeihen lasse, wenn es bereits mit 2 Jahren "Lese- und Rechenunterricht" bekommt. Klingt jetzt vielleicht nach Neid (habe NOCH keine Kinder), ist es aber nicht. Mich interessiert eher die entwicklungstechnische Komponente bei diesen Kindern und späteren Erwachsenen. Ungeachtet dessen: alles Gute für den jungen Mann!

Antworten Gast: alexie*
12.05.2010 11:03
0 0

Re: Trotzdem frage ich mich

unterricht?! er hatte als 2-jähriger doch keinen unterricht! > siehe biographie!

nicht födern, um eine "normale" entwicklung zu gewährleisten?!
wie soll denn das aussehen? etwa:
"nein, mein kind, ich beantworte dir deine fragen nicht. sei gefälligst NORMAL!" ???

Soll doch froh sein

Will er sein ganzes Leben an ein & derselben Uni verbringen ?

Gähhn ... der sichere geistige Tod.

Gast: mexx
19.04.2010 11:32
1 1

Sammeln Sie im Ausland Erfahrung,

der Prophet im eigenen Land hat noch nie was gegolten, es sei denn man wir hochgejubelt.
Jedoch ist das, was Sie aus eigenen Kräften erwerben, nachhaltiger.
Viel Erfolg.

Gast: Gast
19.04.2010 10:28
0 1

Ausgleich?

Das ist sicher ein Ausgleich. Zu meiner Zeit durften keine Kollegen, die irgendwie einen Deutsch klingenden Namen hatten lehren. Da war das verpönt

Gast: Gero Fero
19.04.2010 09:39
1 1

Stelle an TU Wien

Ohne Beziehung wird da nichts gehen.

Antworten Gast: XIO
19.04.2010 12:14
3 1

Re: Stelle an TU Wien

Das ist in Österreich nicht nur an den Unis so, sondern fast in jedem Bereich! die Fähigen lassen wir weggehen und unsere unfähigen Freunde kommen rein.
Genau deshalb geht Österreich vor die Hunde...

Antworten Antworten Gast: lux
19.04.2010 23:14
0 0

Re: Re: Stelle an TU Wien

des ane minus bei Ihnen zeigt, dass a so a unfähiger schmarotzer scho do gwesn is ;-)

Gast: tc_t
19.04.2010 09:33
2 1

welch ein armutszeugnis für unser land

und welch für ein gewinn für diesen jungen mann, wenn er nun erfahrungen im ausland gewinnen kann. er ist sicher nicht der erste, der diesen weg geht, um seine träume zu verwirklichen

 
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