Schreibhandwerk: Auf den Punkt gebracht

Im Job sind klare Informationen und überzeugende Botschaften auch in schriftlicher Form oft erfolgsentscheidend. Das digitale Zeitalter hat dem Schreiben nichts an Bedeutung und Schwierigkeit genommen.

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(c) Wodicka (Wodicka)

War es früher das berüchtigte leere Blatt Papier, so ist es heute das jungfräuliche Textverarbeitungsdokument am Computer. Am Problem selbst hat sich wenig geändert. Die ersten Worte wollen nicht gefunden werden, die Schreibhemmung nagt an Zeit und Nervenkostüm – das digitale Zeitalter hat dem Schreiben nichts an Bedeutung und Schwierigkeit genommen.

Dabei werden gut formulierte Texte immer wichtiger, und zwar in unterschiedlichsten Jobsituationen: Sei es, um Kunden zu gewinnen, Arbeitsabläufe zu beschleunigen, Teamkonflikte zu entschärfen oder um die eigene Fach- und Sozialkompetenz zu transportieren. Egal, ob bei Dienstleistern, Vertriebsmitarbeitern, Führungskräften oder Unternehmern – klare Informationen und überzeugende Botschaften sind nur allzu oft in schriftlicher Form gefragt, um beruflichen Erfolg zu unterstützen.

 

Internetpräsenz und Eigen-PR

„Beinahe alle Firmen, ob groß oder klein, präsentieren sich im Internet. Viele treten zusätzlich per Social Media an die Öffentlichkeit. Für den Umgang mit Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern braucht es Leute, die gerne, leicht, rasch und sprachlich anregend schriftlich kommunizieren können“, streicht Judith Wolfsberger, Leiterin, Gründerin und Trainerin des writers' studio, den Bedarf hervor.

Auch Selbstständige müssten sich der Herausforderung des Schreibens stellen. Wer seine Leistungen auf Print- oder Online-Ebene ersichtlich machen will, kann meist aus Kostengründen diese Aufgabe nicht an Werbetexter und PR-Agenturen auslagern. Für Selbstständige ist es zudem besonders wichtig, sich einen Ruf als Experten aufzubauen und das eigene Know-how zu publizieren, sich in fachspezifischen Foren kompetent zu Wort zu melden oder irgendwann sogar ein Buch über das eigene Wissen in die Welt zu bringen. „Schreibkompetenz ist gefragt – und sie kann vermittelt werden“, ist Wolfsberger überzeugt. In ihrem in Wien angesiedelten writers' studio bietet sie unterschiedliche Seminare zu beruflichem Schreiben an. Die Palette reicht von „Social Media Writing“ über „Journalistisches Schreiben für Nichtjournalisten“ bis hin zu „Sachbuch schreiben“ oder „Writing professional English“. Neben den Seminaren beginnt ab Herbst wieder der einjährige (Wochenend-)Lehrgang „Writing for your Profession“.

„Unser Fokus ist das freie Schreiben, das authentische Schreiben, das Freude macht und leicht geht. Schreiben ist ein Handwerk. Es geht darum, Wissen über Schreibprozesse zu erlangen und die Besonderheiten verschiedener Textsorten sowie Tricks des sprachlichen Feinschliffs kennen zu lernen“, so Wolfsberger, die früher zahlreiche Schreibseminare in den USA besucht und danach in Berlin eine Schreibtrainerausbildung absolviert hat.

„In so gut wie jedem Bürojob sind Writingskills gefragt. Besondere Bedeutung hat das Schreiben für alle Berufe rund um Kommunikation“, meint auch Claudia Riedmann, Leiterin der Schreibagentur in Wien. „In Zeiten von Social Media wird die Nachfrage nach gut aufbereiteter Information weiter steigen – von der Assistentin, die Texte für die Website schreiben soll, über den Vertriebler, der zündende Werbebriefe braucht, bis zur Führungskraft, die ihre Botschaften verständlich an die Mitarbeiter bringen möchte“, so Riedmann. Vermittelt werden in der Schreibagentur in erster Linie Grundlagen, die Antworten auf Fragen wie „Wie bringe ich meine Botschaft an die Leser?“, „Wie schaffe ich es, mich einfach auszudrücken und auf den Punkt zu kommen?“ oder „Wie bringe ich wieder frischen Wind in meine Texte?“ beantworten sollen. Darüber hinaus geht es um Know-how für PR-Texte in Form von Presseaussendungen und Newslettern. „Bei den Schreibschulungen arbeiten wir mit eigenen Texten der Teilnehmer oder mit Beispielen aus ihrem beruflichen Umfeld. Das erhöht die Motivation und die Nachhaltigkeit der Trainings. Wichtig für den Lernerfolg ist, dass die Teilnehmer das Wissen möglichst rasch in ihrem Bereich anwenden“, betont Riedmann, die auch Schreibcoachings anbietet, bei denen Kunden über Wochen oder Monate bei konkreten Schreibaufgaben individuell begleitet werden.

 

Sprachexperimente und Didaktik

Einen Schritt weiter geht der Lehrgang „Wiener Schreibpädagogik“, der innerhalb von zwei Jahren in sechs Kursen à 21 Unterrichtseinheiten abgehalten wird. Er wird seit 2006 vom Berufsverband Österreichischer Schreibpädagogen durchgeführt. „Die aufbauend konzipierten Kurse, die auch einzeln in Workshops besucht werden können, zeigen zunächst auf, was Sprache ist, wie man mitihr spielerisch und auch experimentierfreudig umgehen kann – ein wesentlicher Aspekt hinsichtlich von Schreibblockaden.Die Teilnehmenden gewinnen so Einblick in das Wesen der Sprache, in die Poetik, in einzelne literaturhistorische Zusammenhänge oder in die Interaktion von Sprache mit anderenMedien“, erklärt Lehrgangsleiterin Petra Ganglbauer.

Zu den Interessenten am Lehrgang der Wiener Schreibpädagogik gehören dabei nicht nur Personen, die ihr eigenes Schreiben professionalisieren möchten, sondern auch solche, die sich die Schreibpädagogik alsneues Berufsfeld erschließen, um eigenständig Schreibworkshops anbieten zu können. Eine dementsprechend große Rolle kommt in den Kursen neben ausführlichen Textanalysen einer methodisch-didaktischen Schiene zu.

Ziel für die Teilnehmer ist es, Souveränitäthinsichtlich des Umgangs mit Gruppen und Texten zu erlangen. „Die Schreibpädagogik-Ausbildung ist natürlich grundsätzlich für sich alleine sinnvoll. Sie lässt sich aber auch gut kombinieren mit kunsttherapeutischen Ausbildungen, Lebens- und Sozialberaterausbildungen oder diversenLiteraturakademie-Angeboten“, so Ganglbauer.

Schreibaufgaben

Was ist schlimmer als Tippfehler im Artikel? Ein Text, in dem die Fehler niemand findet, weil ihn keiner liest. Jedenfalls für Selbstständige und Unternehmen, die sich per Homepage präsentieren und Aufträge lukrieren möchten, können fade und unverständliche Zeilen das Geschäft merklich dämpfen. Aber auch im HR-Bereich und in der Projektarbeit steigen die Ansprüche. Wie man mit Textverantwortung richtig umgeht, versuchen daher immer mehr Anbieter in Seminaren und Schulungen zu vermitteln.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.writersstudio.at

www.schreibagentur.at

www.schreibpaedagogik.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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