Wien/Red./Pö. Schon bald könnte es in Österreich einen eklatanten Mangel an Pflegerinnen und Pflegern geben. Damit es nicht so weit kommt, hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) bereits im Herbst 2011 eine Arbeitsgruppe „Strukturreform Pflege“ eingerichtet. Gestern, Montag, kündigte er im Ö1-„Mittagsjournal“ außerdem ein Pilotprojekt an, das schon im Herbst präsentiert werden soll: So soll eine Umschulung von künftigen Pflegern älterer und kranker Menschen auch dann vom Staat gefördert werden, wenn Betroffene noch einen anderen Job ausüben – und nicht nur im Fall von Arbeitslosigkeit. Die Frage der Bezahlung, die attraktiver werden soll, müssten die Sozialpartner beantworten, so der Minister.
Mit seinem Vorstoß erntete Hundstorfer nicht nur im eigenen Lager Zustimmung, sondern auch bei der ÖVP: Die Gesundheitssprecherin der ÖVP Wien, Ingrid Korosec, meinte, dass ein leichterer Umstieg für Berufstätige ein großer Fortschritt wäre. Dass das Arbeitsmarktservice (AMS) zurzeit nur zahle, wenn Interessenten bereits arbeitslos gemeldet sind, sei eine Schwäche im System.
Absage an neue Steuern
Kritik gab es am Montag für die Forderung von SPÖ- und Länderseite nach einer neuen Steuer auf Vermögen, mit der ausreichend Mittel für die Betreuung alter und behinderter Menschen sichergestellt werden könnten – „Die Presse“ berichtete: Vor allem die FPÖ – auch die Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer – lehnt das ab, sie drängt auf eine umfassende Gesundheitsreform.
Allgemein für bessere Rahmenbedingungen für die Pflege und eine „neue Sorgekultur“ in Österreich warb gestern der neue Generalsekretär des Roten Kreuzes, Werner Kerschbaum. Der bisherige stellvertretende Generalsekretär ist mit 1. Juli auf Wolfgang Kopetzky gefolgt, der in den Ruhestand getreten ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)
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