Es wird gehämmert und gebohrt, sechs Rohbauten erhalten langsam ihre Fassaden und auch der Innenausbau hat zum Teil schon begonnen. Auf dem Bauschild steht „Größte Universitätsbaustelle Europas“ – die Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) wird am Rand des grünen Praters, unmittelbar hinter dem Messezentrum im 2. Bezirk neu gebaut. Im Mai sah man spektakuläre Bilder von einem Brand in einem der Rohbauten. Meterhoch schossen die Flammen heraus, eine dicke schwarze Rauchwolke zog quer über Wien. Dem Fertigstellungstermin konnte das Feuer aber nichts anhaben. Im Herbst 2013 soll die WU bezogen sein und das erste Semester für rund 27.000 Studierende und 1500 Mitarbeiter im neuen Campus seinen Lauf nehmen. „Durch Straffung der Zeitpläne und Nutzung der Zeitreserven kann der Übersiedlungstermin im Sommer 2013 eingehalten werden“, sagt Regina Prehofer, Vizerektorin für Infrastruktur und Finanzen der WU.
Genügend Platz, leicht erreichbar
Bereits eröffnet wurde Ende Mai ein Neubau der Fachhochschule Salzburg, der Erweiterungsbau Urstein. Zusätzliche 4400 Quadratmeter wurden gebaut und 102 Parkplätze geschaffen. Die FH Salzburg konnte bei dem Erweiterungsbau auf Erfahrungen aus dem Neubau zurückgreifen, der 2005 bezogen wurde. „1995 hat die FH ihren Betrieb aufgenommen und war auf verschiedene Standorte verteilt“, erklärt Raimund Ribitsch, Geschäftsführer der FH Salzburg. „Aufgrund der rasant steigenden Zahl der Studierenden haben wir dann nach einem Campus außerhalb der Stadt Ausschau gehalten“, sagt Ribitsch. Fündig wurde die FH in dem zehn Hektar großen Park bei einem alten Schloss.
Hier wurde dann nicht nur Platz zum Lernen, sondern auch zum Wohnen geschaffen, auf dem Campus steht ebenfalls ein Studentenheim. „Damit ein Campus von den Studierenden angenommen wird, ist eine gute Verkehrsanbindung unabdingbar“, erklärt Ribitsch. Der Campus Urstein in der Gemeinde Puch/Salzburg verfügt über eine S-Bahn-Anbindung und eine Autobahnabfahrt in unmittelbarer Nähe. In zwölf Minuten sind die Studierenden in der Stadt Salzburg. „Das Freizeitleben ist somit nicht gefährdet und beeinträchtigt“, meint Ribitsch. Der zweite Standort der FH, das Holzkompetenzzentrum in Kuchl, ist ebenfalls an die S-Bahn angeschlossen.
Nähe zum Campus
Näher aneinander rücken auch die Standorte und Fakultäten der ältesten österreichischen Universität, der Uni Wien. Ende Mai übergab die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) das Haus in der Währinger Straße 29 an die Uni Wien. „Der neue Standort wird sehnlich erwartet. Der besondere Vorteil ist die unmittelbare Nähe zum Campus der Universität Wien sowie die Zusammenführung von Informatik und Publizistik, welche auch fachliche Kooperationen erleichtert“ erklärt Rektor Heinz Engl. 10.600 Quadratmeter umfassen 225 Büroarbeitsplätze, 1100 Studienplätze, drei Hörsäle, elf Seminarräume, weiters sechs PC-Schulungsräume, sieben EDV-Forschungslabors, eine Lehrredaktion für 35 Personen, Projekträume, Schneideplätze, eine Bibliothek und Aufenthaltsräume. Gekostet hat der Neubau rund 25 Millionen Euro. Im Fokus der universitären Bauprojekte stehen „zeitgemäße Arbeits- und Kommunikationsmöglichkeiten“. Als das Hauptgebäude der Universität Wien 1884 eröffnet wurde, war von PC-Arbeitsplätzen, E-Learning oder Serverräumen noch lange keine Rede. Auch moderne Forschungslabors können selten in alte Gebäude integriert werden.
„Viele technische Anforderungen, die heutzutage von den Universitäten nachgefragt werden, sind schon rein aus finanziellen Gründen in historischen Gebäuden schwer realisierbar“, erklärt Ernst Eichinger von der BIG. Das Unternehmen baute für die Uni Wien das neue Gebäude – sechs Standorte werden zu einem zusammengelegt. Was mit den alten Gebäuden passiert, ist noch nicht geklärt.
Funktionen vorab definieren
Bevor sich Hochschulen für einen Standort entscheiden und lange bevor die Bagger auffahren wird vielfach erst einmal an einem Raum- und Funktionsplan gearbeitet. Die WU tat dies, bevor sie sich für den Standort Prater entschied. Der Raum- und Funktionsplan der WU umfasste 100.000 Quadratmeter Nutzfläche und definierte die Funktionen, die der Neubau erfüllen sollte. Ebenso ging die FH Salzburg vor, die den Campus Urstein in einem Bauträgermodell mit der Heimat Österreich realisierte. „Wir haben ein exaktes Raum & Funktionsprogramm erstellt, basierend auf unseren Erfahrungen, die wir durch den ersten Neubau gewonnen hatten“, berichtet Geschäftsführer Ribitsch. Die Verbindung von Büros zu Labors wurde darin ebenso beschrieben wie der Wunsch nach einer zentralen Halle und Transparenz. An der FH Salzburg ist der „ideale“ Seminarraum „in der Grundfläche fast quadratisch, möglichst hoch, verfügt über Tageslicht und ist akustisch gut gedämmt“, erklärt Ribitsch. Tageslicht ist auch etwas, über das sich viele WU-Studierende am neuen Campus erstmals freuen dürfen. Denn während im alten Gebäude in der Augasse im 9. Bezirk fast alle Hörsäle und Seminarräume fensterlos sind, werden im Neubau alle Hörsäle über Tageslicht verfügen. Am neuen WU-Campus wird es weniger Großhörsäle, dafür mehr mittlere Lehrräume für 60 bis 120 Personen geben. Die Zahl der Seminarräume steigt von 35 auf 53 an. Auch die Anzahl der Arbeitsplätze für Studierende erhöht sich am neuen Campus von 1000 auf 3000.
Nachhaltig bauen
Was bei „Wissenschaftspalästen“ im 19. Jahrhundert ebenfalls ein Fremdwort war, ist mittlerweile fast Standard: nachhaltiges Bauen – im Falle der WU das „Green-Building-Konzept“. Das bedeutet eine hohe Dauerhaftigkeit der gewählten Konstruktion und Materialien, die Energieeffizienz der Gebäudehülle und ein hoher Einsatz an regenerativen Energiequellen. Auch in Salzburg wurde auf Energieautarkie geachtet.
Neu gebaut wurde für die Universität Wien das Gebäude für Publizistik und Informatik (Währinger Straße 29) von den Architekten Nehrer Medek und Partner.
Die FH Salzburg errichtete einen Erweiterungsbau mit Architekt Robert Schranz (Campus Urstein), das Konzept für den Campus stammte 2005 von kadawittfeldarchitektur.
Für den neuen Campus der Wirtschaftsuniversität planten BUSarchitektur, Atelier Hitoshi Abe, Zaha Hadid, Estudio Carme Pinós, NO.MAD Arquitectos, CRABstudio. Die Bauten entstehen im 2. Bezirk in Wien neben dem grünen Prater.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)
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