Wien/J.n. Der tertiäre Sektor hat ein Problem mit der sozialen Durchlässigkeit. Obwohl das bereits lange bekannt ist, sind es immer noch vorwiegend Kinder aus den bildungsaffinen Elternhäusern, die an den österreichischen Unis und Fachhochschulen studieren. Eine Chance, das zu ändern, könnte das lebenslange Lernen bieten. Jung und Alt sollen dabei von den Hochschulen angesprochen werden. Das war einer der ausführlich diskutierten Punkte bei der Veranstaltung „Lifelong Learning im Hochschulbereich“, die vergangenen Donnerstag gemeinsam von Universitäten- und FH-Konferenz organisiert wurde.
Projekte wie etwa die Kinder-Uni wurden dabei lobend hervorgehoben. Generell müssten sich die Hochschulen aber weiter öffnen, um sich eines weiteren Spektrums bedienen zu können, mahnte Michael Gaebel von der European University Association. Dem konnte auch Helmut Holzinger, Präsident der Fachhochschulkonferenz, etwas abgewinnen. Gerade im Fortbildungsbereich habe auch er den Eindruck: „Wer hat, dem wird gegeben.“ Denn viele der Fortbildungsangebote an Unis und Fachhochschulen sind gebührenpflichtig – und damit nicht für alle sozialen Schichten zugänglich.
Neue Bildungsadressaten
Schon vor vielen Jahren hätten die Hochschulen neue Bildungsadressaten ansprechen müssen. „Wir reagieren immer erst dann, wenn es bereits wehtut“, kritisiert Gaebel. Welche Adressaten für die Hochschulen künftig von besonderem Interesse sein sollten, erläuterte Gustav Lebhart, der Leiter der Landesstatistik Wien. In wachsenden Regionen sind das etwa Migranten. Bereits in der Elementarerziehung müsse der Grundstein gelegt werden, um die Kinder an eine höhere Bildung heranführen zu können. Denn all jene, für die Bildung nicht positiv besetzt ist, sind auch als Erwachsene nicht für lebenslanges Lernen offen. Es sei demnach nicht die „Schuld“ der Unis, dass Migranten- oder Arbeiterkinder an den Hochschulen unterrepräsentiert sind, meint Werner Lenz, Erziehungswissenschaftler an der Uni Graz.
Nicht bloß ein „Trend“
Obwohl alle 21 österreichischen Unis eine Strategie für das lebenslange Lernen entwickelt haben, könne man mit den jetzigen Bemühungen wohl keine „Breitenwirksamkeit“ erreichen, sagt Gaebel. An den heimischen Hochschulen passiere Weiterbildung quasi „nebenbei“, an Wochenenden oder Feiertagen. Lebenslanges Lernen sei aber keineswegs etwas, was den Hochschulen aufgebürdet werde, meint Lenz. Es gebe viele Lehrende – und es handle sich dabei keineswegs um die schlechtesten –, die gegen zusätzliche Bezahlung auch Weiterbildungslehrgänge leiten würden. Lebenslanges Lernen sei für die Hochschulen auch kein vorübergehender Trend, sondern vielmehr „gesellschaftliche Notwendigkeit“, stellte Holzinger klar.