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Seniorenstudium: „Wir wollen Wissen erforschen“

20.07.2012 | 18:23 |  CLAUDIA DABRINGER (Die Presse)

In Krems und Salzburg ergänzen ab Herbst neue Vorlesungen das rare Studienangebot für Ältere in Österreich. Warum eigentlich? Und was bieten die Konzepte?

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Vier Abschlüsse in acht Jahrzehnten: 1936 Zahnmedizin, anschließend Zahnchirurgie, 2006 Jus und 2012 Klinische Studien – diese Konsequenz im Lebenslangen Lernen muss man Allan Stewart erst einmal nachmachen. Der 1915 geborene Australier wird derzeit im Guinness Buch der Rekorde als ältester Student der Welt angegeben. Auch wenn sich nicht jeder mit gleicher Energie ins Studieren stürzt – die Devise des Lebenslangen Lernens wird von vielen Menschen jenseits der 50 auch in Österreich sehr ernst genommen.

 

Frischzellenkur zum Mitdenken

Was sich international bereits seit den 1980er-Jahren als Bildungseinrichtung für Menschen jenseits des 50.Lebensjahres etabliert hat, wächst langsam auch in Österreich. „Einige tun so, als wäre eine Seniorenuniversität ein Luxus. Dabei holt Österreich langsam das nach, was international bereits üblich ist“, sagt Urs Baumann, Leiter der Universität 55-plus. Im Herbst soll sie in Salzburg an den Start gehen und 300 bis 1000 lernwillige Senioren anlocken. „Wir wollen die Studierenden nicht fit für den Arbeitsmarkt machen, sondern ihre geistige Fitness wachhalten und von ihnen lernen“, erläutert Baumann.

Matura brauchen die reifen Studenten keine, man wolle Personen, die vielleicht ohnehin schon mit Bildungsnachteilen konfrontiert waren, nicht noch einmal bestrafen und vom Wissensgewinn fernhalten. Und dieser Wissensgewinn ist an der Salzburger Uni in vier Bereiche gegliedert: Kultur, Gesundheit, Sozietät/Gesellschaft und Naturwissenschaft/Technologie/Umwelt. Ein genaues Vorlesungsverzeichnis gibt es noch nicht; die Teilnehmer sind vielmehr dazu aufgerufen, an der Implementierung der Universität 55-plus mitzuwirken. „Von ihrem Wissen und Engagement profitieren nicht nur spätere Teilnehmende, sondern auch wir von der Universität Salzburg“, sagt Baumann.

 

Generationenübergreifend

Ebenfalls im Herbst starten die Kurse der SeniorInnenUNI aktivplus an der IMC Fachhochschule Krems. Aufgebaut in acht Modulen – von IT über Gesundheit, Recht, Wirtschaft bis hin zu Management und Internationales – bietet der Studiengang Weiterbildungsmöglichkeiten für Menschen, die sich nach ihrer Pensionierung weiterhin in Gemeinde, Politik oder Vereinen und Verbänden aktiv und engagiert zeigen möchten.

In generationenübergreifendem Lernen können sich die Interessierten sowohl Basiswissen als auch vertiefte Kenntnisse in den Kernbereichen aneignen. Pro Semester sind zwei Module zu jeweils 75 Euro zu absolvieren. In regelmäßigen Abständen steht ein Tag „Studium an der Partneruniversität“ in Tschechien auf dem Lehrplan. Eine themenspezifische Exkursion soll zudem Lehre, Wirtschaft und Praxis verbinden. Insgesamt werden 30 Plätze von der Fachhochschule vergeben, formale Teilnahmebedingungen gibt es keine.

Einer, der die Entwicklung – samt Irrungen und Wirrungen – der Seniorenuniversitäten in Österreich seit Langem beobachtet, ist Eckart Ruschmann, Vorsitzender des Vereins „Bodensee-Kolleg“ in Bregenz. 2002 gründete er die Innsbrucker Akademie für Ältere, ein Pilotprojekt. „Es wurde als EU-Projekt durchgeführt und finanziert – 50Prozent EU-Mittel, 25 Prozent vom Sozialministerium, 25 Prozent vom Wissenschaftsministerium“, erzählt er. Nach Abschluss des Projekts wurde es aber nicht an der Uni etabliert – obwohl die Lehrgänge sehr gut liefen. Weitergeführt wurde die Idee, an der die Studierenden mittlerweile Gefallen gefunden hatten, an der Volkshochschule.

Ein erfahrener „Oldie“ ist das Seniorstudium Liberale in Klagenfurt. Mit dem Wintersemester 2007/08 startete es in einer Pilotphase an der Alpen-Adria-Universität – in Zusammenarbeit mit den Kärntner Bildungseinrichtungen Pädagogische Hochschule, FH, Landeskonservatorium, Verwaltungsakademie und der Katholischen Pädagogischen Hochschuleinrichtung.

 

Qualifikationen? Nebensache.

Gelernt wird in gemischten Lehrveranstaltungen: „Die Jüngeren helfen den Älteren, beiden finden das gut“, hat Leiter Paul Kellermann erfahren. Auch für diesen Universitätslehrgang gilt: Er will nicht für das Erwerbssystem qualifizieren. „Wir wollen Wissen erforschen und verbreiten“, sagt Kellermann. Und das geht in vier Modulen für Pflichtfächer, die auch der Einführung ins Studium dienen: „Universität und Wissenschaft“, „Studium mit Medien“, „Studium und Lebensphase“ sowie „wissenschaftliches Arbeiten“. In den vier Modulen für gebundene Wahlfächer sowie den freien Wahlfächern wird man in sieben Disziplinen fündig, von der Kunst über Religionswissenschaft bis hin zu Technik und Wirtschaftswissenschaft.

Auf einen Blick

SeniorInnenUNI an der IMC
Fachhochschule Krems,
Anmeldefrist 8.August 2012
www.seniorinnenuni.at

Universität 55-plus Salzburg, Anmeldung ab 10.September online oder persönlich
www.uni-salzburg.at/uni-55plus

Seniorstudium Liberale Klagenfurt, Anmeldung bis 31.Oktober 2012
www.uni-klu.ac.at/senior

Zusätzliche Angebote für Senioren:

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.vhs.at

www.wifi.at

www.bfi.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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10 Kommentare
Gast: Berufsbegleitendes Studium
30.07.2012 11:47
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Gut aber...

...es fehlt vor allem an der Uni Sbg die Möglichkeit berufsbegleitend zu studieren. Die Uni wirbt zwar damit, wenn man sich aber die Pläne mal genau ansieht ist es nicht wirklich möglich neben Hauptberuf zu studieren. Im Gegensatz zu Studienangeboten von FH.

Sinnvoller wäre es hier mal anzusetzen...

Gast: Alter Mann
23.07.2012 08:41
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Universität als Gesamtschule

Warum können Senioren nicht einfach ganz normal studieren wie die anderen auch - mit echter Studienberechtigung (Matura), mit Prüfungen und Abschluss?


Antworten Gast: Berufstätige Studentin
23.07.2012 09:12
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Re: Universität als Gesamtschule

Das können sie doch, wenn sie das wollen.

Es gibt halt auch noch das Zusatzprogramm, denn in meiner Elterngeneration war es nicht üblich, dass jeder die Matura machen konnte. Nachdem die Senionen ja einfach nur für sich selbst lernen und sich nicht mehr für die Berufswelt qualifizieren müssen, brauchen sie die Abschlüsse nicht. Aus welchem Grund sollten sie sich also damit quälen, die Matura nachzuholen?

Abgesehen davon sind die Hörsäle in den regulären Studien eh jetzt schon überfüllt.

Antworten Antworten Gast: Alter Mann
23.07.2012 10:23
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Re: Re: Universität als Gesamtschule

Ich glaube nicht, dass jemand studieren möchte, der das Lernen als Qual empfindet.

Antworten Antworten Antworten Gast: Berufstätige Studentin
23.07.2012 21:56
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Re: Re: Re: Universität als Gesamtschule

Der Unterschied ist, dass man sich an der Uni aussuchen kann, worin man sich weiterbilden möchte. Das kann man bei der Matura nicht - da sind die Gegenstände vorgeschrieben.

Es ergibt keinen Sinn, dass Senioren beispielsweise das Integrieren und Differenzieren lernen müssen, wenn sie sich dann später mit Kunstgeschichte an der Uni auseinandersetzen wollen.

Im Sinne der Vermittlung von Allgemeinbildung bei Schülern ist das aber sehr wohl sinnvoll, da man bei den Schülern ja noch nicht sagen kann, was sie später einmal beruflich machen werden.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Alter Mann
24.07.2012 08:08
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Re: Re: Re: Re: Universität als Gesamtschule

Wie ich weiter unten schon geschrieben habe, empfehle ich allen, die schon länger aus der Schule sind die Studienberechtigungsprüfung vor dem Studium. Da muss man die Prüfung in 5 Fächern machen, die auf das Studium vorbereiten. Das bringt dann alle auf ein gewisses Niveau.
Wenn die Uni ihren Ruf nicht aufs Spiel setzen möchte, muss sie auch für Senioren Anspruchsvolles liefern und fordern. Wenn aber zu viele drinsitzen, die nicht folgen können, gibt es Unzufriedenheit.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Berufstätige Studentin
24.07.2012 08:24
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Re: Re: Re: Re: Re: Universität als Gesamtschule

Das wird aber niemand machen. Wer geht denn schon 12 - 13 Jahre in eine höhere Schule, erwirbt damit die Reifeprüfung und macht dann noch eine Zusatzprüfung, um zu studieren, die dann nochmal Zeit und Geld kostet (noch ist die SBP nicht kostenlos)?

Die Studienrichtungen haben ohnehin alle Einführungslehrveranstaltungen, die man bestehen muss, damit man weiterstudieren kann. Die sind dazu gedacht, die Leute auf das Niveau der Studienrichtung zu bringen.

Bei den Senioren sehe ich das Problem nicht - denn diese Studien sind ohnehin kostenpflichtig. Wenn also jemand dauerhaft nicht folgen kann, wird er dafür nicht mehr zahlen wollen und einfach aufhören, zu studieren. Niemand gibt gerne umsonst Geld aus.

Antworten Antworten Gast: Alter Mann
23.07.2012 10:20
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Re: Re: Universität als Gesamtschule

Menschen, die nicht das Niveau für die Universität bringen, haben nichts von einem Programm auf Universitätsebene. Das Ergebnis wäre, dass die Lehrveranstaltungen auf Volkshochschulniveau rutschen würden. Das würde den Ruf der Uni ruinieren.

Es gibt die Studienberechtigungsprüfung.
Die würde ich sogar jeder SeniorIn mit Matura emfehlen. Es ist ein hervorragender Einstieg fürs Studieren.

Antworten Antworten Antworten Gast: Berufstätige Studentin
23.07.2012 21:58
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Re: Re: Re: Universität als Gesamtschule

Es studieren jetzt schon genügend Leute, die eigentlich nicht das Niveau für die Universität mitbringen ;). Das sehe ich tagtäglich bei meinen KollegInnen.

Manche versagen, manche blühen aber erst so richtig auf an der Universität.

Trotzdem sollte man für SeniorenstudentInnen, die ohnehin keine Berufsausbildung mehr benötigen, andere Maßstäbe setzen als für junge Menschen, die das Arbeitsleben noch vor sich haben.

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