Die heimische Kreativwirtschaft wächst: Laut Branchenbericht 2011 ist in den letzten fünf Jahren die Zahl der einschlägigen Unternehmen – dazu zählen unter anderem jene aus den Bereichen Design, Musik, Radio & TV, Software & Games, Video & Film sowie Werbung – um zehn Prozent gestiegen. Die Umsätze dieser Unternehmen stiegen im selben Zeitraum um 25 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Eine gute Nachricht für alle, die mit einem Job in dieser immer noch als unsicher“ kolportierten Branche geliebäugelt haben – oder es immer wieder tun, aber den Schritt noch nie wirklich gewagt haben.
Inhalte für User aufbereiten
Laut Josef Gründler, Studiengangsleiter des berufsbegleitenden Masterstudiums „Communication, Media and Interaction Design“ der Fachhochschule Joanneum, hat der Boom der letzten Jahren auch im Ausbildungssektor seine Spuren hinterlassen, das Angebot an einschlägigen Ausbildungen sei entsprechend groß und vielfältig. „Unser Studium ist kein künstlerisches, sondern ein angewandtes“, beschreibt er die Ausrichtung des viersemestrigen Masters, das mit einem einschlägigen Bachelorabschluss oder Diplom absolviert werden kann. Ein Drittel der Absolventen sei etwa in Unternehmen mit entsprechenden Abteilungen untergekommen, ein weiteres Drittel sei selbstständig als Kommunikations-, Medien- oder Interaktionsdesigner tätig. „Das restliche Drittel hat Agenturen gegründet“, so Gründler. „Die größte Herausforderung in der Kreativwirtschaft beziehungsweise für einen Designer „ist es, an wichtigen gesellschaftlichen Prozessen mitzuwirken“, erklärt Gründler. „Oft wird unter Design fälschlicherweise Behübschung verstanden. Dabei geht es darum, entscheidende Inhalte so zu transportieren, dass sie auch bei den Usern ankommen“, so der Studiengangsleiter.
Medienübergreifend
„Kreative müssen heute medienübergreifend denken und agieren können“, bringt Heidi Weber, Leiterin des von der Fachhochschule Vorarlberg angebotenen berufsbegleitenden Masterstudiengangs „InterMedia“, die wichtigste Anforderung auf den Punkt. Medienübergreifend sei auch ihr Studium ausgerichtet. Die drei Vertiefungen umschreibt Weber folgendermaßen: „Branding and Communication“ decke die klassische Agenturarbeit – sprich die Betreuung eines Unternehmens über alle Medien und Zielgruppen hinweg – ab, „3-D-Design und Visualisierung“ die Darstellung komplexer, mehrdimensionaler Inhalte und Prozesse. „Arts and Science“ richte sich wiederum an Querdenker und Analysten. Hier gehe es darum, in Projekten eigene Fragestellungen zu entwickeln und über mediale Projekte Lösungen zu suchen.
Freiheit mit Marketingdenken
An der FH Salzburg will man den Studierenden des berufsbegleitenden Masterstudiums „MultiMediaArt“ viele Freiheiten in der individuellen Schwerpunktsetzung bieten. Rund die Hälfte der Lehrveranstaltungen des viersemestrigen Curriculums kann sie selbst auswählen. So können die „Majors“ Mediendesign, Computeranimation, Film und Audio in zwei verschiedenen Varianten studiert werden – sprich als vertiefendes oder erweiterndes Studium. Das breite Spektrum an Themen, erklärt Studiengangsleiter Gerhard Blechinger, sei darauf zurückzuführen, dass es auch in der Medienbranche an den verschiedensten Punkten der Wertschöpfungskette Schnittstellen gebe. „Ein Dokumentarfilmer muss auch wissen, wie man das Internet für eine Kommunikationskampagne nutzt“,sagt er.
Internationale Orientierung
Denn der Boom der heimischen Kreativwirtschaft soll nicht vortäuschen, dass die Branche „easy going“ sei, so Weber. „Die Medienbranche ist hart, und die Verdienstmöglichkeiten sind vergleichsweise niedrig. „Einen Vorteil haben Absolventen, die einen Blick über den Tellerrand wagen und nach dem Studium ins Ausland gehen“, so Weber. In die gleiche Kerbe schlägt auch Gründler: „Die Absolventen müssen sich überregional orientieren. Schließlich produzieren wir mehr Absolventen, als wir unterbringen können.“ Der Experte will zwar nicht den Teufel auf die Wand malen, macht aber nach zehn boomenden Jahren gewisse Übersättigungsanzeichen in der Kreativbranche aus. Noch müsse sich allerdings keiner Sorgen machen, nach dem Studium bei der Jobsuche auf der Strecke zu bleiben. „Der Anteil unserer Absolventen, die nicht fachspezifisch arbeiten, liegt bei weniger als zwei Prozent“, sagt er.
Projekte: Lernen und gewinnen
Zahlreiche Projekte der Fachhochschulen – beziehungsweise ihrer Absolventen – im Kreativbereich sind daher schon im internationalen Bereich angesiedelt. Etwa der unter der Regie von Sebastian Frisch gedrehte Dokumentarfilm „Whisper down the Lane“. „Die aufwendig produzierte Abschlussarbeit transportiert ein soziales Anliegen, nämlich die Aids-Problematik in Kenia, ohne dabei belehrend zu sein“, so Blechinger. An der FH Vorarlberg haben Studierende Kommunikationskampagnen für das Kulturevent „KAZ – Kunst aus der Zeit“ entworfen. „Communication, Media and Interaction Design“ rühmt sich mit einer Absolventin, die in zwei Kategorien den renommierten deutschen „Red Dot Design Award“ gewonnen hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)
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