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Achtung, Wortwechsel!

12.10.2012 | 18:36 |  CLAUDIA DARBINGER (Die Presse)

Miteinander zu sprechen ist einfach? Mitnichten – von Präsentation bis Krisenintervention sind Missverständnisse und Unklarheiten die häufigsten Fehlerquellen. Verschiedene Methoden können Abhilfe schaffen.

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Was ist „Pecha Kucha“? Ein Traum für viele, die unter langatmigen Vorträgen und Ausführungen zu leiden haben. Denn die „petscha kutscha“ ausgesprochene Kommunikationsform erlaubt genau 20 Power-Point-Folien mit je 20 Sekunden Sprechzeit dazu. Mehr als sechs Minuten 40 Sekunden sind also nicht drin.

 

Das Ziel ist der Weg

Was im Japanischen „wirres Geplauder“ bedeutet und auf den ersten Blick recht erheiternd wirkt, hat ernsthafte Hintergründe. Denn „Pecha Kucha erleichtert die Kommunikation durch eine verdichtete Struktur, die gleichzeitig Unterhaltung und Informationsfluss bietet“, sagt Antonius Greiner, Vorstand für Ausbildung am Europäischen Aus- und Fortbildungsinstitut für Kommunikation. Die Institution bietet gemeinsam mit der Universität Salzburg den Master-Lehrgang „Interpersonelle Kommunikation“ an, deren Absolventen sich Ende September bei einer Pecha-Kucha-Night präsentierten. „Diese Methode ist gut, wenn man sich über das zu erreichende Ziel klar ist und eine Möglichkeit sucht, Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt Greiner, auch Mitglied des Lehrgangsleitungsteams.

Im März 2013 startet die fünfte Auflage des fünfsemestrigen Uni-Lehrgangs, der mit einem „Master of Science in Interpersonal Communication“ abgeschlossen wird. Im Vermitteln von Kommunikation gehe es vor allem darum, „das Wasser, in dem jeder wie ein Fisch kommunikativ zu schwimmen scheint, bewusst und sichtbar zu machen“, erklärt Greiner. Wichtig sei das vor allem deshalb, weil der Mensch in immer flexibler werdenden Kontexten oft unsicher wird und nicht weiß, wie er sprachlich darauf reagieren soll. Deshalb arbeiten die Vortragenden des Lehrgangs auch viel mit Rollenspielen auf Basis des „echten Lebens“, werden irritiert, erfahren dann aber auch Reflexion und definierte Konzepte, wie sie mit solchen Situation umgehen können.

 

Ja zu etwas anderem

Mit dem Alltag werden auch die Teilnehmer am Trainerlehrgang in gewaltfreier Kommunikation konfrontiert. Jenseits der Seminarraum-Atmosphäre versammelt Lehrgangsleiterin Deborah Bellamy ihre Trainer-Azubis in einer gemeinsamen Unterkunft auf dem Land. Im gemeinsamen Alltag geht es um die tatsächlichen zwischenmenschlichen Begegnungen und Herausforderungen. Ähnliche Erfahrungen machen Teilnehmer bei einem Seminar eine Woche lang auf einem Segelboot: „Vor allem auf dem Wasser kommen oft Ängste hoch, vor dem Sturm etwa. Hier lernen die Teilnehmer ein gemeinsames achtsames Umgehen miteinander, aber auch die Fähigkeit, ihre Bedürfnisse klar auszudrücken.“ Und dazu gehört auch, gewaltfrei „Nein“ sagen zu lernen. Wie das geht? „Ein ,Nein‘ kann die Verbindung zwischen den Menschen kappen. Deshalb vermitteln wir, dass eine derartige Reaktion nicht persönlich zu nehmen ist und dass wir ,Ja‘ zu etwas anderem sagen“, erläutert Bellamy. Viele, die sich für diese Ausbildung entscheiden, kommen aus beruflichen Beweggründen, merken aber schnell, dass sich dieser Umgang mit Kommunikation auf ihr Privatleben auswirkt. Jeder zweite Teilnehmer ist Trainer oder Coach und will die gewaltfreie Kommunikation in seinen Arbeitsalltag integrieren. Aber auch Leute aus Kunst, Finanzwelt und Wirtschaft entscheiden sich für den Lehrgang. Oder zumindest für die Basisausbildung, die Bellamy unter anderem an der Fachhochschule Vorarlberg anbietet.

 

Gemischtes Doppel

Eine spezielle Methode, um Kommunikation zu vermitteln, hat auch das Internationale Zentrum für Kulturen und Sprachen (IKZS) entwickelt: das Interkultur-Tandem. Es ist Sprachenlernen und/oder Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Menschen unterschiedlicher Sozialisation und Herkunft und kommt im Lehrgang „Die Polizei in der Migrationsgesellschaft – Vom Umgang mit Vielfalt“ zum Einsatz. „Dabei lernen Beamte im direkten Kontakt mit Migranten und ehemaligen Flüchtlingen einen sensiblen Umgang miteinander. Es werden Paare mit je einem Polizisten und einem Migranten gebildet, die einander treffen, sich im Verlauf ihres Lernprozesses theoretisch und praktisch weiterbilden und ein Projekt entwickeln, durchführen und präsentieren“, schildert Susanna Gratzl, Projektleiterin am IZKS. Die Begegnungen brechen Verhaltensmuster auf und bauen in weiterer Folge Vorurteile ab. Oft stehen die Beamten im Alltag unter dem Eindruck negativer Erlebnisse mit Migranten, der Blickwinkel ist dadurch eingeschränkt. „Empathie, Ambiguitätstoleranz, Rollendistanz, kommunikatives Handeln, ohne dominant zu sein“, nennt Gratzl die Ausbildungsziele. Interkulturelle Kommunikation kann man aber auch als diplomierter „Akademischer Referent für Interkulturalität und Kommunikation“ erwerben. Der früher eigenständige Lehrgang geht im März 2013 in den Diplomlehrgang „Leben in der Migrationsgesellschaft“ über.

Klare Worte

Beruflich gefragt, persönlich interessant: Kommunikationstechniken fördern das Verständnis.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.izks.at

www.eak.at

www.gewaltfrei-debnpia.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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