Wien/Red./Apa. Rund 46.000 Personen haben bisher von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich mit einer Bildungskarenz eine Auszeit von ihrem Beruf zu nehmen und weiterzubilden. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und die Obfrau des schwarzen Arbeiter- und Angestelltenbundes (ÖAAB), Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, (beide ÖVP) schlagen ein zusätzliches Modell vor, eine sogenannte „Teilbildungskarenz“, die bereits ab Anfang 2013 gelten soll.
Bei dieser Form der Bildungskarenz, die am Montag in der ÖVP-Bundesparteizentrale vorgestellt wurde, würden Arbeitnehmer die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeitszeit um die Hälfte zu reduzieren (bei Eltern mit Betreuungspflichten für Kinder bis zum siebenten Lebensjahr könnte sie bis auf 16 Stunden reduziert werden). Das Arbeitsmarktservice würde bei dem Modell das halbe individuelle Arbeitslosengeld dazuzahlen. Die beiden ÖVP-Regierungsmitglieder haben dabei speziell Beschäftigte mit geringerer Qualifikation im Auge, deren Risiko, wegen fehlender Bildung arbeitslos zu werden, höher ist.
Prüfung der Sinnhaftigkeit
Derzeit ist es nämlich so, dass hauptsächlich besser Qualifizierte die Gelegenheit zur Bildungskarenz nützen, Pflichtschulabsolventen kaum. Dahinter steht nach Ansicht der ÖVP die Sorge, dass Beschäftigte dem Betrieb nicht fernbleiben wollen, weil sie einen Jobverlust befürchten.
Derzeit wird nicht geprüft, ob die Bildungskarenz für Betroffene überhaupt sinnvoll und für den Arbeitsmarkt zweckmäßig ist. Das soll sich mit der neuen, von der ÖVP vorgeschlagenen Variante ändern, das AMS soll laut dem Plan evaluieren. Nur wenn die Zusatzausbildung sinnvoll ist, sollte das AMS die Kosten teilweise übernehmen, die Betroffenen müssten auch selbst zahlen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2012)
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