Rudas: „Studiengebühren derzeit kein Thema“

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas über die Probleme an den Unis und die Meinungsfreiheit in ihrer Partei. Hochschulen brauchen ein ordentliches Studienplatzfinanzierungsmodell und ein Stipendiensystem.

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(c) Michaela Bruckberger

Die Presse: Alle vier Landeshauptleute der SPÖ können sich neuerdings die Wiedereinführung von Studiengebühren vorstellen. Hat die Partei einen Meinungsschwenk vollzogen?

Laura Rudas: Da haben Sie jetzt ein bisschen rausselektiert. Alle vier Landeshauptleute haben gesagt: Wir brauchen zuerst ein verbessertes Stipendiensystem. Das sehe ich auch so, denn das aktuelle ist nicht treffsicher genug. Aber Studiengebühren sind im Moment kein Thema für die SPÖ.

 

Ihr Bundesgeschäftsführerkollege Günther Kräuter sieht das offenbar anders. Ab 2013 könne er sich die Einführung von Studiengebühren für Kinder aus wohlhabenden Familien vorstellen, hat Kräuter am Montag gesagt.

Ich sage: Wir haben die Studiengebühren 2008 mit gutem Grund abgeschafft – und die Studenten vertrauen darauf, dass wir sie jetzt nicht wieder einführen.

 

Das klingt nach einer Meinungsverschiedenheit in der Geschäftsführung der SPÖ.

Wenn er glaubt, dass Studiengebühren jetzt ein Thema sind, dann bin ich nicht seiner Meinung.

 

Bis jetzt war das Nein zu Studiengebühren ein Dogma in der SPÖ. Wie kommt es dann, dass sich Michael Häupl, Franz Voves, Gabi Burgstaller, Hans Niessl und Günther Kräuter plötzlich mit deutlich milderen Positionen zu Wort melden?

Das liegt daran, dass sie von den Medien gefragt wurden. Unterschiedliche Positionen sind auch in Ordnung, wir leben ja zum Glück in einer Demokratie.

 

Aber früher sind die Landeshauptleute doch auch gefragt worden. Und die Antwort war immer ein kategorisches Nein. Insofern hat sich doch einiges geändert.

Aber es ist allen klar, dass Studiengebühren nicht die Probleme an den Unis lösen. Es wäre niemandem zu erklären, warum man für einen Platz auf dem Boden auch noch etwas zahlen muss.

 

Dem burgenländischen Landeshauptmann Niessl etwa geht es vor allem um Gerechtigkeit: Für jene, die mit dem Mercedes zur Uni kommen, wären Studienbeiträge sehr wohl denkbar, meint er. Ist das kein Ansatz für die Solidaritätspartei SPÖ?

Man müsste sich einmal anschauen, wie die Studierenden tatsächlich ihr Studium finanzieren. Wenn wir die dringlichen Probleme an den Unis gelöst haben, dann können wir weiterreden. Aber danach sieht es derzeit nicht aus.

 

Was braucht es Ihrer Meinung nach an den Unis?

Wir brauchen ein ordentliches Studienplatzfinanzierungsmodell und, wie gesagt, ein verbessertes Stipendiensystem. Die Unis sollten sich auch um die Studierenden bemühen – derzeit kommt es mir so vor, als hätten sich manche Rektoren zum Ziel gesetzt, die Studenten möglichst von den Unis fernzuhalten. Außerdem brauchen wir vernünftige Studienorientierungsphasen.

 

Was schwebt Ihnen da konkret vor?

Eine Studien- und Berufsberatung, die dann natürlich verpflichtend sein müsste. Derzeit sind rund 90 Prozent der Studenten in 20 Prozent der Fächer inskribiert. Hier ist das Wissenschaftsministerium in Zusammenarbeit mit der Hochschülerschaft gefordert.

 

Und dann müsste kein Student mehr am Boden sitzen?

Ich meine schon, dass das Abhilfe schaffen würde. Im Moment sind einige Studienrichtungen überhaupt nicht frequentiert. Ich glaube, dass eine Menge Leute gar nicht weiß, welche Vielzahl an Studienrichtungen und Berufsmöglichkeiten es gibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2010)

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