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Studiengebühren: Mehrere Unis wollen selbstständig kassieren

22.02.2012 | 18:34 |   (Die Presse)

An den meisten Hochschulen wird diskutiert, ab Herbst wieder Gebühren einzuheben - notfalls auch ohne sichere Rechtsgrundlage. Vorerst verzichten wollen die TU-Wien, das Mozarteum und die Akademie der Bildenden Künste in Wien.

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Wien/Apa/Beba. Es könnte wie ein Sieg der Gebührengegner anmuten: Ab 1. März wird Studieren an den heimischen Universitäten wieder für alle Studenten völlig gratis werden. Allerdings wird das nicht von Dauer sein. Einige Unis haben fix vor, ab Herbst wieder Studiengebühren zu kassieren – notfalls auch ohne die (von den Hochschulen bisher vergebens geforderte) sichere Rechtsgrundlage.

Nach den Rektoren der Unis Salzburg und Innsbruck und der Technischen Universität (TU) Graz hat am Mittwoch auch Uni-Wien-Chef Heinz Engl angekündigt, ab kommendem Wintersemester eigenständig Studiengebühren einzuheben. Bei der nächsten Senatssitzung will der Rektor der größten heimischen Hochschule einen Antrag auf Festschreibung von Gebühren in der bisherigen Höhe (363,3 Euro pro Semester) einbringen. Zahlen sollen dann – wie bisher – rund 15 Prozent der Studenten: Jene, die die Mindeststudienzeit um mehr als zwei Semester überschritten haben und Studierende aus Nicht-EU-Staaten.

Zur Vorgeschichte: Der Verfassungsgerichtshof befand im Sommer Teile der derzeit (noch) geltenden Studiengebührenregelung für zu unpräzise. Weil sich ÖVP und SPÖ nicht zeitgerecht auf eine Neuregelung einigen konnten, werden mit 1.März jene Bestimmungen aufgehoben, die regeln, wann Gebühren zu bezahlen sind. Was das konkret bedeutet, das interpretieren die Koalitionsparteien höchst unterschiedlich: Die SPÖ beruft sich auf Gutachten, wonach nun gar keine Studiengebühren mehr eingehoben werden dürfen. Das ÖVP-geführte Wissenschaftsministerium vertritt hingegen die Ansicht, dass die Unis einfach im Rahmen ihrer Autonomie Gebühren in ihren Satzungen festlegen können – gestützt durch ein Gutachten des Wiener Jus-Dekans Heinz Mayer.

Auch wenn sich die Universitäten dezidiert nicht auf diese (wackelige) Rechtssicht stützen wollen, sondern eine wasserdichte Regelung verlangen, wird an den meisten Standorten zumindest über eine autonome Einführung von Gebühren diskutiert – für das Sommersemester sei sich das aufgrund der Fristen nicht ausgegangen, heißt es vonseiten der Universitätenkonferenz. Die Unis überlegen jedenfalls, ab Oktober Gebühren nach dem bisherigen Schema einzuheben.

An den Unis Salzburg, Innsbruck, Wien und der TU Graz muss das noch vom Senat abgesegnet werden. Zumindest sehr wahrscheinlich ist, dass auch an der Wiener Wirtschaftsuniversität das Studium ab Herbst wieder kostenpflichtig wird. An der Uni Linz werden autonom eingehobene Studiengebühren ebenfalls nicht ausgeschlossen. Manche Unis überlegen sogar, mehr als den bisherigen Betrag zu verlangen: Für die Montan-Uni Leoben sind etwa Gebühren von bis zu 500 Euro pro Semester vorstellbar. An der Med-Uni Graz eruiert derzeit die Rechtsabteilung, welcher Betrag eingehoben werden könnte und was das für ausländische Studierende bedeuten würde. An den meisten anderen Universitäten läuft ebenfalls noch der interne Diskussionsprozess.

 

TU Wien geht gegen den Trend

Gegen den Trend geht jedenfalls die Technische Universität (TU) Wien: Dort sollen Studenten nur dann bezahlen müssen, wenn es eine entsprechende gesetzliche Regelung gibt – obwohl die Uni schon jetzt rote Zahlen schreibt und ohne Studiengebühren drei Millionen Euro pro Jahr einbüßt.

TU-Rektorin Sabine Seidler gilt grundsätzlich als Gegnerin von Gebühren. Ein Grund dafür sei das Risiko, dass es angesichts der von der Hochschülerschaft (ÖH) angekündigten Massenklagen im Fall einer autonomen Einführung von Gebühren nicht einmal sicher sei, ob die Unis das Geld überhaupt verwenden könnten.

Vorerst verzichten wollen auch das Mozarteum in Salzburg und die Akademie der Bildenden Künste in Wien.

Auf einen Blick

Studiengebühren. Mangels einer Einigung der Koalition läuft die derzeitige Regelung mit März aus. Den Unis fehlen daher alleine im Sommersemester 17 Millionen Euro. Das Ministerium hat sich bisher geweigert, das Geld zu ersetzen. Die Uni Wien hat bereits mit einer Klage gedroht. Sie ist derzeit noch in Gesprächen mit Minister Töchterle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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9 Kommentare
Gast: Student mit Job
24.02.2012 08:38
1 0

Faire Lösung

Wer studiert, erhält eine sehr wertvolle Leistung. Warum sollte ausgerechnet diese Leistung gratis sein? Sie verschafft den Studierenden für den Rest des Lebens gewaltige Vorteile. Warum sollen die mitbezahlen, die diese Vorteile nicht genießen?
Warum aber sollen Teilzeitstudenten mehr bezahlen? Die belasten die Uni nicht mehr als Vollzeitstudenten.
Eine höhere Belastung für die Universitäten entsteht nur, wenn eine Prüfung wiederholt wird.
Wenn man einen Unterschied nach Belastung machen will, wäre es wesentlich fairer, wenn jede Anmeldung zu einer Prüfung einen gewissen Betrag kostet, sagen wir mal 50€. Wer öfter wiederholt, muss mehr bezahlen.

Vor der Uni sollen alle Studenten gleich sein. Für finanziell schwach bestellte soll über das Finanzamt eine Unterstützung gegeben werden.

Man sollte auch berücksichtigen, dass ein einziges verbummeltes Semester in Form von Verdienstentgang wesentlich mehr kostet, als die geforderten Studiengebühren für ein ganzes Studium.

Gast: Stud - ente
23.02.2012 10:52
2 1

Pro und Contra

Als Studentin sehe ich durchaus ein, dass ich mich auch an den Kosten für meine Ausbildung beteiligen soll- es geht schließlich um eine Investition in meine Zukunft.
1. Sollte dann aber sichersgestellt werden, dass das Geld tatsächlich in eine Qualitätsverbesserung des Lehrbetriebs verwendet wird.
2. Sollten sich die Gebühren im Rahmen halten. 500 Euro ist für mich fast ein Monatsgehalt.

Da die österreichischen Unis außerdem zahlreiche numerus clausus- Flüchtlinge aus Deutschland aufnehmen, die nach Beendigung des Studiums zum Großteil wieder zurückgehen, sollte sich auch unser Nachbarland an der Finanzierung beteiligen.

Die Form von Studiengebühren, die im Moment im Gespräch ist, finde ich außerdem äußerst kurzsichtig. Sollten tatsächlich hohe Studiengebühren verlangt werden, werden die meisten Studenten wahrscheinlich Fächer mit kurzer Studiendauer wählen. Fächer, in denen das Studium länger dauert und die bereits jetzt zu wenig Absolventen haben (Physik, Informatik, Chemie etc), werden von noch weniger Studenten gewählt werden. Und spätestens dann beinnt das Gejammere über zu wenig qualifizierte Fachkräfte....

Re: Pro und Contra

1. Mit 500 Euro pro Semester und pro Student koennte eine Universitaet nur bescheiden die Qualität verbessern. Sie sind nur ein Bruchteil von Ausgaben fuer einen Studienplatz.

2. Die studiengebuehren haben in kontinentaleuropäischen Staaten keine Tradition. Viele EU Regierungen lassen staatliche Unis in Sachen Studiengebuehren nicht autonom entscheiden. Der Zugang ist aber in fast allen EU Staaten begrenzt. Oesterreichischer Fall ist daher einzigartig, weil es weder Regeln noch Gebuehren gibt. Einer massen Uni wuerden 500 EURO nur beschränkt helfen.

Re: Re: Pro und Contra

>>1. Mit 500 Euro pro Semester und pro Student koennte eine Universitaet nur bescheiden die Qualität verbessern. Sie sind nur ein Bruchteil von Ausgaben fuer einen Studienplatz<<

Stimmt!

Dafür zwei Lösungsansätze:

1. Die Unis bieten freien Zugang und teilen den Finanzierungsbedarf, gestaffelt nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Studenten auf diese auf.
2. Die Unis rechnen sich aus, wieviele Studenten sie ohne Studiengebühren aufnehmen können und wählen mittels eines Auswahlverfahrens die geeignetsten Studenten aus. Derartige Verfahren gibt es bereits an den FHs und ansatzweise bei einigen Unistudien wie z.B. Medizin.

Ich persönlich halte die zweite Variante für die sinnvollere.

Ich weiß nicht,

ob der Anreiz wirklich in Richtung kürzerer Studien ginge, eher in Richtung bessere Gehaltsaussichten.

4 Semester länger kosten vielleicht 2.000 EUR, bei nur 200 EUR Gehaltsunterschied hat sich das in 10 Monaten amortisiert, und in der Praxis liegen die Unterschiede im Durchschnittsverdienst der Absolventen unterschiedlicher Richtungen weit höher.

Re: Ich weiß nicht,

(laut google) kostet ein jusabsolvent ca 20000 Euro, Medizin ne null mehr.

Antworten Antworten Antworten Gast: ME
24.02.2012 00:17
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Re: Re: Ich weiß nicht,

Ich schätze mal der Vorposter hat die veränderte Wahl der Studenten durch Studiengebühren gemeint, also bei 4 Semestern längerem Studium mal 500.- Studiengebühren pro Semester Ausgaben von 2000.- für den STUDENTEN.

MfG

Re: Re: Re: Ich weiß nicht,

so gelesen macht das mehr Sinn :-)

Gast: Gasttt
22.02.2012 23:44
2 2

Das Geld ist tot.

Es wird mit 99,99%iger Wahrscheinlichkeit geklagt, und falls das Gericht dem stattgibt müssen alle kassierten Beträge auf Euro und Cent zurückgezahlt werden (und die Prozesskosten dazu). Blöd, wenn dieses Geld bis dahin schon ausgegeben wurde...

Sollte das Gericht der Argumentation von Gebühren-Minister Töchterle folgen, wäre dagegen der Weg frei für englische Verhältnisse (Oder schlimmer? Es gäbe ja keine Grenze mehr!) - als Student hoffe ich natürlich, dass der Verfassungsdienst des BKA sich nicht irrt.

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