Budget: Studienplatzfinanzierung auf Probe

26.02.2012 | 18:23 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Ab 2013 sollen die Universitäten einen Teil ihres Budgets nur dann erhalten, wenn sie bestimmte Leistungen erfüllen. So gilt es etwa, die Zahl der inaktiven Studenten zu reduzieren.

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Wien. Jeder Studierende bringt bares Geld: So lässt sich das Prinzip der Studienplatzfinanzierung am einfachsten beschreiben. Die Einführung eines derartigen Systems ist schon seit Jahren geplant, die Umsetzung hat bislang aber in weiter Ferne geschienen. Nun steht fest: Das Wissenschaftsministerium will die Studienplatzfinanzierung im Jahr 2013 in den Probelauf schicken.

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In den neuen Leistungsvereinbarungen, die bis Ende des Jahres ausverhandelt werden sollen, wird eine entsprechende Regelung verankert sein: Konkret passiert das mittels des mit rund 450Millionen Euro gefüllten „Strukturfonds“, der ein Teil der 990Millionen umfassenden Hochschulmilliarde ist. An dieses Geld kommen die Universitäten nur dann, wenn sie gewisse Kriterien erfüllen. Hinter den wenig aussagekräftigen Überschriften – Steigerung der Effizienz, Stärkung der Kooperationen und Wissenstransfer – verbergen sich durchaus brisante Inhalte:
•Geld pro Student: 270 der 450 Millionen Euro werden nach Anzahl der aktiven Studierenden vergeben. Für inaktive Studierende – also jene, die weniger als acht Wochenstunden pro Semester absolvieren – gibt es kein Geld. Laut Ministerium sind das derzeit etwa 100.000Personen. Die neue Budgetzuteilung soll für die Unis Anreiz sein, diese Zahl zu minimieren. Außerdem sollen die Unis die Gründe für die hohe Zahl der inaktiven Studenten eruieren. Darüber herrscht im Ministerium bisweilen Rätselraten. Karlheinz Töchterle (ÖVP) selbst versuchte sich am vergangenen Freitag vor Journalisten an einem Erklärungsversuch: Eine große Rolle spiele die „Unverbindlichkeitskultur“ an den heimischen Unis. Für viele sei die Uni außerdem lediglich ein Überbrückungsort. Aber auch der Massenbetrieb trage seines dazu bei. Zahlreiche Studierende seien berufstätig und könnten deshalb nicht mehr Kurse absolvieren. Und: Was nichts kostet, sei auch nichts wert, resümiert der Minister mit Wink auf die Studiengebühren.
•Geld pro Fächergruppe: Nicht für jeden Studienplatz bekommt die Uni gleich viel Geld, zumal auch die entstehenden Kosten in den einzelnen Fächern durchaus unterschiedlich sind. Dementsprechend sieht das Modell des Ministeriums sieben Fächergruppen mit unterschiedlichen Normkostenannahmen vor. Am billigsten: die Sozialwissenschaften. Sie dienen als Basis für die Berechnung. Zur zweiten Fächergruppe zählen etwa Mathematik und Informatik. Ihre Kosten: das 1,5-fache. Besteht großer Laborbedarf – wie etwa in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern – wird pro Studienplatz doppelt so viel ausbezahlt. Kostenintensiv sind auch Studien, die zu den bildenden Künsten zählen (mal 4,5). Besonders hoch sind die Kosten im Bereich Humanmedizin (mal sechs) und Musik (mal sieben). Am teuersten ist das Studium der Veterinärmedizin. Hier kostet ein Studienplatz siebenmal so viel wie ein Studienplatz im Bereich der Sozialwissenschaften.
•Geld pro Absolvent: Steigt die Zahl der Absolventen, so gibt es auch mehr Geld. So soll die Zahl der Drop-outs minimiert werden. Zehn Prozent der 450Millionen Euro werden pro Absolvent ausbezahlt. Auch hier gilt: Der jährliche Zusatzbetrag hängt von den einzelnen Fächergruppen ab.
•Kooperationen: Für Kooperationen in den Bereichen Forschung und Lehre werden in der dreijährigen Leistungsperiode 45Millionen Euro ausgegeben. Beteiligt sich dabei eine Institution aus Wissenschaft oder Wirtschaft, übernimmt der Bund bis zu einem Drittel der Kosten für das Kooperationsvorhaben. Weitere 23Millionen Euro stehen für Kooperationen im Verwaltungsbereich zur Verfügung.
•Geld für Drittmittel: Für jeden aus der Wirtschaft oder von Bundesländern, Gemeinden und Privaten geworbenen Euro sowie für eingenommene EU-Mittel und Mittel aus dem FWF erhalten die Unis zudem einen Bonusbetrag. Dafür sind insgesamt 67Millionen Euro veranschlagt.

Dem Probelauf steht nicht mehr viel im Weg. Die Begutachtungsfrist für die Gesetzesänderung, die es für die Einsetzung des Strukturfonds braucht, läuft heute, Montag, aus. Im Vorfeld wurde kritisiert, dass nur vier Tage Zeit zur Stellungnahme gewesen sei. Die ÖH etwa sprach von einer „überfallsartigen Hauruckaktion“. Einen Wermutstropfen gibt es aber: Selbst wenn die Gesetzesänderung beschlossen wird, wird es vorerst bei der Studienplatzfinanzierung auf Probe bleiben. Denn: „Politisch stehen wir am Anfang“, gesteht Töchterle. Das Modell lasse sich nämlich nur umsetzen, wenn die Zahl der Studienplätze fix festgelegt würde. Dazu brauche es Zugangsbeschränkungen, so Töchterle. Die Chancen, den Koalitionspartner davon zu überzeugen, stehen bisweilen aber schlecht. Diese Woche stehen Gespräche zwischen Töchterle und der bislang unbeugsamen SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl an.

Auf einen Blick

Die Leistungsvereinbarungen zwischen dem Ministerium und den einzelnen Unis werden alle drei Jahre neu verhandelt. Jene für die nächste Periode (2013 bis 2015) sollen bis Jahresende abgeschlossen sein. Ein „neues Schärfungsmittel“ soll dabei der neue, 450 Millionen Euro schwere Strukturfonds sein. Die Ausschüttung des Geldes hängt mit der Erfüllung gewisser Kriterien – wie dem Abbau der Zahl inaktiver Studenten – zusammen. Weitere 300 der 990 Millionen Euro umfassenden sogenannten Hochschulmilliarde werden „ohne Mascherl“ vergeben, wie es aus dem Ministerium heißt. Allerdings soll es auch hier „mehr Transparenz, mehr Möglichkeiten, die Leistungen nachzuvollziehen“ geben. Teil der Leistungsvereinbarungen sollen auch erste Eckpunkte des Hochschulplans sein – etwa die Studienplatzfinanzierung. Dabei soll je nach Fächergruppe eine gewisse Summe pro Studierendem ausbezahlt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2012)

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4 Kommentare

Inaktive Studierende reduzieren?

Ich frag mich, wie das gehen soll? Man kann ja nicht rechtmäßig inskribierte Studierende einfach exmatrikulieren, nur weil sie keine Prüfungen absolvieren. Das ist rechtlich einfach nicht durchführbar!

Es ist ja nirgends im Curriculum festgeschrieben, dass man eine bestimmte Anzahl von ECTS bzw. Semesterstunden pro Semester absolvieren muss. An Vorlesungen teilzunehmen ist auch keine Pflicht und selbst wenn, könnte man sich einfach anmelden und dann nicht erscheinen. Eine Anwesenheitskontrolle ist aufgrund der Anzahl der Studierenden gar nicht durchführbar, abgesehen davon ist es rechtlich sicher nicht gedeckt, bei Vorlesungen Anwesenheitskontrollen durchzuführen (weil die Teilnahme ja nicht verpflichtend ist).

Abgesehen davon gibt es ja, wie im Artikel bereits erwähnt, viele berufstätige Studierende. Wenn die Unis Wert drauf legen, dass diese mehr LV besuchen, dann müssen die Unis auch welche anbieten, die für Berufstätige besuchbar sind, also abends und an den Wochenenden. Wenn Studierende mangels Angebot nicht teilnehmen können, kann man das ja wohl schlecht den Studierenden zur Last legen.

Gast: Masse
26.02.2012 21:46
0 0

Masse statt Klasse?

Koennte mir jemand erklaeren wie sollte eine bereits ueberfüllte Uni noch mehr Studenten aktivieren?

Re: Masse statt Klasse?

Man müsste halt einfach auch vermehrt LV abends oder an den Wochenenden anbieten, wenn die Berufstätigen Zeit haben. Aber das kostet dann ja wieder zuviel.

Antworten Gast: WU-ler
27.02.2012 19:14
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Re: Masse statt Klasse?

super idee! endlich was vernünftiges :)

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