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Flieger, zu den Wolken

27.07.2012 | 18:23 |  von Slivia Schlereth, Christian Lenoble (Die Presse)

Negative Schlagzeilen aus der Luftfahrt bringen den Mythos vom Superjob ins Wanken. Doch der Traum vom Fliegen ist stärker als jede Krise – und die Jobperspektiven sind besser als vermutet.

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Die Schlagzeilen, die in den vergangenen Monaten rund um die Sanierung der Austrian Airlines (AUA) durch die Presse geisterten, waren nicht unbedingt dazu angetan, das Berufsbild des Piloten noch als besonders attraktiv erscheinen zu lassen. Von Sparprogrammen war da die Rede, von „Zwangsauslagerung“, massiven Gehaltskürzungen und das alles in einem Berufsfeld, das schon an sich herausfordernd und mit großer persönlicher Verantwortung verbunden ist.

Die Kratzer, die der Pilotenberuf durch die in der Öffentlichkeit ausgetragenen Auseinandersetzungen abbekommen hat, dürften aber kaum abschreckend auf jene wirken, die schon seit je dem Traum vom (professionellen) Fliegen verfallen sind. Dessen Verwirklichung ist allerdings an einige Voraussetzungen gebunden, zu denen neben der körperlichen Eignung vor allem eine entsprechende fachliche Qualifikation gehört.

 

Wege ins Cockpit

„Grundstein für einen erfolgreichen Berufseinstieg ist in jedem Fall eine solide, erfolgreich absolvierte Ausbildung“, erklärt Reinhard Mussmann, Geschäftsführer der Tiroler Flugschule Fly West. „Fleiß und Motivation, gute Prüfungsergebnisse sowie ein zügiges Absolvieren der Ausbildung erhöhen die Berufschancen zusätzlich.“ Generell gelten einige Grundvoraussetzungen für die Ausbildung zum Piloten: Die Bewerber sollten körperlich fit sein und über ein gutes Sehvermögen verfügen. Maximal +/- drei Dioptrien werden toleriert. Weiters werden die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife sowie sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift vorausgesetzt. Technisches Verständnis in Mathematik, Physik und eine gute Raumorientierung sind ebenso wichtig wie eine gewisse Stressresistenz. Alle Bewerber müssen die fliegerärztliche Untersuchung der Medical-Klasse eins bestehen. Die meisten Flugschulen und Airlines führen interne Eignungstests durch.

„Psychische Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Teamfähigkeit sind die wesentlichsten Soft Skills, die ein künftiger Pilot mit sich bringen sollte“, bestätigt Andreas Hinze, Head of Training der Österreichischen Luftfahrtschule (ÖLS). Technisches Interesse, mathematische Grundfähigkeiten und gute englische Sprachkenntnisse zählen zu den Voraussetzungen. Dem Erwerb der Hard Skills wird in einer den Anforderungen entsprechend strengen Ausbildung Rechnung getragen. „Theoretisch wird Wissen vermittelt, das von der Aerodynamik und Aeromechanik über Flugplanung und Luftrecht bis hin zur Meteorologie reicht. In Kleingruppen von maximal acht Personen werden rund 120 Stunden im Lehrsaal abgearbeitet. Das erste Mal beim Fluggerät, einer Cessna, ist der Schüler schon nach drei bis vier Wochen“, erläutert Martin Weinberger, Chief Ground Instructor des Aviation Training Center Austria. Beim intensiven Praxistraining in der Luft liegt das Augenmerk mit der Zeit auf der Einübung und Bewältigung von Notfallsituationen. Der Ausbildungsweg vom „Fußgänger“ ins Cockpit dauert je nach Flugschule und eigener Zeit zwischen 18 Monaten und zwei Jahren. Die Verkehrsflugzeugführerlizenz ATPL – Air Transport Pilot Licence, die höchste Ausbildungsstufe für Piloten – erfordert laut Austrian Cockpit Association neben der bestandenen Schulung zudem mindestens 1500 Stunden Flugerfahrung. Erst damit darf ein Verkehrsflugzeug „in command“, das heißt, als Kapitän auf dem linken Sitz geflogen werden. Die ATPL kann auf verschiedenen Wegen erlangt werden. Der kostengünstigste führt über eine Airline, die die Ausbildung vorfinanziert und einen Teil der Kosten übernimmt. Im Gegenzug verpflichten sich die angehenden Piloten meist, auf mehrere Jahre für ein bestimmtes Luftfahrtunternehmen zu arbeiten.

 

Begehrte Ausbildungsplätze

Hier besteht ein großer Konkurrenzdruck. Ausbildungsplätze bei Airlines sind stark nachgefragt. Aufgrund aktueller Umstrukturierungen werden die Austrian Airlines erst wieder ab 2013 Piloten ausbilden.

Wer sich von starker Konkurrenz nicht abschrecken lässt, dem bietet die Lufthansa in Deutschland zwei Ausbildungswege: Entweder wird die ATPL-Lizenz im Rahmen einer zweijährigen Schulung vermittelt, oder die Bewerber absolvieren einen vierjährigen kombinierten Studiengang, wobei sowohl die notwendige Fluglizenz als auch ein Bachelorabschluss in Luftfahrtsystemtechnik erworben werden. Ein ähnliches Kombistudium kann in Österreich auch am Johanneum in Graz absolviert werden. Hier müssen allerdings die zusätzlichen Ausbildungskosten für die Fluglizenz bei einer privaten Flugschule vom Studierenden selbst getragen werden.

Der Vorteil einer Ausbildung an einer privaten Flugschule liegt in einer größeren Flexibilität, sowohl während der Ausbildung als auch hinterher bei der Arbeitgeberwahl. Auf der anderen Seite ist die Ausbildung an einer Flugschule mit 50.000 bis 90.000 Euro relativ teuer. Reinhard Mussmann von Fly West schlägt mehrere Finanzierungsmöglichkeiten vor: Neben Bildungskrediten und der berufsbegleitenden Ausbildungsvariante bestreiten einige Piloten die Ausbildung auch im Rahmen einer Bildungskarenz. Wird die Ausbildung berufsbegleitend absolviert, können die Kosten zumindest teilweise steuerlich als Umschulung geltend gemacht werden.

Wer so viel Geld in eine Ausbildung investiert, der möchte hinterher auch positive Resultate bei der Jobsuche und beim Einkommen sehen. Michael Holy, Geschäftsführer der österreichischen Flugschule JA Flight Training GmbH, beurteilt die Berufsaussichten aus aktueller Perspektive durchaus als positiv: „Die Berufschancen sehen gut aus. Wobei es hier – wie bei allen anderen Jobs auch – auf das persönliche Engagement ankommt. Ist der Pilot örtlich flexibel, so erleichtert das die Suche nach einem Cockpit.“

 

Perspektiven offenhalten

„Die europäische Luftfahrt geht mit der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung einher. Optimistisch stimmen die Auftragsbestände der Flugzeughersteller.“ Weiters ergänzt Michael Holy, „dass neben der klassischen Airline-Karriere die Business Aviation (Geschäftsluftfahrt) sehr interessante Zukunftsaussichten bietet“.

Isabella Herl, verantwortlich für den Client Service & Student Support bei der Flugschule Sky Flight Academy und selbst Pilotin in Ausbildung, gibt gern Tipps bei der Jobsuche. Sie erklärt, „der falsche Ansatz wäre es zu sagen: ,Ich möchte eine bestimmte Flugzeugtype bei einer bestimmten Airline fliegen.‘ Man tut sich sicher leichter, über den nationalen Tellerrand hinauszublicken und sich für alle Möglichkeiten zu öffnen.“

Flugschulen bieten auch eine Vielzahl von Fortbildungen für Piloten an. Solche Trainings reichen von Sicherheitstrainings über die Weiterbildung zum Fluglehrer bis hin zur Kunstflugausbildung.

In der Flugschule JA Flight Training etwa wird die Brandbekämpfung an Bord in einem eigenen Simulator geübt, „andere Trainings zielen auf das richtige Verhalten bei Wasserlandungen oder anderen Notfällen ab“, erläutert Geschäftsführer Michael Holy.

Auf einen Blick

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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