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Fernstudium als Chance für Menschen mit Behinderung

22.06.2012 | 12:12 |   (DiePresse.com)

Anlässlich einer Tagung in Linz, werden die Vorteile die ein Fernstudium für beeinträchtigte Menschen bietet, erörtert.

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Keine überfüllten Hörsäle, keine Anwesenheitsverpflichtung, kein Anstellen um Seminarplätze - diese Vorteile eines Fernstudiums kommen nicht zuletzt Behinderten zugute. Mittlerweile sind auch Blindenhunde bei Prüfungen, spezielle Leseaufgaben mit Brailleschrift-Generator und Induktionsschleifen für Hörbehinderte selbstverständlich. Trotzdem scheuen sich viele Behinderte, diesen Ausbildungsweg zu beschreiten. "Das ist ein Mutthema und ein Aufklärungsthema", so der Leiter des Zentrums für Fernstudien (ZFS) an der Uni Linz, Franz Palank, anlässlich der Tagung "Auslage in Arbeit. Wie behindert(engerecht) ist ein Fernstudium" am Freitag.

Derzeit betreut das ZFS rund 7.000 Studenten in Österreich - davon sind rund 3.500 im Jusstudium, 500 in den gemischten Präsenz-/Fernstudien Wirtschafts- bzw. Kulturwissenschaften und mehr als 3.000 direkt an der Partnerinstitution, der Fernuniversität Hagen. Damit seien ein Drittel der Studenten der Uni Linz in einer Form des Fernstudiums, so Palank - "nicht unbedingt weil die Uni das so will, sondern weil es der Markt verlangt". Nach Schätzungen sind rund zehn Prozent der Fernstudenten behindert - genaue Zahlen gebe es aber nicht, da viele etwaige Beeinträchtigungen verschweigen.

Kein "Briefkastlstudium" mehr

"Ein Fernstudium ist nicht mehr das Briefkastlstudium", so Palank. "Es gibt aber auch nicht die permanente Verpflichtung, irgendwo hinzugehen. Und wer körperlich stark eingeschränkt ist, kann nicht überall hin." Was sich bewährt habe, sei die Einrichtung von Communities, in denen Lehrende und Lernende kommunizieren. An der Wirtschafts- und Kulturwissenschaft gebe es in jedem Kurs direkte Kontakte. An den Studienzentren gebe es außerdem unterstützende Präsenzveranstaltungen - dazu sei es aber etwa nötig, bauliche Maßnahmen wie Behinderten-WCs, Induktionsschleifen für Hörbehinderte oder Lifte zu realisieren.

Gut aufgestellt sieht Palank die Studienzentren bei der Prüfungsabwicklung: "Blindenhunde bei Prüfungen sind mittlerweile selbstverständlich. Und wer sich jede halbe Stunde aus Gesundheitsgründen hinlegen muss, kriegt einen Platz dafür." Bei einem Studenten, der dauerhaft an einem Beatmungsgerät hänge, käme der Prüfer ins Haus. Für die Studienberechtigungsprüfung gebe es mittlerweile sogar eine Online-Variante. Weiterer Vorteil des Fernstudiums: Geprüft wird immer nur das zur Verfügung gestellte Studienmaterial: "Man kann sich sicher sein, es kommt nichts anderes, was man sich sonstwo besorgen muss."

Oft stünden Behinderte an der Fernuni aber vor den gleichen Problemen wie nicht Beeinträchtigte: "Wenn ich mich nicht darum kümmere, habe ich keine Kontakte. Ich werde zwar im Hörsaal nicht angerempelt - aber ich komme mit den Leuten auch nicht automatisch ins Gespräch."

Gibt noch Entwicklungspotenzial

Mit der Tagung wolle man auch darauf aufmerksam machen, dass das Thema Fernstudium gerade für Behinderte interessant sei, so Palank. "Da gibt es noch vieles an Entwicklungspotenzial." Behinderte seien im Vergleich nach wie vor unterqualifiziert - das gelte bereits für Maturanten und ziehe sich natürlich weiter an die Unis. "Man sollte ja meinen, dass körperliche Einschränkungen noch ein Grund mehr sind, an Bildung zu denken", verwies er etwa auf den Physiker Stephen Hawking. Dieser Gruppe müsse man Mut machen und die etwa auch von der UN eingeforderte Partizipation umsetzen.

Rein statistisch sind Fernstudenten im Schnitt übrigens zehn Jahre älter als Studenten an Präsenzuniversitäten, stammen überraschend eher aus Ballungsräumen und stehen meist im Berufsleben. Trotzdem brauchen sie meist nur ein Jahr länger als die vorgegebene Studienzeit.

(APA)

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1 Kommentare

Fernstudium gut und schön...

...aber erstens gibts da noch kaum Angebote, es werden viel zuwenig Studienrichtungen angeboten. Und zweitens ist ja auch das Soziale wichtig bei einem Studium - das Zusammenkommen mit den Kollegen. Das kommt bei einem Fernstudium zu kurz.
Im Arbeitsleben müssen sich die Behinderten ja dann auch eingliedern und Wege finden, zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen und an diesem zurechtzukommen. Mir kommt das ein wenig so vor, als wolle man die Behinderten ausgrenzen, weil es zu mühsam ist, die Unis an ihre Bedürfnisse anzupassen.

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