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Hochschule soll Bildungsferne erreichen

16.10.2011 | 18:14 |   (Die Presse)

Lebenslanges Lernen: Unis und Fachhochschulen wollen neue "Bildungsadressaten" finden. Dies hätte schon vor vielen Jahren passieren müssen.

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Wien/J.n. Der tertiäre Sektor hat ein Problem mit der sozialen Durchlässigkeit. Obwohl das bereits lange bekannt ist, sind es immer noch vorwiegend Kinder aus den bildungsaffinen Elternhäusern, die an den österreichischen Unis und Fachhochschulen studieren. Eine Chance, das zu ändern, könnte das lebenslange Lernen bieten. Jung und Alt sollen dabei von den Hochschulen angesprochen werden. Das war einer der ausführlich diskutierten Punkte bei der Veranstaltung „Lifelong Learning im Hochschulbereich“, die vergangenen Donnerstag gemeinsam von Universitäten- und FH-Konferenz organisiert wurde.

Projekte wie etwa die Kinder-Uni wurden dabei lobend hervorgehoben. Generell müssten sich die Hochschulen aber weiter öffnen, um sich eines weiteren Spektrums bedienen zu können, mahnte Michael Gaebel von der European University Association. Dem konnte auch Helmut Holzinger, Präsident der Fachhochschulkonferenz, etwas abgewinnen. Gerade im Fortbildungsbereich habe auch er den Eindruck: „Wer hat, dem wird gegeben.“ Denn viele der Fortbildungsangebote an Unis und Fachhochschulen sind gebührenpflichtig – und damit nicht für alle sozialen Schichten zugänglich.

 

Neue Bildungsadressaten

Schon vor vielen Jahren hätten die Hochschulen neue Bildungsadressaten ansprechen müssen. „Wir reagieren immer erst dann, wenn es bereits wehtut“, kritisiert Gaebel. Welche Adressaten für die Hochschulen künftig von besonderem Interesse sein sollten, erläuterte Gustav Lebhart, der Leiter der Landesstatistik Wien. In wachsenden Regionen sind das etwa Migranten. Bereits in der Elementarerziehung müsse der Grundstein gelegt werden, um die Kinder an eine höhere Bildung heranführen zu können. Denn all jene, für die Bildung nicht positiv besetzt ist, sind auch als Erwachsene nicht für lebenslanges Lernen offen. Es sei demnach nicht die „Schuld“ der Unis, dass Migranten- oder Arbeiterkinder an den Hochschulen unterrepräsentiert sind, meint Werner Lenz, Erziehungswissenschaftler an der Uni Graz.

 

Nicht bloß ein „Trend“

Obwohl alle 21 österreichischen Unis eine Strategie für das lebenslange Lernen entwickelt haben, könne man mit den jetzigen Bemühungen wohl keine „Breitenwirksamkeit“ erreichen, sagt Gaebel. An den heimischen Hochschulen passiere Weiterbildung quasi „nebenbei“, an Wochenenden oder Feiertagen. Lebenslanges Lernen sei aber keineswegs etwas, was den Hochschulen aufgebürdet werde, meint Lenz. Es gebe viele Lehrende – und es handle sich dabei keineswegs um die schlechtesten –, die gegen zusätzliche Bezahlung auch Weiterbildungslehrgänge leiten würden. Lebenslanges Lernen sei für die Hochschulen auch kein vorübergehender Trend, sondern vielmehr „gesellschaftliche Notwendigkeit“, stellte Holzinger klar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2011)

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3 Kommentare
Gast: Kaspar Hauser
17.10.2011 11:00
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Mehr oder weniger? Wie hätten Sie's gern?

Einerseits beklagt man sich über überlaufene Unis und erfindet alle möglichen Tricks um die Studentenzahl zu minimieren. Dann auf einmal will man mehr Studenten an die Unis bekommen.
Was jetzt? Mehr oder weniger?

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Re: Mehr oder weniger? Wie hätten Sie's gern?

Wie bei staatlichen Programmen üblich: gleichzeitig mehr und weniger. Dafür hat man ja die Dialektik erfunden...

Elementarerpädagogik und Tertiärer Sektor - ein ewiges Problem?

Bereits in der Elementarerziehung müsse der Grundstein gelegt werden, um die Kinder an eine höhere Bildung heranführen zu können. Denn all jene, für die Bildung nicht positiv besetzt ist, sind auch als Erwachsene nicht für lebenslanges Lernen offen

Dieser Satz könnte von uns sein - seit vielen vielen Jahren verweisen wir darauf, stets werden (nicht zuletzt wegen der mangelnden Unterstützung durch den tertiären Sektor) jedoch nur die sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen stein gespritzt. Die in den letzten Jahren allerdings - etwa mit dem inzwischen auch schon teilweise zurückgenommenen - "Gratiskindergarten" und dem Bildungsplan für Elementarbildungseinrichtungen oder dem Sprachenscreening.

Grundsätzliche Änderungen im System erfolgten - trotz separater Vorstösse durch GRÜNE und SPÖ - nicht. Die entsprechenden Anträge wurden in die Gremien verwiesen...

Wir hoffen nun, dass sich die geplante PädagogInnenBildungNEU nicht in einem Streit zwischen Pädagagogischen Hochschulen und Universitäten auswächst: dann wäre der Bildungsauftrag der Elementarbildungseinrichtungen weiterhin nur zögerlich bis gar nicht zu verwirklichen.

Was nicht an den PädagogInnen und nicht an den Einrichtungen, sondern an der Begehrlichkeit und Änderungsresistenz der Politik in Bund und Land liegt, die auch die kleinsten Ansätze schon äußerst schwierig macht - siehe das skurrile Prozedere bei der Sprachförderung!

Vorschläge für Änderungen liegen zuhauf vor: siehe www.Plattform-EduCare.org!

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