Vier Abschlüsse in acht Jahrzehnten: 1936 Zahnmedizin, anschließend Zahnchirurgie, 2006 Jus und 2012 Klinische Studien – diese Konsequenz im Lebenslangen Lernen muss man Allan Stewart erst einmal nachmachen. Der 1915 geborene Australier wird derzeit im Guinness Buch der Rekorde als ältester Student der Welt angegeben. Auch wenn sich nicht jeder mit gleicher Energie ins Studieren stürzt – die Devise des Lebenslangen Lernens wird von vielen Menschen jenseits der 50 auch in Österreich sehr ernst genommen.
Frischzellenkur zum Mitdenken
Was sich international bereits seit den 1980er-Jahren als Bildungseinrichtung für Menschen jenseits des 50.Lebensjahres etabliert hat, wächst langsam auch in Österreich. „Einige tun so, als wäre eine Seniorenuniversität ein Luxus. Dabei holt Österreich langsam das nach, was international bereits üblich ist“, sagt Urs Baumann, Leiter der Universität 55-plus. Im Herbst soll sie in Salzburg an den Start gehen und 300 bis 1000 lernwillige Senioren anlocken. „Wir wollen die Studierenden nicht fit für den Arbeitsmarkt machen, sondern ihre geistige Fitness wachhalten und von ihnen lernen“, erläutert Baumann.
Matura brauchen die reifen Studenten keine, man wolle Personen, die vielleicht ohnehin schon mit Bildungsnachteilen konfrontiert waren, nicht noch einmal bestrafen und vom Wissensgewinn fernhalten. Und dieser Wissensgewinn ist an der Salzburger Uni in vier Bereiche gegliedert: Kultur, Gesundheit, Sozietät/Gesellschaft und Naturwissenschaft/Technologie/Umwelt. Ein genaues Vorlesungsverzeichnis gibt es noch nicht; die Teilnehmer sind vielmehr dazu aufgerufen, an der Implementierung der Universität 55-plus mitzuwirken. „Von ihrem Wissen und Engagement profitieren nicht nur spätere Teilnehmende, sondern auch wir von der Universität Salzburg“, sagt Baumann.
Generationenübergreifend
Ebenfalls im Herbst starten die Kurse der SeniorInnenUNI aktivplus an der IMC Fachhochschule Krems. Aufgebaut in acht Modulen – von IT über Gesundheit, Recht, Wirtschaft bis hin zu Management und Internationales – bietet der Studiengang Weiterbildungsmöglichkeiten für Menschen, die sich nach ihrer Pensionierung weiterhin in Gemeinde, Politik oder Vereinen und Verbänden aktiv und engagiert zeigen möchten.
In generationenübergreifendem Lernen können sich die Interessierten sowohl Basiswissen als auch vertiefte Kenntnisse in den Kernbereichen aneignen. Pro Semester sind zwei Module zu jeweils 75 Euro zu absolvieren. In regelmäßigen Abständen steht ein Tag „Studium an der Partneruniversität“ in Tschechien auf dem Lehrplan. Eine themenspezifische Exkursion soll zudem Lehre, Wirtschaft und Praxis verbinden. Insgesamt werden 30 Plätze von der Fachhochschule vergeben, formale Teilnahmebedingungen gibt es keine.
Einer, der die Entwicklung – samt Irrungen und Wirrungen – der Seniorenuniversitäten in Österreich seit Langem beobachtet, ist Eckart Ruschmann, Vorsitzender des Vereins „Bodensee-Kolleg“ in Bregenz. 2002 gründete er die Innsbrucker Akademie für Ältere, ein Pilotprojekt. „Es wurde als EU-Projekt durchgeführt und finanziert – 50Prozent EU-Mittel, 25 Prozent vom Sozialministerium, 25 Prozent vom Wissenschaftsministerium“, erzählt er. Nach Abschluss des Projekts wurde es aber nicht an der Uni etabliert – obwohl die Lehrgänge sehr gut liefen. Weitergeführt wurde die Idee, an der die Studierenden mittlerweile Gefallen gefunden hatten, an der Volkshochschule.
Ein erfahrener „Oldie“ ist das Seniorstudium Liberale in Klagenfurt. Mit dem Wintersemester 2007/08 startete es in einer Pilotphase an der Alpen-Adria-Universität – in Zusammenarbeit mit den Kärntner Bildungseinrichtungen Pädagogische Hochschule, FH, Landeskonservatorium, Verwaltungsakademie und der Katholischen Pädagogischen Hochschuleinrichtung.
Qualifikationen? Nebensache.
Gelernt wird in gemischten Lehrveranstaltungen: „Die Jüngeren helfen den Älteren, beiden finden das gut“, hat Leiter Paul Kellermann erfahren. Auch für diesen Universitätslehrgang gilt: Er will nicht für das Erwerbssystem qualifizieren. „Wir wollen Wissen erforschen und verbreiten“, sagt Kellermann. Und das geht in vier Modulen für Pflichtfächer, die auch der Einführung ins Studium dienen: „Universität und Wissenschaft“, „Studium mit Medien“, „Studium und Lebensphase“ sowie „wissenschaftliches Arbeiten“. In den vier Modulen für gebundene Wahlfächer sowie den freien Wahlfächern wird man in sieben Disziplinen fündig, von der Kunst über Religionswissenschaft bis hin zu Technik und Wirtschaftswissenschaft.
SeniorInnenUNI an der IMC
Fachhochschule Krems,
Anmeldefrist 8.August 2012
www.seniorinnenuni.at
Universität 55-plus Salzburg, Anmeldung ab 10.September online oder persönlich
www.uni-salzburg.at/uni-55plus
Seniorstudium Liberale Klagenfurt, Anmeldung bis 31.Oktober 2012
www.uni-klu.ac.at/senior
Zusätzliche Angebote für Senioren:
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)
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