Das Ende einer Studienrichtung

15.04.2012 | 18:51 |  von Iris Bonavida (Die Presse)

Ab Wintersemester 2013 wird der Bachelorstudiengang Internationale Entwicklung trotz großer Beliebtheit abgeschafft. Die Betreuungsqualität sei nicht gewährleistet.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Lange wurde darüber spekuliert, nun ist es fix: Mit Wintersemester 2013 werden keine Neuinskriptionen für das Bachelorstudium Internationale Entwicklung (IE) an der Universität Wien mehr möglich sein. Oder, wie man es im Rektorat der Uni Wien etwas kompliziert formuliert: „Der Prozess ist zwar noch nicht final abgeschlossen, aber de facto ist es so.“ Der Grund: „Die Universität Wien hat Professoren bestellt, und ein eigenes Institut ist eingerichtet. Trotz dieser Anstrengungen ist es nicht möglich, die entsprechende Betreuungsqualität für ein Bachelor- und ein Masterstudium sicherzustellen“, sagt Vizerektorin Christa Schnabl zur „Presse“.

Der Plan der Universität Wien: Im Wintersemester soll der neue Masterstudiengang beginnen, der Bachelor hingegen endet. Der Zugang von Studierenden aus unterschiedlichsten Bachelorstudien in das Masterprogramm könnte durch Erweiterungscurricula, also durch freie Wahlfächer, ermöglicht werden. Das Curriculum für das Masterstudium inklusive der Zugangsvoraussetzungen werde gerade erarbeitet und soll im Juni beschlossen werden.

Dabei war der IE-Bachelor unter den Studenten beliebt: Gut 600 Neuanfänger hatten sich im vergangenen Wintersemester inskribiert – bei den ersten Anläufen der Studienrichtung im Herbst 2002 waren es erst exakt 88. Heute gibt es insgesamt etwa 3000 Studenten der Internationalen Entwicklung in Wien. Zu viele für die wenigen Ressourcen der Universität – doch beschränkt werden kann das Studium nicht. Auch nicht durch einen „Notfallparagrafen“, wie es etwa bei Publizistik und Psychologie der Fall ist: Dieser darf laut Gesetz nur für Studien bemüht werden, für die in Deutschland ein Numerus clausus gilt.

 

In Skandinavien etabliert

Die Uni Wien ist bislang die einzige im deutschsprachigen Raum, die ein derartiges Studium anbietet. „Es hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, auch Nachbarländer arbeiten an der Einführung solcher Studiengänge“, sagt IE-Studienprogrammleiterin Margarete Grandner. In Skandinavien, Großbritannien, den USA oder Kanada seien solche Studien schon längst etabliert. Dass es in Zukunft kein vollständiges Studium in Österreich gebe, sei schade.

Ob sich die Universität Wien mit der Abschaffung des Bachelorstudiums nicht eine Chance entgehen lassen würde, sich zu spezialisieren und zu profilieren? „Mit dem interdisziplinären Masterstudium Internationale Entwicklung ist ein besonderes Angebot mit einem fachlichen Fundament geschaffen“, meint Schnabl.

Seit seiner Gründung musste das Studium immer wieder um seine Existenz kämpfen. Schon vor Amtsantritt im Vorjahr drohte Heinz Engl, Rektor der Uni Wien, damit, Studienrichtungen zu streichen. Gebe es nicht mehr Geld, könnte seine Universität einzelne Fächer abschaffen, um bei stagnierenden Mitteln mit dem wachsenden Studierendenandrang fertigzuwerden.

Die Studienrichtung IE sei in einer „schwierigen Situation“, hieß es damals aus dem Rektorat. Und: „Nun wird diskutiert, welche Rahmenbedingungen es braucht, damit sie in eine gute, solide Zukunft gehen kann.“ Wichtig sei es, bestmögliche Studienqualität sicherzustellen und die Intensität der Betreuung der Studierenden zu verbessern. Im Frühjahr mussten die Studierenden zudem um das Masterstudium bangen, das ursprünglich im Oktober beginnen sollte. Nach heftigen Debatten kam eine Übergangslösung zustande.

 

Diese Woche Protest

Immer wieder riefen ÖH und Studentenvertreter zu Protesten gegen die geplante Abschaffung des Bachelorstudiums auf, zuletzt im Dezember des Vorjahres. Gebracht hat es anscheinend nicht viel. Jetzt ist eine „universitätsweite Protestwoche“ vom 17. bis zum 20. April gegen die Abschaffung des Bachelors geplant. „Die Entscheidung ist weder demokratisch noch transparent verlaufen und zeigt obendrein: Dass gerade ein so kritisches Studium, wie das der IE um seine Existenz kämpfen muss, ist kein Zufall“, heißt es in einem Rundmail der Österreichischen Hochschülerschaft.

Sie fordert das Rektorat auf, die Abschaffung zu revidieren und in Zukunft lieber „an der Seite der Studierenden für die Ausfinanzierung der Universitäten zu kämpfen“. Proteste gibt es auch auf Facebook, wo zuletzt die Gruppe „IE bleibt“ gegründet wurde.

Sie zählt schon mehr als 630 Unterstützer – nützen wird all das allerdings wohl nichts mehr.

Auf einen Blick

Seit 2002 gibt es das Studium der Internationalen Entwicklung an der Universität Wien. Damals inskribierten nur 88 Studenten, im vergangenen Semester waren es schon mehr als 600. Trotzdem wird der Bachelor ab Wintersemester 2012/13 abgeschafft, es folgt ein Masterstudium. Die Betreuungsqualität sei nicht gewährleistet, daher hätte man sich für die Abschaffung entschieden, heißt es
aus dem Rektorat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

7 Kommentare
Gast: freund?
16.04.2012 12:10
2

na, hauptsach', den genderbledsinn



kann man weiterhin bis zur magistraaa und doktorIIIN studieren !

Kritisches Studium??

"Beschäftigungstherapie für weltfremde Linke, insbesondere weiblich, die in der Privatwirtschaft keinerlei Jobperspektiven haben, aber dennoch irgendwie versorgt werden müssen" träfe es eher.

Antworten Gast: MikkaM
16.04.2012 10:53
7

Re: Kritisches Studium??

etwas hart formuliert aber es trifft leider zu. ich hätte IE beinahe selbst studiert und habe mir zwei vorlesungen angehört. von der thematik her sehr interessant aber - und hier kommt ein großes aber - das ganze studium ist leider sehr politisiert. auf ihrer facebook gruppe wird das fach als stellvertretend für kritik, opposition und protest beschrieben; mit anderen worten Politische-ideologisierte Bildung. das hat auf einer Universität nichts verloren!

Antworten Antworten Gast: Lopster05
20.04.2012 20:23
0

Re: Re: Kritisches Studium??

Als Politikwissenschaftsstudent kann ich Ihnen sagen wo wirklich ein Institut ideologisch geprägt ist. Was ich aber nie erlebt habe, ist dass andere Meinungen nicht zumindest akzeptiert und angehört werden.

Willkommen in der Demokratie.

Antworten Antworten Gast: steverd
18.04.2012 12:40
0

Re: Re: Kritisches Studium??

...ausser es wird die herrschende Ideologie vertreten. Gelle.
Wer braucht schon Kritik und Veränderung, wo doch eh alles so rund läuft.

Re: Re: Re: Kritisches Studium??

Es läuft alles rund? WO LEBEN SIE??
Es geht alles den Bach runter. Sozialismus wird gepredigt und unterstützt, Leistung verhindert und unterdrückt. Was glauben Sie, wie lange das noch so geht?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ranterx
20.04.2012 20:21
0

Re: Re: Re: Re: Kritisches Studium??

Waren Sie bereits Anfang der 90er am Leben?

Seither wird Neoliberalismus gepredigt und unterstützt und Sozialismus verhindert.

Was glauben Sie warum alles den Bach runter geht??

AnmeldenAnmelden