Die Mängel der Freizeitpädagogik Ausbildung

Die ersten Teilnehmer des Lehrgangs „akademischer Freizeitpädagoge" klagen über rechtliche Unsicherheiten und ungewisse Bezahlung. Der Lehrgang startete auch an vier weiteren Institutionen.

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(c) Clemens FABRY

St. Pölten. Der Hörsaal an der Pädagogischen Hochschule (PH) Niederösterreich ist gut gefüllt. Platz genommen haben diesmal aber nicht die „gewöhnlichen" Lehramtsstudenten, sondern ein sehr heterogenes - wenn auch weiblich dominiertes - Publikum. Von der Hausfrau bis zur Magistra der Germanistik und Romanistik; von der 18-Jährigen bis zur 52-Jährigen: Sie alle absolvieren die akademische Freizeitpädagogen-Ausbildung.

Mit ihnen soll der ehrgeizige Plan der Regierung umgesetzt werden - diese plant bis zum Jahr 2014, 55.000 Nachmittagsbetreuungsplätze zu schaffen. Angesichts des Mangels an Lehr- und Betreuungspersonal bedurfte es einer schnellen Lösung, um dieses Vorhaben auch tatsächlich umsetzen zu können. Gefunden wurde diese mit der Schaffung der Ausbildung zum „akademischen Freizeitpädagogen". Die PH Niederösterreich übernahm dabei quasi eine Pionierfunktion: Sie startete zu Jahresbeginn mit dem ersten derartigen Lehrgang. 72 Teilnehmer absolvieren diesen zweisemestrigen Kurs derzeit. Zu Beginn des Sommersemesters startete der Lehrgang auch an vier weiteren Institutionen. Dabei zeigt sich bereits jetzt, dass das dem Lehrgang zugrunde liegende Konzept einige Mängel aufweist.

► Das Personal: Laut Plan sollen sich die Freizeitpädagogen lediglich um die Betreuung der Kinder in der lernfreien Zeit kümmern. Deshalb wollte die Regierung mit der Ausbildung vorwiegend Personen ansprechen, die bereits in Sport-, Kultur- und Musikvereinen tätig sind. Durch den Ausbau der ganztägigen Betreuung würde der Zulauf zu derartigen Institutionen ohnehin geringer werden. In der Realität sieht die Situation aber anders aus. Unter den Teilnehmern des Lehrgangs an der PH Niederösterreich finden sich nur sehr wenige Vereinsvertreter. Die Kritik der Teilnehmer: Allein aus zeitlichen Gründen könnten 90 Prozent der berufstätigen Vereinsmitglieder den Kurs nicht besuchen. Absolviert wird die Ausbildung vielfach von Personen, die ohnehin bereits in der Nachmittagsbetreuung tätig sind. Sie fürchten, ohne entsprechende Qualifikation den Job bald nicht mehr ausüben zu können.

► Die Lernbetreuung: Hilfe bei Hausübungen und Unterstützung beim Lernen für Tests - das ist für Freizeitpädagogen tabu, zumindest offiziell. Der Praxis entspricht das aber nicht. Viele Kursteilnehmer, die bereits in der Nachmittagsbetreuung tätig sind, bestätigen das. Deshalb hat sich auch die PH Niederösterreich dazu entschieden, die Auszubildenden auf die Lernbegleitung vorzubereiten. So gibt es etwa einen Mathematikkurs.

► Die Aufnahmekriterien: Umstritten ist auch, welche Qualifikationen die Kursteilnehmer mitbringen sollen. Matura ist zwar formell keine Voraussetzung, das Level in den Kursen aber durchaus sehr hoch. Als Gradmesser für die berufliche Qualifikation kann das aber keinesfalls herangezogen werden. Die theoretischen Kompetenzen haben wohl nur wenig mit der praktischen Eignung zu tun.

► Der Sport: Verunsichert wurden die Auszubildenden außerdem durch divergierende Rechtsmeinungen. Je nach Interpretation - ist der Fußball ein Spiel- oder Sportgerät - ergeben sich andere Handlungsspielräume für die künftigen Freizeitpädagogen. Bei strenger Rechtsauslegung könnte das heißen, dass die Freizeitpädagogen nicht berechtigt sind, mit den Kindern Fußball zu spielen, so die Befürchtung.

► Die Bezahlung: Durch die Einführung der Ausbildung zum akademischen Freizeitpädagogen ist nicht nur der mit der Pädagogikausbildung verbundene Aufwand, sondern auch die Qualifikation der Absolventen gestiegen. Inwieweit sich das auf die Bezahlung auswirkt, ist bislang fraglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bezahlung nur teilweise dem Bund obliegt und damit nicht einheitlichen Kriterien entsprechen muss. An Landesschulen entscheiden die einzelnen Gemeinden über das Gehalt.

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