ÖH-Wahl: Rote Studenten erobern die Uni Wien

17.05.2013 | 06:38 |  Von Julia Neuhauser und Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Insgesamt blieb das Interesse der Studierenden gering. An einzelnen Unis gab es große Umstürze. Die ÖVP-nahe AG gewann trotz Verlusten die Wahl.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

[WIEN] Spätestens als das Ergebnis an der größten Universität des Landes, der Uni Wien, veröffentlicht wurde, war klar: Man kann auch über Verluste jubeln. „Two more years, two more years“, riefen die Funktionäre des roten VSStÖ. Und das obwohl sie fast einen Prozentpunkt verloren haben. Sie sicherten sich damit aber den ersten Platz, knapp vor den Grünen und Alternativen Studierenden (Gras), die neun Prozentpunkte schlechter abschnitten als noch vor zwei Jahren. Offenbar konnte der VSStÖ den Skandal um das Café Rosa, in dem bisher mindestens eine halbe Million Euro versickerte, auf die Gras abwälzen.

Mehr zum Thema:

Dass es der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (AG) an der Uni Wien nicht gelungen ist, aus dem gescheiterten Studibeisl mehr Kapital zu schlagen, war eine Überraschung. Sie verlor sogar rund fünf Prozentpunkte. Dennoch dürfte die AG insgesamt – wie auch schon bei der vergangenen Wahl vor zwei Jahren – die meisten Mandate auf Bundesebene abräumen. Sie wird ihren Mandatsstand von 23 Mandaten in der Bundesvertretung (BV), dem österreichweiten Studentenparlament, voraussichtlich halten können. Allerdings wird an der Technischen Universität (TU) Graz erst im Laufe des Freitags ein Ergebnis vorliegen.

Als großer Sieger konnte sich AG-Spitzenkandidat Florian Lerchbammer nicht fühlen. Für die AG begann der Abend mit einem Riesenverlust. An der Medizin-Uni Wien, die stets als AG-Hochburg galt, verlor sie mehr als die Hälfte ihrer Stimmen. Ein Großteil davon ging an die unabhängigen Fachschaftslisten (FLÖ). Diese erreichte bei ihrem ersten Antreten an der Med-Uni die absolute Mehrheit. „Wir haben erwartet, dass wir gut abschneiden, aber das ist die größte Überraschung des Abends – sogar für uns“, sagte Spitzenkandidat Florian Kraushofer. Seine Fraktion konnte das durchaus hochgesteckte Wahlziel – bundesweit zur stimmenstärksten Fraktion zu werden – jedoch nicht erreichen.

Jubel und Enttäuschung: Der ÖH-Wahlabend in Bildern

Alle 14 Bilder der Galerie »

Das liegt mitunter an den neuen Fraktionen, die nicht erwartbare Zuwächse verzeichneten – und damit zu den klaren Gewinnern dieser ÖH-Wahl zu zählen sind. Allen voran die unabhängige Fraktion Engagierter Studierender (FEST), die heuer erstmals nicht nur an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen angetreten sind, sondern auch an den Unis. An der Uni Wien konnten sie sich auf Anhieb ein Mandat für das bundesweite Studierendenparlament sichern.

Auch die Uni-Piraten, die erstmals an sechs Universitäten kandidierten, schafften es in die Bundesvertretung. Der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) musste bis zuletzt um das einzige Bundesmandat zittern. Grund dafür: Die freiheitlichen Studenten verloren an allen Uni, an denen sie kandidierten – sogar an der Montanuni Leoben, die als RFS-Hochburg gilt –, deutlich an Stimmen.

JuLis: „Ein Nischenprogramm“

Durchwachsen war der Abend für die Jungen Liberalen (JuLis), für die die ÖH-Wahl eine Testwahl für die Nationalratswahl im Herbst – wo sie als Teil der Neos kandidieren – darstellt. Die für Studentenvertreter ungewöhnlichen Forderungen nach Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen schienen bei den Wahlberechtigten weniger gut anzukommen als insgeheim erwartet. Spitzenkandidatin Claudia Gamon zeigte sich pragmatisch: „Wir fahren halt ein Nischenprogramm.“ Zugewinne verzeichnete man vor allem an der WU Wien.

Prominentester Gast in der ÖH-Wahlzentrale: Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Sein großer Wunsch – dass sich die Wahlbeteiligung erhöhe – sollte nicht in Erfüllung gehen. Die große Trendwende dürfte es auch heuer nicht gegeben haben. Zwar konnten einzelne Unis die Wahlbeteiligung steigern – andere dagegen klagten über noch weniger Studenten an den Urnen.

Die erste Erfolgsmeldung kam diesbezüglich von der Medizin-Uni Wien. Dort stieg die Beteiligung von 48,5 Prozent im Jahr 2011 auf 50,8 Prozent. Ungewöhnlich hoch war die Beteiligung auch an der Wirtschaftsuni Wien: Mehr als jeder dritte WU-Student ging zur Wahl. Im Jahr 2011 waren es lediglich 27,5 Prozent gewesen.s Geradezu abgestürzt ist die Beteiligung in Klagenfurt. Gerade einmal jeder Fünfte gab dort die Stimme ab. 

Auch nachdem die Wahl geschlagen ist, bleibt es nun spannend. Bis 28. Juni muss die neue Exekutive stehen. Die Koalitionsfindung wird alles andere als einfach. Denn das Studierendenparlament wird auf über hundert Sitze anwachsen. Für eine stabile Mehrheit braucht es mindestens eine Dreierkoalition, voraussichtlich sogar eine Viererkoalition.

("Die Presse", Print-Ausgabe vom 17.5.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

93 Kommentare
 
12 3

Scheint so

als wären bei GRAS besonders kreative Köpfe am Rauchen gewesen.

Wir werden...

jetzt schon seit 38 von links regiert und dem Wahlausgang nach wird das noch lange andauern.
Ich weine um dich Österreich!

Re: Wir werden...

Sie haben wohl ein paar Jahre übersprungen. Was war da mit den Schwarzen , Blauen ????
Es sei denn, Sie zählen die Schwarzen und Blauen als linke Partei, dann haben Sie natürlich recht.

2 7

Re: Wir werden...

seit 38? aber sonst gehts ihnen schon noch gut?

ein

artikel über einen wirren haufen der stolz darauf ist auf der uni mit rangliste 197 zu studieren. unsere zukünftigen eliten. meine fresse.......

Re: ein

gehen sie doch selbst studieren;)

Re: Re: ein

Hat man...
Das Niveau der Uni sinkt immer weiter - kein Wunder bei diesen Studenten die dann auch noch Lehrende werden...

Re: ein

Geh Unsinn, die meisten von denen werden wieder in der Versenkungen verschwinden und in 10 Jahren noch immer mit ihrem Bachelor kämpfen.

3 12

Großer Sieg

Schön zu sehen, dass wir Studenten den richtigen Weg gefunden haben. Nach dem Cafe Rosa Debakel werden die roten Studenten hoffentlich es besser hinkriegen!

3 0

Re: Großer Sieg

Genau: jetzt kann man guten Gewissens rote Zahlen schreiben, ohne glauben zu müssen, dass sie in Wahrheit rot-grüne Zahlen sind.

*sarcasm off*

Lg

2 0

78 Prozent egal

Bei nur 22% Wahlbeteiligung bedeutet das, dass die linkextremen Fraktionen schlicht besser mobilisieren konnten.
Das bedeutet weiters, dass den restlichen 78% der Studierenden die ÖH schlichtweg egal ist.
Die Konseqenz daraus lautet, dass wir auch weiterhin den linksextremen Propagandisten ausgeliefert sind, die auf unsere Kosten hetzerische und unakademische Aussendungen (die vor allem gegen die bürgerliche Weltanschauung gerichtet sind und alles als rechtsextrem bezeichnen, was nicht prohomo-trangender-queer Links ist) tätigen werden.
Über die Beteiligung von Mitgliedern dieser Fraktionen an gewalttätigen Übergriffen auf Couleurstudenten (MKV vor wenigen Tagen, ÖCV-Haus letztes Jahr) kann nur spekuliert werden, da seitens der Behörden anscheinend nichts getan wird. (siehe Statements dazu auf den Websites der Betroffenen und Presse-Mitteilungen).

wen

intaressiertn der bledsinn?

Re: wen

Wenn die Studenten mal eine ernstzunehmende Vertretung hätten, wäre das sicher zu begrüßen.

2 0

Re: Re: wen

Das wird nur mit einer ungesetzlichen ÖH funktionieren, die kein gemachtes Nest ist.

Re: Re: Re: wen

Auch wahr.

Re: wen

Wenn es Sie nicht interessiert, dann müssen Sie es nicht lesen.

Re: Re: wen

ahaaaa!!!! was für eine kluge aussage.

Als Aufklärung für alle.

Die Interpretation der niedrigen Wahlbeteiligung wäre ein Zeichen des heutigen fehlenden Interesses an der ÖH ist falsch. Die Wahlbeteiligung liegt seit den 70ern unter 30%. Daher ist das Interesse und der Wille gegeben. Nur die linken Studenten, welche das ganze Jahr über Karteileiche spielen und dann am Wahltag wählen gehen, trügen das Bild ungemein.

warum...

muss ALLES in AUT politisiert sein?????? Bitte bitte, als Ausländer verstehe ich das nicht, wer kann mir helfen? Warum muss alles eiin politische Farbe haben? "Big government sucks" leute! Wann versteht ihr das endlich?


Re: warum...

endlich ein vernünftiger kommentar. weil die österreicher dumm sind.

Tautologie

Nach 40 Jahren "roter" Hochschulpolitik (Berufungen etc.) ist dieses Ergebnis tautologisch.

0 0

Re: Tautologie

unterhalten sie sich mal mit der Brinek...

13 0

Schlicht falsche und irreführende Überschrift

"Erobern" impliziert, dass man das Zielobjekt voher nicht innehatte. Das ist hier aber nicht der Fall: Vor der wahl hatte GRAS und VsstÖ zusammen 17 von 27 Mandaten, seit gestern abend nur 14 von 27 Mandaten.

Korrekt wäre also von einem "(knappen) Halten" zu schreiben, aber das klingt vermutlich nicht reisserisch genug.

ÖH-Wahl!

Ist das eine Schlagzeile wert, nein! Jetzt ist das Interesse bei den Studenten schon gering, daher braucht man den Rest der Bevölkerung nicht auch noch belästigen. Es würde eine kleine Info "rechts oder links" ganz unten genügen!

Re: ÖH-Wahl!

genau!

 
12 3

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden