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Wissenschaftsförderung: "Wirtschaft muss Kooperationen nutzen"

17.06.2012 | 18:38 |  IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Wie Österreichs Unis ihr Budget aufstocken könnten, erklärt Winfried Schulze, früherer Chef des deutschen Wissenschaftsrats.

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Die Presse: In Österreich investiert die Wirtschaft nur gering in die Universitäten. Wie ist dies in Deutschland?

Winfried Schulze: In Deutschland sind in den letzten Jahrzehnten die Drittmittel der Unis auf fast ein Drittel des Haushaltes gewachsen. Das liegt einerseits an den Studiengebühren – andererseits an Geldern aus Stiftungen und staatlichen Institutionen. In Österreich liegt der Anteil der Staatsfinanzierung der Unis bei 90 Prozent.

Sie sehen es also als Problem, dass hier viele Unis keine Gebühren einheben.

Ja, ich sehe es als ein Problem. Aber weniger wegen der letztlich relativ begrenzten Mittel, die dadurch zur Verfügung gestellt werden. Sondern weil die Studenten früher engagiert waren, da sie für ihr Geld etwas verlangen konnten. Ich bedauere sehr, dass diese Verbindung aufgebrochen wurde.

 

Abseits der Studiengebühren – was müssen Universitäten tun, um mehr private Mittel zu bekommen?

In Deutschland nutzen wir das Modell der Stiftungsprofessuren. Es gibt über 600 solcher Professuren, die meist von Firmen für einige Jahre bewilligt werden. Sie dienen etwa dazu, neue Gebiete zu implementieren. Außerdem haben wir in Deutschland das Glück, eine funktionierende Stiftungslandschaft zu haben, die sich stark im Hochschulbereich engagiert.

Gibt die Wirtschaft auch Projekte in Auftrag?

Ja, vor allem auf den technischen Universitäten. Es gibt Kooperationen mit Firmen.

Was müssen die Unis hier also tun, um attraktiver für die Wirtschaft zu sein?

Das ist weniger ein Problem der Unis denn der Wirtschaft, die diese Möglichkeit der Kooperation nutzen muss. Österreich hat auch keine etablierte Stiftungslandschaft wie etwa Deutschland. Die kann man nicht von heute auf morgen einführen. Es gibt zwar 4000 Stiftungen, aber davon sind nur 10 Prozent gemeinnützig. Die Möglichkeiten der alternativen Finanzierung sind in Österreich einfach nicht historisch begründet – weil das Geld immer vom Staat kam.

 

Wie kommt man aus diesem Dilemma wieder heraus?

Man muss langfristig ein Bewusstsein dafür schaffen, die großen Erbvermögen nicht nur in den privaten Bereich, sondern auch in Stiftungen fließen zu lassen. Der entscheidende Punkt scheint mir aber zu sein, dass die Wirtschaft Investition in die Wissenschaft als Basisvoraussetzung für das Florieren der nationalen Volkswirtschaft sieht.

 

Wirtschaft und Universitäten müssen also stärker verknüpft werden.

Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wichtig wäre auch, Fachkräfte aus der Uni in Firmen zu integrieren.

Muss es immer eine Kooperation mit Gegenleistung sein, oder wäre ein Mäzenatentum wünschenswert?

Das Ideale ist immer, wenn viel Geld ohne große Auflagen gegeben wird. Aber das ist eher unwahrscheinlich. Eine Mittelform sind die Stiftungsprofessuren, die ich vorher genannt habe. Firmen haben ein unmittelbares Interesse an einer bestimmten Art von Ausbildungsqualität, die dann von der Universität erbracht wird.

 

Laufen die Unis dann nicht Gefahr, als gekauft zu gelten?

Sicher, aber das muss man verhindern. In Deutschland gibt es Musterverträge für solche Kooperationen, bei denen ganz klar ist, dass damit keinerlei Exklusivrechte verbunden sind und die Universität allein entscheidet, wie sie mit dem Geld umgeht.

Zur Person

Winfried Schulze (69) ist Direktor des Mercator Research Center Ruhr und ehemaliger Vorsitzender des deutschen Wissenschaftsrats. Nach dem Studium Geschichte und Politische Wissenschaften lehrte er an der Universität Bochum und an der Ludwig-Maximilians-Uni in München. Er emeritierte 2008.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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