23.05.2012 18:18 | Meine Presse Merkliste 0

Rektorenchef: "Peinlich, dass jeder studieren darf"

21.05.2010 | 17:30 |  Christoph Schwarz (Die Presse)

Hans Sünkel kritisiert im Gespräch mit der "Presse" die "planlose" Hochschulpolitik: Sinkt das Budget weiter, drohen Kündigungen. Von den Fachhochschulen fordert Sünkel Solidarität.

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„Die Presse": Die Studierenden fordern angesichts der Sparmaßnahmen im Uni-Sektor, dass die Rektoren in den Protest gegen das Ministerium einstimmen. Wann gibt es die erste Rektorendemo?

Hans Sünkel: Die Rektoren sitzen mit den Studenten in einem Boot. Wir wollen das Beste für die Unis und sehen uns mit einer sehr einfältigen Politik konfrontiert. Während andere Ländern, etwa Deutschland und Frankreich, in die Zukunft investieren, wird in Österreich in allen Ressorts mit dem Rasenmäher drübergefahren. Den Unis drohen Budgetverluste bis zu zehn Prozent. Ich hätte mir erwartet, dass nicht überall der Rotstift angesetzt wird, sondern dass es in jenen Bereichen, in denen die Zukunft des Landes liegt, nicht weniger, sondern mehr Geld gibt. Da ist der Regierung offensichtlich der Mut abhandengekommen.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) sagt, die Unis sollten effizienter wirtschaften. Wo gibt es Einsparungspotenzial?

Sünkel: Da kann ich den Ball nur zurückspielen. Einsparungspotenzial sollte man zunächst in Wien suchen. Hier gibt es durchaus Handlungsspielräume. Etwa wenn ich daran denke, dass man es sich in manchen Bereichen noch immer leisten kann, die Leute mit 51 Jahren in Pension zu schicken. Die Unis haben in den vergangenen Jahren Effizienzsteigerungen durchgeführt, von denen man in anderen Bereichen nur träumen kann.

Dennoch werden sie sparen müssen. Wo also?

Sünkel: Wenn es dazu kommt, müssten wir uns absprechen, wer überhaupt noch welche Studien anbieten kann. Schnelle Entlastungen sind nur über Personaleinsparungen möglich - und durch einen Stopp von Bauvorhaben. Zudem müssten wir die Bundesimmobiliengesellschaft drängen, den Uni-Sektor als Non-Profit-Sektor zu gestalten - und nicht mit unseren Mieten dem Finanzminister wieder unser Geld zuzuschieben.

Eine Sparmaßnahme wären Kooperationen, wie Sie sie im naturwissenschaftlichen Bereich zwischen TU Graz und Uni Graz betreiben. Sind andere Rektoren wenig innovativ?

Sünkel: Wir zeigen in Graz vor, wie es geht. Ein ähnliches Modell wäre für Wien denkbar. Ich bin für Kooperationen; Zwangsehen lehne ich ab.

Die Ministerin könnte sich auch vorstellen, bestimmte Studien überhaupt nur noch an einer einzelnen Uni anzubieten.

Sünkel: Da kann ich die Gegenfrage stellen: Reicht es nicht aus, wenn das Philharmonische Orchester statt zehn Geigen nur eine hat? Nein. Eine gewisse Vielfalt muss zulässig sein, sonst leidet das Gesamtsystem.

Sie haben gefordert, man solle in anderen Hochschulbereichen sparen, etwa an den FH und den Pädagogischen Hochschulen (PH). Das klingt nicht sehr solidarisch . . .

Sünkel: Solidarität sollten die FH zeigen. Die Unis haben beschränkte Kapazitäten und einen offenen Zugang, während die FH den Zugang beschränken dürfen und die Studienplatzfinanzierung gewährleistet ist. Da ist es legitim, Einschränkungen nicht nur bei Unis einzufordern. Ich gehe noch weiter: Da die Unis die höchsten Bildungseinrichtungen des Landes sind, sollte eigentlich an FH und PH der Zugang freigegeben und jener an den Unis beschränkt werden.

Die Unis wurden auch gerügt, zu wenig private Mittel einzuwerben.

Sünkel: Da kann ich nur lachen. Im internationalen Vergleich stehen wir hervorragend da. An der TU Graz haben wir die Drittmittel in sieben Jahren von 20 auf 51 Millionen Euro gesteigert. Das ist im Verhältnis zu den 100 Millionen Euro, die vom Bund kommen, schon herzeigbar. Was fehlt, sind Einnahmen durch Studiengebühren.

Mit 363 Euro Studiengebühr pro Student und Semester kann man kein Budget sanieren.

Sünkel: Dieser Betrag kann das Leben der Unis verbessern, es geht um rund 150 Millionen Euro im Jahr. Das Thema ist ein Trauerspiel. Die Politik hat aus wahltaktischen Gründen die Gebühren für Inländer de facto abgeschafft und für Leute aus dem EU-Ausland halbiert. Wir schieben diesen Ländern auf Kosten der Unis Geld in den Rachen. Ich bin peinlich berührt, wenn ich Kollegen aus dem Ausland mitteile, dass Studierende in Österreich maximal zwei Euro am Tag zahlen, um das gesamte Angebot nutzen zu können. Das ist der Gegenwert eines Mineralwassers. Noch peinlicher ist, wenn ich sagen muss, dass jeder studieren darf, der will.

Wie sehen sinnvolle Studiengebühren aus?

Sünkel: Die Beiträge können durchaus vier- bis fünfmal so hoch sein wie bisher. Und für Ausländer noch einmal doppelt so hoch. Wer jedoch sozial bedürftig, aber befähigt und leistungsbereit ist, soll von einem besseren Stipendienwesen profitieren und keinesfalls am Studium gehindert werden.

Im Uni-Dialog des Ministeriums werden derzeit Grundlagen für den „Österreichischen Hochschulplan" erarbeitet. War es ein Fehler der Rektoren, aus dem Dialog auszusteigen?

Sünkel: Wir bereuen den Ausstieg nicht. Der Hochschulplan lässt seit Langem auf sich warten. Das repräsentiert den Zustand der gesamten Regierung. Ich glaube, dass sie tatsächlich keinen Plan hat. Das führt auch die Leistungsvereinbarungen in eine Sinnkrise. Ohne Abstimmung zwischen den Institutionen mangelt es Einzelvereinbarungen mit dem Ministerium an Sinnhaftigkeit.

 

 

(("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2010))

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147 Kommentare
 
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fireone
26.05.2010 07:07
0 0

Tja, Magnifizenz,

es soll auch unter Leuten mit wenig Geld, Begabte geben. Nicht das Geld oder die Herkunft sollen entscheiden, wer studiert, sondern die Begabung. Ist jemand wirklich begabt, MUSS es egal sein, woher er kommt. Bei den Bildungsausgaben zu sparen, heißt, die Zukunft verspielen. Aber vielleicht ist das von höherer Stelle so gewollt.

Gast: gast
25.05.2010 17:57
0 0

auf dem foto

schaut er aus wie ein nazi scherge

Antworten Gast: Eleonora K.
26.05.2010 14:26
0 0

Re: auf dem foto

Du bist wohl krank?

Gast: eamonclever
25.05.2010 14:37
0 0

so falsch ist die aussage nicht

ich finde es okay, dass jeder das studieren kann wozu er geeignet ist aber nicht das was er will. Wenn er das studieren kann, was er will bin ich für die wiedereinführung der studiengebühren.

Antworten Gast: Insider
26.05.2010 16:16
0 0

Blöd ist nur,

dass man erst während des Studiums (durch schwere aber faire Prüfungen in der Materie des Studiums) feststellen kann, ob ein Student geeignet ist oder nicht. Die derzeit angewandten Kreuzerltests sind ja genauso unzuverlässig wie Kaffeesudlesen ...

Gast: Hun
25.05.2010 14:33
0 0

Das einzig Entscheidende für die Bildung unserer Kinder

ist also, dass es dem Herrn S. nicht peinlich sein darf ...

Stephanos
25.05.2010 01:59
0 0

Falsch

ist die Aussage, dass jeder studieren darf, der will.
Matura bzw.Studienberechtigungsprüfung sind zumindest derzeit noch Voraussetzung.

Antworten Gast: gast
25.05.2010 12:11
0 0

Re: Falsch

Und die Matura ist heutzutage so leicht zu kriegen wie noch nie. "Empfehlungen" von oben, die Drop-Outs in den höheren Schulen möglichst gering zu halten, führen zwangsläufig zu einem Sinken des Niveaus. Die Zentralmatura wird das noch verschärfen, denn dort sollen im Bereich der BHS Schüler aus verschiedenen Schultypen mit völlig unterschiedlichen Lehrplänen und Wochenstundenzahlen die gleiche Matura machen - natürlich auf dem Niveau des kleinsten gemeinsamen Nenners. Die Matura ist leider kein Qualitätsmerkmal mehr...

wolfentfj
24.05.2010 22:28
1 0

Peinlich sind ...

... solche Aussagen, sowie die Tatsache, dass selbst der Rektorenpräsident seine "Schnitzelbuden" mit dem "Steirereck" verwechselt. Diese permanenten Vergleiche mit anderen Ländern in Sachen Finanzierung mittels Gebühren zeigen die völlige Ahnungslosigkeit der internat. Qualitätsstandards im Vergleich mit dem österr. Niveau. Mit solchen Vergleichen wird stets nur die Eselsmütze der Kommentatoren sichtbar!

Gast: Gast
24.05.2010 15:06
3 0

Stolz

er sollte stolz darauf sein, dass in Österreich jeder, der die Matura geschafft hat auch studieren darf. Was daran peinlich sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.

1 1

Re: Stolz

Dürfen tut er auch wenn er dafür zahlen muss.
und jene die es sich nicht leisten können, für die ist es eh gratis.

Ich weiß nicht warum sich alle über die soziale Ungerechtigkeit der Studiengebühren aufregen.
Einer zahlt immer, und da ist es sozial gerechter wenn das jene sind, die das Angebot in Anspruch nehmen, und auch für die zahlen, welche weniger Geld haben.

Antworten Antworten Gast: Steuerzahler2000
25.05.2010 14:36
0 0

Sie beleidigen Ihren Nick.

Was sollen Studiengebühren wirtschaftlich betrachtet bringen, wenn nach langer Prüfung durch viele, viele Beamte 2 von 3 Studenten de fakto nichts bezahlen, da sie gleich hohe Beihilfen erhalten? Allein die Uni Wien musste für diese Überprüfungen 180 Beamtenposten bezahlen ... da ist es für Österreich doch bitte deutlich wirtschaftlicher, gleich ein Gratisstudium anzubieten und sich den unnötigen Beamtenstaat im Hinterrgund zu ersparen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Hugo Preitzi
26.05.2010 16:17
0 0

Da haben Sie genau ins Schwarze getroffen.

Das System der Studiengebühren plus Stipendien ist zwar das fairste - aber auch sauteuer. Teurer als ein freier Uni-Zugang.

Gast: gast
23.05.2010 14:45
2 0

nix ist gratis im leben. auch die bildung nicht...

wo ist das problem, wenn es studiengebühren gibt und trotzdem jeder unabhängig vom geldbeutel studieren darf (ordentliches stipendiensystem). ich find das wär fair. oder sind die leute, die dagegen wettern dieselben, die faymann&co wieder auf platz eins hieven??? (ich hab während meines studiums nebenbei auch gearbeitet um mir das ganze zu finanzieren und mich nie darüber beschwert...)

Antworten Gast: St2
25.05.2010 14:37
0 0

Re: nix ist gratis im leben. auch die bildung nicht...

Ganz einfach: die vielen Beamten, die man dann für das "ordentliche Stipendiensystem" braucht, kosten mehr als ein freier Studienzugang. Wirtschaftlich denken, bitte!

Gast: mp
22.05.2010 19:25
4 0

na endlich

spricht mal jemand die wahrheit offen aus...

studieren sollten die intelligentesten und besten des landes, unabhängig von ihrer sozialen herkunft......und nicht jeder dummkopf - weil die simple konsequenz fehlender auswahlverfahren ist, dass das gesamtniveau sinkt und im ausland über österreichische uni-abschlüsse irgendwann nur mehr gelacht wird (wenn das nicht eh schon der fall ist)

nebenbei verlieren wir die so wichtigen facharbeiter mit hak-/htl-abschluss, die die wirtschaft am dringensten braucht, weil jeder ja unbedingt studieren muss.....man kann sowas getrost als bildungsinflation bezeichnen.

selektion ist schließlich auch ein guter steuerungsmechanismus. mit welcher rechtfertigung soll die einfache arbeiterschaft das arbeitslosengeld für hundertschaften an soziologie-, philosophie- und publizistikstudenten bezahlen müssen, nur weil diese auf biegen und brechen ihr recht auf "freien" bildungszugang ausüben müssen?

langfristig muss sich da was ändern....bildung ist sehr wohl auch AUSBILDUNG, weil die gesellschaft auch was dafür zurückbekommen soll, wenn sie jemandem ein universitätsstudium ermöglicht

Antworten Gast: gast
22.05.2010 22:03
0 4

Re: na endlich

und u kennst die wahrheit gratuliere

Gast: Gastname
22.05.2010 16:35
1 2

Überschrift

Ich finde, dass mehr Frauen als Rektoren taetig sein sollten und das undemokratische Personen in hoechsten Positionen schon seit langer Zeit nicht mehr erwuenscht sind, als Techniker aber gar untragbar.

Antworten Paroles
22.05.2010 18:21
1 0

Re: Überschrift

Positionen sollten nach Qualifikation vergeben werden. Unqualifizierte Quotenfrauen sind ein großer Schaden für das ganze System.

Gast: johannes
22.05.2010 15:36
2 1

das problem ist, dass

das das studium zu leicht geworden ist. eigentlich sollte man einen fähigen studenten daran erkennen, dass er seine prüfungen schafft. leider ist es immer häufiger so, dass die lehrveranstaltungsleiter die prüflinge immer irgendwie durchlassen oder zumindest keine note auf eine negative leistung geben. ich kenne einige beispiele.

nicht geeignete studenten sollten von der uni rausgekickt werden. dann würde schnell das niveau steigen.

Antworten artemis70
22.05.2010 18:57
1 2

Re: das problem ist, dass

ja, johannes, da hast du wochenlang tag und nacht gestrebert - und dann lassen sie die faulen säcke, die nix gelernt haben, auch durch die prüfung. die welt ist so was von ungerecht.

ps: was haben wir uns unter "das studium" vorzustellen?

Antworten Gast: gast
22.05.2010 16:50
0 2

Re: das problem ist, dass

du bist ja ganz ein toller ich bin stolz auf dich du bist das beste beispiel dafür wie man nicht sein sollte hoffentlich kicken sie dich bald raus falls du überhaupt schon mal eine uni betreten hast

Gast: Tilla Eulenspiegel
22.05.2010 15:27
3 1

Zuerst mal vor der eigenen Tür kehren

Rektor Sünkel ist doch nicht einmal in der Lage, im eigenen Haus zu kehren. Selbst in seinem eigenen engsten Umfeld seiner (selbst handverlesenen) Vizerektoren ist "seine" TU doch ein Selbstbedienungsladen wo zuerst auf den eigenen Vorteil geschaut wird.
Und auf der einen Seite (Richtung Wirtschaft) jammert er, dass es in manchen Bereichen keine Studenten gibt und dann will er auf der anderen Seite 2/3 der jungen Menschen das Studium durch Studiengebühren unmöglich machen.

Gast: Grimbart der Freche
22.05.2010 14:38
3 5

ja, peinlich

wirklich peinlich ist eine derartige Einstellung!
Beschämend.

Der Anfanbgsbuchstabe des Namens sollte vielleicht ein D sein, anstelle des S

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so ein mann, so ein mann...

"Die Beiträge können durchaus vier- bis fünfmal so hoch sein wie bisher."

ja, genau. sowas kommt raus, wenn man einen techniker zu sozial relevanten themen befrägt. selber keinen cent fürs die äusserst lukrative ausbildung bezahlt, keift er nun in die bildungspolitik hinein und fordert umgehend "uni nur für reiche".

verpissen sie sich - niemand wirds merken.

Antworten mr.vain-
23.05.2010 01:19
1 1

Re: so ein mann, so ein mann...

Darf ich Sie also fragen Copshootcop: kann es sein, dass Sie als manisch-depressiver Frührentner Ihre bipolaren Ausschläge nicht mehr ohne Gras in den Griff bekommen und mit der Zeit schon leicht schizophren geworden sind?

 
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