Bachelor und Master: Rektoren wollen nachbessern

Nach der Umstellung auf die Bologna-Struktur wollen die Unis nun diverse Probleme beheben. Bei Medizin und Jus wird sich der Wechsel entweder weiter verzögern oder gar nicht kommen.

Bachelor Master Rektoren wollen
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Bachelor Master Rektoren wollen
(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Nach der Umstellung auf Bachelor und Master wurden  verschulte und überfrachtete Studienpläne der Unis stark kritisiert. Nun planen die Unis eine Initiative: Es sei Zeit für "Bologna 2.0", wo Umsetzungsprobleme der unter Zeitdruck realisierten Reform behoben werden sollen, kündigte Vizerektor Martin Polaschek vom Forum Lehre der Universitätenkonferenz (uniko) an.

ECTS hat Nachholbedarf

Die uniko will etwa bei der Umstellung der Bewertung von Lehrveranstaltungen durch Wochenstunden auf das European Credit Transfer System (ECTS) nachbessern. In einigen Bereichen sei aufgrund des Zeitdrucks nur eine "starre Umstellung von Wochenstunden zu ECTS" erfolgt, gab sich Polaschek selbstkritisch. An vielen Unis sei bereits damit begonnen worden, den tatsächlichen Arbeitsaufwand zu berücksichtigen. Derzeit werden ECTS laut "Bologna Process Implementation Report" in rund der Hälfte der Hochschulen angewandt, Österreich liegt hier im Vergleich zu den anderen Ländern im hinteren Mittelfeld. Bei der Verknüpfung der ECTS mit Lernzielen gibt es laut der Studie Nachholbedarf.

Polaschek hob aber auch die positiven Seiten von Bologna hervor: So sei die Lehre stärker in den Mittelpunkt gerückt und auch bei Evaluierungen von Lehrveranstaltungen versuchen die Unis stärker auf die Bedürfnisse der Studenten einzugehen.

Manche Studien schließen noch mit Magister ab

Töchterle bewertete Bologna als Harmonisierung der europäischen Hochschulen prinzipiell positiv. Gleichzeitig sei es ein "sehr aufwendiges, sehr ambitioniertes und sehr schwieriges Unterfangen", das unweigerlich mit der Gefahr des Scheiterns verbunden sei. Bei der Umsetzung sei Österreich bereits weit gekommen, verwies er auf entsprechende Monitoringberichte. An den FH sei die Umsetzung der Bologna-Studienstruktur mit Bachelor, Master und PhD zu "nahezu hundert Prozent" abgeschlossen.

An den Unis gibt es einige wenige, allerdings stark frequentierte Studien, die nach wie vor mit dem Magister (bzw. mit dem Doktortitel) abschließen. Polaschek kündigte allerdings an, dass bei der Pharmazie ein Umstieg auf die Bologna-Struktur vorbereitet werde, auch bei den Lehramtsstudien soll durch die geplante gemeinsame Lehrerausbildung umgestellt werden. Bei Medizin und Jus hingegen wird der Wechsel zur Bologna-Struktur sich wegen "ganz massiven berufsrechtlichen Problemen" entweder verzögern oder auch gar nicht kommen.

Akzeptanz des Bachelor "steigerbar"

Als "österreichisches Problem" bezeichnete Töchterle, dass die Akzeptanz des Bachelor als akademischer Abschluss "noch steigerbar" sei. Allerdings habe es ja auch gedauert, bis der Magisterabschluss akzeptiert worden sei, bei dessen Einführung noch gespöttelt wurde, ob die Unis nun "flächendeckend Apotheker produzieren" würden. Die Regierung habe beim Bachelor ihre "Hausaufgaben" erledigt, verwies er darauf, dass Bachelor-Absolventen alle Akademiker-Funktionen bis zur Sektionsleitung im öffentlichen Dienst offenstehen.

Bologna-Konferenz in Bukarest

Donnerstag und Freitag findet in Bukarest die alle zwei Jahre veranstaltete Bologna-Konferenz statt. Österreich wird bei der Bologna-Konferenz in Bukarest als eines der 47 Bologna-Länder vertreten sein. Bei der Konferenz soll u.a. eine Mobilitätsstrategie verabschiedet werden, um bis 2020 das Ziel zu erreichen, dass 20 Prozent aller Graduierten einen Teil des Studiums im Ausland absolviert haben sollen.

(APA/Red.)

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