In wirtschaftlich unsteten Zeiten ist auch das Geschäft mit Weiterbildung oft ein hartes Brot. Gerade Anbieter hochkarätiger MBA- und Masterprogramme müssen sich einiges einfallen lassen, liegen doch die Kosten dafür im fünfstelligen Bereich. Summen, die meist nicht von Privatpersonen, sondern (zumindest zum Teil) von Betrieben aufgebracht werden, die ihren High Potentials internationalen Schliff, theoretisches Rüstzeug oder ein Management-Fresh-up angedeihen lassen wollen. So klug es sein mag, auch in Bildung antizyklisch zu investieren, wird das derzeit oft auf bessere Tage verschoben.
Fusionieren und Polarisieren
Business Schools müssen auf die Situation also ihrerseits mit klugem Management reagieren. Wer nicht an der Qualität sparen will, muss andere Lösungen finden. Bei der SMBS – University of Salzburg Business School – setzt man auf die Stärkung der eigenen Marke. Die langwährende Kooperation mit dem Begründer des St. Galler Management-Modells, Fredmund Malik, wurde ausgebaut. Mit dem Einstieg Maliks als Gesellschafter der SMBS konnte einer der bekanntesten und polarisierendsten Manager und Wirtschaftswissenschaftler Mitteleuropas an Bord geholt werden, was sich auch auf die Studienplangestaltung auswirkt. Die „Malik Management Systeme“ werden laut SMBS-Sprecher Thomas Berner noch stärker mit dem Curriculum der Business School verbunden, die Marke „Malik School of Management“ wird damit in Salzburg geschaffen. „Sie ist wie ein Lupe, die man über jede einzelne Fragestellung legen kann und unter der man das Thema noch einmal betrachten kann“, so Berner. „Das System ist in gewissem Sinn einfach“, so Berner. „Sich am Kundennutzen orientieren, überlegen, wofür der Kunde zahlt, und sich dann danach ausrichten“.
Natürlich würden die Studierenden an der SMBS auch mit anderen Managementmodellen und Sichtweisen konfrontiert. „Aber wir werden die Malik-School künftig noch mehr auf alle Programme ausrollen.“ Wer „100 Prozent Malik“ möchte, sei auf das neue Führungskräfte-Kompaktprogramm „Leadership Competence“ der SMBS verwiesen: fünf Module in sechs Monaten, ergänzt durch Coaching.
Leadership Sparring
An der Linzer Business School Limak begegnet man den Herausforderungen der Zeit vor allem durch ein „Mehr an Leadership“. „Wir bekommen auch Hinweise, wie wir ein Führungskräfteprogramm ganz konkret weiterentwickeln können, damit es perfekt zu den Anforderungen und Bedürfnissen der Teilnehmer passt“, sagt Maria Kalt, Programm-Managerin des „Global Executive MBA“. Angespannte Etats und finanzielle Unwägbarkeiten verlangen Führungskräften nicht nur fachlich, sondern auch persönlich einiges ab. Der Global Executive MBA, eines der ältesten Programme der Limak, wurde daher aktuell durch begleitendes „Leadership Sparring“ ergänzt. „Die MBA-Teilnehmer setzen sich mit ihrer eigenen Führungsrolle auseinander und reflektieren ihr Verhalten – mithilfe erfahrener Coaches“, sagt Kalt.
Für Tina Ambos, akademische Leiterin des Global MBA und Leiterin des Institutes für „International Management“ an der Johannes Kepler Universität Linz, sind Soft Skills und individuelle Kompetenzprofile überhaupt das Gebot der Stunde. „In einer Zeit, in der die Halbwertszeit von Wissen immer weiter sinkt, sollte die persönliche Weiterentwicklung noch stärker im Vordergrund stehen.“ Und gelebte Internationalität in der Sprache: „Das Programm ist vollständig englischsprachig. Das bringt auch noch eine Verbesserung der Sprachkompetenz und ein Netzwerk zu vielen international renommierten Professoren und Praktikern mit sich“, sagt Ambos.
Soft Skills mit System
Auf den Zug der Zeit aufgesprungen ist man auch, was die Wahl der Unterrichtsstandorte betrifft. Seit jeher schon gehören Studienaufenthalte an der Emory University in Atlanta und in Brüssel zum Programm. Seit Kurzem werden auch österreichische Unternehmen in Shanghai sowie die renommierte Tsinghua University in Peking besucht. „Hier geht es vor allem um die kulturellen und systemischen Kontraste, die Manager in diesem Kontext zu erwarten haben. Dabei interessieren unsere Teilnehmer vor allem Einblicke in ein Powerhouse der globalen Wirtschaft und die Perspektive der Institutionen im Land. Selbst die Teilnehmer, die schon China-Erfahrung hatten, sehen das Land und die Dynamik des Wirtschaftssystems nach unserem Aufenthalt oft etwas differenzierter.“
Erfahrungslernen
Auf das Kennenlernen der global bedeutsamen Wirtschaftsregionen China und USA stellt auch der „Danube Executive MBA“ ab. Das seit 22 Jahren bestehende Programm der Donau-Universität Krems bietet zwei Studienreisen zu Partneruniversitäten in Washington und Hongkong. Als zusehends wichtig empfindet man jedoch, bei aller Weltläufigkeit den Kernmarkt Europa nicht aus den Augen zu verlieren. „Die Curricula-Gestaltung des General-Management-Lehrgangs für Führungskräfte berücksichtigt den europäischen Kontext, in welchem unsere Studierenden als Manager agieren, wie gesellschaftliche, soziale und politische Entwicklungen“, sagt Lehrgangsleiterin Doris Burger.
Rein methodisch steht gerade angesichts des Wandels, dem das Berufsbild Manager unterworfen ist, soziales Lernen und Erfahrungslernen durch Einbringen eigener Fallstudien im Mittelpunkt. „Da Manager in Zukunft mit immer komplexer werdenden Problemstellungen umgehen können müssen, werden ausgeprägte Fähigkeiten im Umgang mit Zielunklarheiten und Konflikten verlangt. Zudem gewinnen soziale und gruppendynamische Fähigkeiten durch die immer notwendiger werdende Einbindung der Mitarbeiter an Bedeutung.“ Der Ansatz des Erfahrungslernens verbinde den Arbeits- mit dem Lernprozess. „Das Erarbeiten von unterschiedlichen, kreativen Lösungen für konkrete Führungssituationen bringt die Manager in eine aktive gestalterische Rolle und fördert damit die Übernahme der Verantwortung für den eigenen Lernprozess.“
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











