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Kein Wort über Politik, keines für Bestechung

17.08.2012 | 18:28 |  ANTONIA NAVAL (Die Presse)

Wer im Ausland wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss nicht nur die jeweilige Sprache, sondern auch das Unausgesprochene verstehen.

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Wer in Österreich einem Geschäftsfreund ein teures Geschenk macht, muss unter Umständen mit einem Termin bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft rechnen. Wer in China ohne passendes Geschenk bei einem potenziellen Geschäftspartner aufkreuzt, der bekommt vermutlich nicht einmal einen Gesprächstermin. Um außerhalb der Grenzen nicht in den Fettnapf zu treten, ist interkulturelles Know-how gefragt. Vermittelt wird dieses Wissen in Wirtschaftslehrgängen, in denen neben Buchhaltung und Finanzwissen auch interkulturelle Kommunikation und internationales Management gelehrt werden.

Einer dieser Lehrgänge wird vom Salzburger Institut für Management (IfM) im Rahmen des Executive MBA in General Management angeboten. Der MBA umfasst zwölf Pflicht- und drei Wahlmodule und kann vollzeit oder berufsbegleitend absolviert werden. Der Lehrgang „Intercultural Management“ ist dabei nicht verpflichtend, wird aber angerechnet. „Intercultural Management“ selbst besteht aus drei Modulen. In einem Modul geht es um Mergers & Acquisitions: Dabei werden unter anderem anhand von Fallstudien die Bereiche Strategie, Finanzierung und Personal bei Fusionen abgedeckt. Im Modul „Change Management“ geht es um Veränderungsprozesse in Unternehmen. Das Modul „Intercultural Management“ befasst sich mit den kulturellen Unterschieden in der Geschäftswelt.

„Kommunikation ist das Um und Auf jeder Begegnung“, sagt Iris Fischlmayr, Professorin für Internationales Management an der Johannes-Kepler-Universität in Linz, und für das interkulturelle Modul beim IfM verantwortlich.

 

Gestik, Mimik, Körpersprache

„Dabei geht es nicht nur um die Sprache, sondern auch um die nonverbale Ausdrucksweise, also Gesten, Mimik, Körpersprache und das kulturelle Verständnis“, erklärt Fischlmayr. So versteht man unter „Familie“ in Österreich und Deutschland zumeist Mutter, Vater, Kind(er) – die sogenannte „Kernfamilie“. In Afrika ist der Begriff oft wesentlich weiter gefasst und kann unter Umständen der halbe Stammesverband sein. Die Aufforderung „Bringen Sie Ihre Familie mit“ sollte man daher besser nur verwenden, wenn man weiß, wie der jeweilige Gesprächspartner das Wort „Familie“ versteht.

Die Module des IfM-Lehrganges sind berufsbegleitend und jeweils zweitägig. Sie können auch einzeln besucht werden. Für den Abschluss des gesamten Lehrganges ist eine Hausarbeit zu verfassen.

Wer berufsbegleitend sechs Semester an der Fachhochschule (FH) in Kufstein „Internationale Wirtschaft und Management“ studiert, darf sich anschließend „Bachelor of Arts in Business“ (B.A.) nennen. Absolventen sollten dann auch in die Kunst der kulturellen Feinheiten eingeweiht sein. Weltweite wirtschaftspolitische und kulturelle Entwicklungen werden ebenso im Studienplan berücksichtigt wie Psychologie, Recht und Business-Ethik. „Das Studium hat einen starken internationalen und multikulturellen Ansatz“, erklärt Sara Neubauer, Leiterin Studiengangsmanagement an der FH Kufstein. Zusätzlich zu den „Klassikern“ der Wirtschaftsausbildung Betriebswirtschaft, Finanzierung, Personalmanagement oder Marketing müssen die Studierenden neben Englisch auch eine zweite Fremdsprache absolvieren. Ob das Spanisch, Arabisch oder Chinesisch ist, entscheidet sich unter anderem nach den Präferenzen der Studierenden. „Wenn genug Interesse für eine Sprache vorhanden ist, dann kann sie angeboten werden“, sagt Neubauer. Interkulturelle Theorien stehen ebenso auf dem Lehrplan wie Module, die in englischer Sprache abgehalten werden. Auch eine zweiwöchige Studienreise ist im Studienplan verankert. Weltweit können die Studierenden dann am eigenen Leib die Unterschiede zwischen High-Context- und Low-Context-Kulturen kennenlernen.

Als Low-Context-Kultur wird etwa der deutschsprachige Raum bezeichnet. Hier gilt primär das gesprochene und geschriebene Wort, das Wirtschaften funktioniert auf einer sachlichen Ebene. Anders stellt sich die Situation in High-Context-Kulturen dar: Hier spielen auch andere Parameter eine Rolle, wie Stimmlage oder Gesten. Der Kontakt ist beziehungsorientiert. Bevor etwas schriftlich festgehalten wird, müssen die Geschäftspartner einander erst kennenlernen, als Beispiel für kontextorientierte Kulturen gilt der asiatische Raum.

„Die falsche Etikette kann Verwunderung auslösen und sich nachteilig auswirken“, weiß auch Professor Robert Pichler, Programmleiter des International MBA in Management & Communications an der FH Wien.

„So ist es auch von Land zu Land unterschiedlich, welche Themen für Small Talk geeignet sind“, erklärt der Experte. Während in Österreich etwa die Politik für kürzere Plaudereien durchaus üblich ist, „ist es in den USA nicht ratsam, das Thema Politik anzuschneiden“, erklärt Pichler. Der berufsbegleitende Lehrgang an der FH Wien dauert drei Semester. Zulassungsbedingungen gibt es keine, auch wenn ein Vorstudium empfohlen wird, so ist es keine Voraussetzung. Die Unterrichtssprachen sind Deutsch und Englisch und „der internationale Aspekt zieht sich durch alle Module“, betont Pichler. Controlling, Führungsverhalten, Finanzen stehen etwa im Curriculum ebenso wie persönliche Kompetenzen, Intercultural Communication und Spezialgebiete der Kommunikation. Maximal 15 Bewerber werden in das Programm der FH Wien aufgenommen, wer alle Prüfungen besteht und eine Masterthesis erfolgreich verfasst, darf sich anschließend „Master of Business Administration“ (MBA) nennen. Ein zweiwöchiger Aufenthalt an einer Partneruniversität in den USA ist an der FH Wien Teil des Programms. Aktuell waren die Studierenden an der University of Texas zu Gast.

 

Geschenke: „Do“ oder „Don't“?

Auch hier galt es, Landestypisches zu beachten. „In den USA fallen allzu wertvolle Geschenke an die Gastgeber in den Bereich der ,Don'ts'. Ein Bildband über Österreich ist als Gastgeschenk beim ersten Zusammentreffen akzeptabel, aber dieAnnahmeteurer Geschenkeist in den USA heikel“ sagt Pichler. Geschenke seien daher nicht ratsam. Ganz anders die Situation in China: „Für Korruption oder Bestechung gibt es im Chinesischen gar kein Wort. „Das wird Kommission, Provision oder auch Geschenk genannt“, so Fischlmayr.

Auf einen Blick

Das Wissen über Gepflogenheiten und Eigenheiten der jeweiligen Kultur ist für erfolgreiche Geschäfte im Ausland unabdingbar, besonders in sogenannten High-Context-Kulturen, bei denen die persönliche Beziehung Grundvoraussetzung für Vertragsabschlüsse ist und neben Gesprochenem und Geschriebenem Gesten, Stimmlage etc. sehr hohe Bedeutung haben.

Gelehrt wird dieses Wissen etwa im Rahmen von wirtschaftlichen Bachelor- oder MBA-Lehrgängen mit internationaler Ausrichtung als Teil des Lehrplans oder als Wahlfach.

Einige Beispiele:

• Executive MBA in General Management, IfM www.ifm.ac.at

• Internationale Wirtschaft und Management, FH Kufstein www.fh-kufstein.ac.at

• International MBA in Management & Communications, FH Wien

www.fh-wien.ac.at/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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1 Kommentare

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