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Bachelor: Unsichere Karrierewege

20.06.2010 | 18:35 |   (Die Presse)

Nur 30 Prozent haben konkrete Job-Ideen; 75 Prozent hängen Masterstudium an. Weniger Bedeutung messen die Studenten – quer durch die Hochschultypen – den finanziellen Aussichten nach Studienabschluss zu.

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WIEN(chs). Eigentlich soll der neue Bachelorabschluss die Studenten verstärkt auf ihren (früheren) Eintritt in den Arbeitsmarkt vorbereiten – wirklich zu erfüllen scheint er diesen Anspruch nicht. Das ergab eine Befragung der Bachelorstudenten in der neuen Studierendensozialerhebung. Vor allem an den Unis ist die Skepsis groß: Nur 36 Prozent der Uni-Studierenden gehen von einer „guten Vorbereitung auf die Berufstätigkeit“ aus, heißt es in dem vom IBW (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) erarbeiteten Sonderbericht. Wesentlich höher ist der Anteil mit 62 Prozent bei den FH-Studenten.

Spannend sind diese Ergebnisse vor dem Hintergrund der Studienmotivation: Denn auch bei Uni-Studenten stehen (allen Forderungen nach „Bildung statt Ausbildung“ zum Trotz) arbeitsmarktbezogene Motive im Vordergrund: Neben dem „Interesse an einer bestimmten Fachrichtung“ (für rund 91 Prozent wichtig) sind „bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ für 74 Prozent der Uni-Studenten eines der Hauptmotive für ein Studium. An den FH liegt der Wert bei 83 Prozent, in den wirtschaftsnahen Fachrichtungen nannten dieses Motiv sogar 90 Prozent der Befragten. „Eine ideologische Distanzierung vom Arbeitsmarkt ist im studentischen Bewusstsein damit weder an den Uni- noch an den FH-Studiengängen gegeben“, heißt es in der Analyse des IBW.

Weniger Bedeutung messen die Studenten – quer durch die Hochschultypen – den finanziellen Aussichten nach Studienabschluss zu: „Gute Einkommensmöglichkeiten“ nannten somit nur 65 Prozent der rund 16.000 Befragten als wichtiges Motiv; ein mögliches „höheres Ansehen“ ist gar nur für 37 Prozent von Bedeutung.

Ein Arbeitsantritt nach Bachelorabschluss ist dennoch für die wenigsten eine Option: Immerhin 75 Prozent geben – entgegen der eigentlichen Intention des Bologna-Prozesses – an, direkt ein Masterstudium anzuhängen. Auch an den FH liegt dieser Anteil, etwas überraschend, bei 73 Prozent. Das IBW führt diese „geringe Neigung, nach dem Bachelor auszusteigen“, in seiner Analyse auf die „Wirksamkeit der österreichischen Tradition langer Erststudien und das hohe Anspruchsniveau von Hochschulbildung“ zurück.

Mit der hohen Weiterstudierquote lässt sich laut IBW auch erklären, dass 71 Prozent der Bachelorstudenten noch keine „konkreten Vorstellungen“ über ihre spätere berufliche Tätigkeit haben. An den Unis wissen gar nur 22 Prozent, welchen Job sie nach ihrem Abschluss ausüben wollen, an den FH liegt der Anteil bei 34 Prozent.

 

Keine Lust auf Forschung

Eines jedenfalls wissen die Studierenden genau: Eine wissenschaftliche Karriere ist nur für die wenigsten interessant. 22 Prozent sehen sich später in einem forschenden Beruf, am größten ist das Interesse der Studenten an der Forschung noch in den Naturwissenschaften (Unis: 56 Prozent, FH: 71 Prozent). „Die Ausrichtung der Berufsvorbildung primär in Richtung Wissenschafts- und Forschungsnachwuchs ist“, schreibt das IBW, „damit nicht für alle Fachbereiche gleichermaßen relevant.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2010)

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