ÖH-Wahl: Schwere Vorwürfe gegen ÖVP-nahe AG

23.04.2013 | 17:55 |  Julia Neuhauser (DiePresse.com)

Ein offener Brief bringt die AG an der Wirtschaftsuni unter Zugzwang. Es geht um Parteiinteressen, Geldgeschäfte und zweifelhafte Bündnisse.

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Für die ÖVP-nahe Aktionsgemeischaft (AG) dürfte es ein Déjà-vu sein. Erst Ende März wurde die AG durch einen offenen Brief eines ehemaligen Mitglieds am Juridicum bloß gestellt. Nun ist an der Wirtschaftsuniversität Ähnliches passiert. Dort kusiert seit Dienstag ein Brief von David Baumholzer, der bis März 2012 als unabhängiger Mitarbeiter im Internationalen Referat der ÖH WU tätig. Er wirft der Aktionsgemeinschaft, die an der WU über die absolute Mehrheit verfügt, teils Haarsträubendes vor.

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So stelle die AG Parteiinteressen über das Wohl der Studenten. Außerdem mache die AG "ehrliche und sinnvolle ÖH Arbeit auf der WU unmöglich". Unabhängige ÖH-Mitarbeiter würden von der Aktionsgemeinschaft nämlich "regelmäßig bedrängt". Auch die Geldgeschäfte der AG prangert Baumholzer an. Diese seien "völlig intransparent und lassen vermuten, dass große Summen veruntreut werden", so der Vorwurf.

Zweifelhafte Bündnisse mit Vizerektorat

Baumholzer berichtet außerdem von "zweifelhaften Bündnissen" zwischen der AG und dem Vizerektorat der WU. Auf diese Art und Weise könne sie Erfolge für sich verkaufen, mit denen sie nichts zu tun hätte. Ein Beispiel: Die "ausverhandelten" zusätzlichen Plätze in den Fächern Mikro- und Makroökonomie seien von vorne herein vom Institut für Volkswirtschaftslehre vorgesehen gewesen und demnach "ohne Zutun der AG" geschaffen worden.

Mehr noch: Die AG verwende das ÖH-Haus offiziell als ihr Parteibüro. Für Baumholzer ist das verwerflich. Denn das Haus werde aus öffentlichen Geldern und ÖH-Beiträgen finanziert. Die Wahlkampagne an der WU lasse sich die AG aus den ÖH-Beiträgen zahlen. Abschließend fordert er auf, bei den anstehenden ÖH-Wahlen von 14. bis 16. Mai nicht die Aktionsgemeinschaft zu wählen.

ÖH-Vorsitzender Tafart wehrt sich

Der ÖH-Vorsitzende der WU, Christian Tafart, weist sämtliche Vorwürfe entschieden zurück. Diese würden "jeder Grundlage" entbehren. Die ÖH der Wirtschaftsuni sei "eine ordnungsgemäß geführte Interessenvertretung mit sauberen Finanzen". Das würden auch die Aufsichtsorgane - die Rechnungsprüfer und die Kontrollkommission - bestätigen.

Seine Vermutung: Baumholzer habe diesen Brief veröffentlich, weil er enttäuscht sei: Er habe einen Posten als Referent, den er sich gewünscht habe, nicht erhalten. Außerdem sei es kein Zufall, dass der Brief  drei Wochen vor der ÖH-Wahl erscheint. "Es wäre kein Wahlkampf, wenn nicht früher oder später versucht würde, die Exekutive mit Vorwürfen aller Art zu konfrontieren und diese schlecht zu machen", so Tafart. "Sei es auf sachlicher oder auf einer persönlichen, untergriffigen Ebene."

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51 Kommentare
 
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Sinnvolle Arbeit an der ÖH WU möglich

Ich bin selbst als fraktionsloser Mitarbeiter in einem Referat der ÖH WU tätig und kann die Vorwürfe von Kollegen Baumholzer nicht nachvollziehen. Es ist sehr wohl eine unabhängige und sinnvolle Arbeit für die Studenten möglich. Ich habe noch keinen Druck von Seiten der Kollegen von der AG erlebt.

In die Finanzen der AG habe ich keinen Einblick. Auf alle Fälle werden aber von AG-Mitgliedern in den Referaten und in der Studentenvertretung viele Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit geleistet.

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geld

bei cocktailstand, glühweinstand, div. workshops, etc. werden grossteils keine ordentlichen rechnungen oder belege ausgestellt. fallt ja niemandem auf wenn da ein wenig (oder gar viel) Geld unterschlagen wird.

die öh wu agiert mit ihren tätigkeiten wie ein unternehmen, verhält sich aber nicht so.

das solche Zustände ausgerechnet an der WU herrschen ist mehr als peinlich.

die presse

eine zeitung, der derartige verleumdung mehr wert ist an platz als die causa cafe rosa, die einzige, in der strafrechtlich ermittelt wird.

zeigt die blattlinie der presse, sonst nichts.

Re: die presse

Kann ja auch sein, dass es in mehr als einer causa nicht ordentlich zu geht!

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Journalismus in Österreich

Seit Jahren beobachte ich bei der ÖH-Berichterstattung der "Presse" einige nicht erklärbare Besonderheiten:

1. Die AG gilt immer als "ÖVP-nahe", während bei VSStÖ und Gras darauf vergessen wird, dass diese Fraktionen nicht SPÖ- oder Grünen-nahe, sondern Teil der entsprechenden Partei (mitunter weisungsgebunden) sind. Zwischen Nähe zu einer Partei und Teil-einer-Partei-Sein liegen Welten, der "Presse" entgeht diese aus ihrer Sicht allzu feinsinnige Unterscheidung regelmäßig.
2. Die erhobenen Vorwürfe wiegen zwar schwer, das aber nur aus bürgerlicher Weltsicht. Für die Vorkämpfer der Weltrevolution, und das möchten die linken ÖH-Fraktionen nach Eigendefinition sein, ist es selbstverständlich, dass ÖH-Gelder der herrschenden Fraktion zu dienen haben (sofern es sich um sie selbst handelt). Auch das ist eine Feinheit, die die "Presse" nur dann zur Kenntnis nimmt, wenn sie beim besten Willen nicht mehr (wie beim Cafe Rosa) zu ignorieren ist.
3. Wenn solche Briefe kurz vor der Wahl auftauchen, könnte wohl ein Zusammenhang bestehen...

Re: Journalismus in Österreich

welche Fraktion ist bitteschön weisungsgebunden? Der Bauernbund macht ja auch nicht, was die ÖVP sagt! Also so ein Schwachsinn...
Eher umgekehrt: Die Teilorganisationen intervenieren bei der Partei für ihre Interessen.

Dass linke Fraktionen das Geld für sich verwenden, ist auch völliger Unsinn: Man mag zum Café Rosa stehen wie man will, und ich will nicht behaupten, dass das ein erfolgreiches Projekt gewesen wäre. Aber wo bitte hat da irgendeine Fraktion profitiert?
Die ÖH-Gelder für die eigene Fraktion und deren eigenen Wahlkampf zu verwenden ist schon eher ein AG-Spezifikum...
(Gut, die eine oder andere unabhängige Organisation ohne Parteistruktur im Hintergrund mag auch daraf angewiesen sein... Ist auch verwerflich...)

Und zum dritten: Natürlich kommt der Brief vor der Wahl! Der Herr Baumholzer fordert ja explizit dazu auf, NICHT DIE AG zu wählen. Soll er so einen Aufruf etwa im Juni starten??

mit freundlichen Grüßen...

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Re: Re: Journalismus in Österreich

Der Bauernbund ist auch Teil einer bürgerlichen Partei. Einheitlichkeit der Parteilinie ist eine sozialistische Erfindung. Wenn im übrigen der Bauernbund als Teilorganisation der ÖVP Ihrer Darstellung nach de facto unabhängig ist, um wie viel mehr muss das dann für die AG zutreffen, die eben nicht Teil einer Partei ist?
Wenn ein Parteisekretär der Studentenfraktion seiner Partei vorschreibt, auf welchen Fakultäten sie bei der nächsten ÖH-Wahl anzutreten hat, dann gibt es sehr wohl Weisungen.
Wenn linke Fraktionen eine Fakultät oder Uni oder was auch immer übernehmen, dann wandern ab diesem Zeitpunkt Gelder weg von Service-Aktivitäten hin zu Förderungen von Organisationen, die ihren Lebenszweck darin sehen, die ehemalige Sowjetunion zu verherrlichen, Apologien der Terrorherrschaft der Roten Khmer zu verfassen, die lesbischwule Agenda voranzutreiben und dergleichen Sachen mehr.
Danke übrigens für Ihren Hinweis, dass die ganze Sachen von Anfang an nur als Wahlkampfgag gemeint war.

OEH Pflichtmitgliedschaft abschaffen!

...

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Na, das passt doch

zur ÖVP! Eine Kaderschmiede für künftige ÖVP-Funktionäre!

Na dann

ist eh nur mehr Julis wählbar, wenn man nicht verrückte linke oder korrupte Övpler wählen will.

bitte schafft die ÖH ab!!!

Halbe Million Euro Zwangsbeiträge für Café Rosa verschwendet

Fr. Wulz und Combo

Jetzt bei der AG schiefe Geschichten.

Was tut den die ÖH? Wer braucht noch eine ÖH?
Und den ganzen Spaß auch noch mit Zwangsabgaben.
Diese verrückten Zwangsabgaben gehören endlich beseitigt, dann würde sich das Problem rasch von selber lösen. Egal ob ÖH oder ORF

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Re: bitte schafft die ÖH ab!!!

Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Interessensvertretung von Studenten, aber sehr wohl gegen die Zwangsmitgliedschaft in der ÖH samt Zwangsbeiträgen. Ohne letztere müßten sich die Damen und Herren Möchtegern-Nachwuchspolitiker aber viel mehr um ihre zu Vertretenden bemühen. Das könnte echt anstrengend sein und einem das pseudopolitische Herumgschafteln vermiesen .....

Re: Re: bitte schafft die ÖH ab!!!

Sie haben völlig recht, genau das wollte ich zum Ausdruck bringen.

was

wie kann denn das nur sein , die ag ist doch lupenrein.. wer sich hinstellt und behauptet "wir haben keine nähe zur ÖVP" obwohl schon bei den ganzen ablôsenden plakaten der pröll entgegen lacht kann doch nicht glaubwürdig sein

wie die alten sungen,

so zwitschern auch die jungen.

Re: wie die alten sungen,

siehe Grass?

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"Schwere" Vorwürfe gegen ÖVP-nahe Aktionsgemeischaft (AG)

So schwer können die Vorwürfe gar nicht sein!
Stichwort Cafe Rosa.

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Re: "Schwere" Vorwürfe gegen ÖVP-nahe Aktionsgemeischaft (AG)

zwischen einer Fehlinvestition und systematischer Unterschlagung können Sie wohl nicht unterscheiden?

6 0

Re: Re: "Schwere" Vorwürfe gegen ÖVP-nahe Aktionsgemeischaft (AG)

Auch bei dem Cafe Rosa liegt der Verdacht der Veruntreuung nahe, konkret in Hinblick auf die Bezahlung für die Einrichtung des Cafes und in Folge die Bezahlung für das dort angestellte Personal.

4 0

Re: Re: "Schwere" Vorwürfe gegen ÖVP-nahe Aktionsgemeischaft (AG)

Die zweck- und widmungsfremde Verwendung von Mitgliedsbeiträgen ist also lediglich eine "Fehlinvestition"? Das ist ja mal Chuzpe par excellence.

Re: Re: "Schwere" Vorwürfe gegen ÖVP-nahe Aktionsgemeischaft (AG)

Gegen das Cafe Rosa nehmen sich die Anschuldigungen (sofern diese überhaupt wahr sind...) wie Peanuts aus! Im Übrigen: "Fehlinvestition"?? Ist das Ihr Ernst? Dass die dafür Verantwortlichen noch immer nicht angeklagt wurden, ist nur der rot durchsetzten Staatsanwaltschaft gschuldet, in einem echten Rechtsstaat stünden die Proponenten der linken ÖH-Exekutive längst vor dem Kadi!

Re: Re: Re: "Schwere" Vorwürfe gegen ÖVP-nahe Aktionsgemeischaft (AG)

Muss Sie in der Sache korrigieren: Die Summen um die es hier geht, sind durchaus vergleichbar.

Bei der ÖH WU-Geschichte eher höher als beim Café Rosa (Zeitraum ist ja auch länger). Aber offizielle Zahlen fehlen hier natürlich... (siehe fehlende Anklage)

jep

ÖMU der Meduni Wien, ich weiss ich weiss, gehört nicht zur Ag, gibt aber der Ag ihre Stimmen....
Was haben Sie erreicht?
Frauenquote bei EMS
Das 3. Jahr hat nun mehr Prüfungen als je zuvor....
Sie haben wieder das Maifest in der Anatomie eingeführt.
Geben bei den ersten beiden Jahrgänge ziemlich oft Würstchen und Kuchen in der Anatomie her, um alle zu ködern...
Aja, schieben den eigenen Mitarbeitern die Facharztstellen zu!
....
Ich weiss nicht, anscheinend können mediziner nur auswendig lernen und nicht denken!

Dennoch ist die Vsstö mit ihren 50% für Frauen noch mieser!!!!

Re: jep

scheiss Frauen, oder wie ;) ?

14 10

Die AG WU ist korrupt

das weiß jeder.
Wird übrigens auch von den Sozis kritisiert wegen den oben angeführten Sachen. Ich weiß wen ich wähl.

15 4

Eigene Erfahrung zur AG WU

Ich war auch jahrelang ehrenamtliches Mitglied der ÖH WU, sprich keiner Fraktion zugehörig. Über die Jahre habe ich gesehen, wie die AG WU ÖH Gelder für ihre Interessen verwendet. Sei es nur, dass der Vorstand täglich auf ÖH Kosten essen geht und das auf ein Referat als "sonstiges" schreibt oder dass das Referat für Internationales Reisen organisiert, bei denen ÖH Mittel umgeschrieben werden - bei einem Budget des Zell am See Trips von 50.000€ nicht sonderlich schwer. Dessen gibt es unzählige Beispiele, die weder öffentlich bekannt noch bei oberflächlicher Kontrolle der Buchhaltung überprüfbar wären. Verwunderlich ist es jedoch, dass der Manager des Ride Club und Loco ehrenamtlich die Buchhaltung des internationalen Referats macht, und das seit 10 Jahren. Die Freunderlwirtschaft ist eben aus der österreichischen Politiklandschaft kaum wegzudenken, sei es bei den großen oder auf der Uni, vor allem wenn dieses Freunderlnetzwerk wie auf der WU seit über einem Jahr duch die stetige absolute Mehrheit der AG wachsen konnte.

 
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