Internationalisierung und Mobilität von Lehre und Forschung an österreichischen Universitäten standen heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) im Vordergrund. Töchterle lobte die Internationalisierungsstrategien der Unis, forderte aber gleichzeitig mehr Mobilität unter den Studenten und mehr Beteiligung an europäischen und internationalen Projekten. Um den Forschungsstandort Österreich besser international zu vernetzen, präsentierte das Ministerium eine interaktive Wissenslandkarte.
Ein Schwerpunkt des Hochschulplans und Ziel des Bologna-Prozesses ist die bessere Mobilität im Studium. Seit 20 Jahren nimmt Österreich am "Erasmus"-Programm teil, im Studienjahr 2010/11 waren 6000 Studierende im Rahmen eines Programms im Ausland. Die beliebtesten Destinationen sind Spanien, Frankreich und Großbritannien.
Etwa ein Drittel aller Studenten hat am Ende des Studiums einen Auslandsaufenthalt absolviert. "Das ist uns zu wenig, das muss noch mehr werden", erklärte Töchterle. "Da hat auch Bologna nicht so schnell und schlagkräftig gewirkt, wie es hätte sein können." Weiteren Reformbedarf des Bologna-Prozesses sieht der Wissenschaftsminister auch bei der Durchlässigkeit etwa zwischen verschiedenen Hochschulen.
Assymmetrisches Mobilitätverhältnis
Die große internationale Mobilität hat aber nicht nur Vorteile für Österreich, wie Töchterle zugab. Dass mehr ausländische Studenten nach Österreich kommen, als heimische ins Ausland gehen, führe zwangsläufig zu Kapazitätsproblemen. Rund ein Viertel der Studenten (etwa 72.000) an den heimischen Unis kommen aus dem Ausland; die meisten sind aus Deutschland, gefolgt von Italien und der Türkei.
Dieses asymmetrische Mobilitätsverhältnis will Töchterle zukünftig verstärkt ansprechen: "Wir wollen, dass das alle als Problem akzeptieren." Geld im Sinne einer europäischen Hochschulfinanzierung könne aber nicht die einzige Lösung sein, vielmehr wünscht sich Töchterle "die Möglichkeit einer gewissen Steuerung". Das sei auch auf österreichischer Ebene dringend notwendig. Erneut forderte der Wissenschaftsminister Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren; bezüglich des Uni-Zugangs sei man in Verhandlungen mit dem Koalitionspartner.
Landkarte für internationale Kooperationen
Trotz allem: Der Forschungsstandort Wien soll in Zukunft verstärkt auf Internationalität setzen. ÖVP-Wissenschaftssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager wünscht sich Studenten und Forscher, die "auf die Walz gehen" und künftig noch mehr als heute englischsprachige Angebote auf der ganzen Welt nutzen können. Um diese besser miteinander zu vernetzen, präsentiert das Wissenschaftsministerium eine interaktive "Wissenslandkarte". Sie ermöglicht es, internationale Kooperationen in Forschung und Lehre abzufragen.
(APA)
Studiengebühren Wo man künftig zahlen muss - und wo nicht
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