Wien. Bodenlanger, schwarzer Mantel. Roter Schal. Dicke Handschuhe. Festes Schuhwerk. Alexander Van der Bellen hat sich gut vorbereitet auf seine Mission. Die führt den Sonderbeauftragten für die Wiener Universitäten am Montag auf die Baustelle des neuen Campus der Wirtschaftsuniversität zwischen Messegelände und Prater. Dort erkundigt sich der Grüne über die Fortschritte beim Bau der neuen WU, deren Rohbau fast fertiggestellt ist.
„Wo ist die Cafeteria?“
Es ist einer der äußerst seltenen offiziellen Auftritte, seit Van der Bellen diesen Job übernommen hat. Und viele fragen sich: Was macht Van der Bellen überhaupt? Bei offiziellen Präsentationen zur Wiener Hochschulpolitik ist der grüne Übervater jedenfalls nie vertreten. „Ich habe genug zu tun“, meint Van der Bellen in seiner ruhigen, fast väterlichen Art. Am Nachmittag die Diskussion über eine Studie, die er in Auftrag gegeben hat. Dazu (wieder einmal) ein Treffen mit den Vertretern von Wien-Tourismus. Denn die Plakate am Flughafen stören Van der Bellen: „Wenn jemand in Wien landet, sieht er nur Plakate der Habsburger und die Werbung für ein Puff. Aber nichts vom Wissenschafts- und Forschungsstandort Wien.“ Hier will Van der Bellen aufräumen – Wien-Tourismus soll andere Plakate aufhängen.
Im Besucherzentrum erklärt WU-Rektor Christoph Badelt dem prominenten Besucher die Fortschritte. 180 Millionen Euro sind auf dem rund 90.000 Quadratmeter großen Grundstück bereits verbaut (Gesamtkosten: Rund 490 Mio. Euro), im Juli 2013 soll die WU an ihren neuen Standort übersiedeln, im Oktober 2013 eröffnen. Dort sollen künftig knapp 30.000 junge Menschen studieren. Van der Bellen hört andächtig zu.
Badelt erklärt das Konzept des WU-Campus. Van der Bellen unterbricht: „Gibt's dort auch eine Cafeteria?“ WU-Projektleiter Christoph Sommer reagiert sofort: „Natürlich!“
Die Wüste als Vorbild
Der Hintergrund: Die neue Wirtschaftsuniversität wurde mit zahlreichen, sogenannten Wasserlöchern (Kommunikationspunkten) geplant. Orte, an denen sich Studierende und Wissenschaftler oft treffen und austauschen können. Da gehört natürlich (nicht nur eine) Cafeteria dazu.
Die Idee dazu hatte Sommer während seines Afrikaurlaubs. Alle Tiere strömen in der Wüste von allen Richtungen zu den Wasserlöchern, agieren dort friedlich nebeneinander. Das will Sommer auch für die WU – nur ohne Löwen und Giraffen. Sommer: „Sozialräume sind wichtig!“ Dort erfolge ein wichtiger Informationsaustausch von Wissenschaftlern.
Die neue WU soll auch ein ökologischer Vorzeigebau werden. Für Heizung und Kühlung des riesigen Gebäudekomplexes wird das Grundwasser genutzt. Die Frischluftzufuhr in den Hörsälen drosselt automatisch, wenn weniger Studenten im Raum sind, Jalousien rollen automatisch vor die Fenster, um das Gebäude zu kühlen. Sommer erzählt auch von Bäumen, den zahlreichen Grünflächen – bei so viel Ökologie ist Van der Bellen begeistert. Später erzählt er: „Das wird ein ganz tolles Projekt.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2012)
Neubau: Das wird die neue Wirtschaftsuni




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