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Lehrbetriebe leiden unter Machtkampf mit Schulen

14.10.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Der Wirtschaftsbund fordert mehr Berufsorientierung: Die Schulen würden versuchen, 15-Jährige "um jeden Preis" im Schulsystem zu halten. "Die Presse" hat vier junge Lehrlinge begleitet.

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Wien/Chs. „Karriere mit Lehre“ lautet der Slogan, mit dem junge Menschen für einen der rund 200 Lehrberufe in Österreich begeistert werden sollen. Die Realität ist freilich eine andere: Auf Lehre reimt sich in Österreich bis heute eher „Misere“ denn „Karriere“. Wer in Österreich eine Lehre wählt, tut das zu oft nicht deshalb, weil er sich tatsächlich für den Beruf interessiert – sondern weil er aus dem Schulsystem fällt. Zu viele Lehrlinge, so der bekannte Vorwurf der ausbildenden Unternehmen, verfügen nicht einmal über ausreichende Grundkompetenzen in Lesen und Schreiben. Und: Lehrabsolventen werden vom Arbeitsmarkt zwar großteils gut aufgenommen, die Chance auf Weiterbildung – etwa der Weg zu akademischer Bildung – ist jedoch schwierig.

Nachholbedarf besteht für Peter Haubner, Generalsekretär des ÖVP-Wirtschaftsbundes, vor allem bei der „Attraktivierung“ der Lehre. Das Problem dabei: Die 15-jährigen Jugendlichen seien heutzutage „heftig umkämpft“, so Haubner. „Schulen versuchen oft um jeden Preis, die Schüler zu halten.“ Auch, wenn so mancher vielleicht besser für eine Lehre denn für weiterführende Schulformen geeignet wäre. „Wenn Unternehmer nicht aktiv in die Schulen gehen und Jugendliche anwerben, haben sie da oft das Nachsehen“, so Haubner.

Tatsächlich ist die Durchlässigkeit des Systems gering. Wer eine AHS-Unterstufe besucht, der findet kaum mehr den Weg in einen Lehrberuf: Im Schuljahr 2010/2011 kamen 0,7 Prozent aller Lehrlinge aus der AHS-Unterstufe – demgegenüber stehen 36 Prozent, die zuvor eine Polytechnische Schule besuchten (Details siehe Grafiken).

 

Aufstiegschancen in der Branche

Haubner nimmt hier vor allem die Schulen in die Pflicht: „Die Berufsorientierung muss ausgebaut werden.“ Und zwar – so die Forderung des Wirtschaftsbundes – von derzeit 30 Stunden auf 60 Stunden. Zudem will Haubner flächendeckend Potenzialanalysen bei Schülern: „Wir müssen noch besser in die Stärken unserer Jugendlichen investieren.“ Wenn sich dabei herausstelle, dass jemand etwa handwerkliches Talent hat, könne man ihm gezielt die Vorteile eines Lehrberufs näherbringen – etwa mittels Schnupperlehre.

Auch brauche es in Österreich ein Umdenken, was den gesellschaftlichen Stellenwert von Fachkräften betrifft: „Wir müssen den Jugendlichen näherbringen, dass Facharbeiter nicht nur angesehen sind, sondern auch gut verdienen und in der Branche gute Aufstiegschancen haben.“ Immerhin seien 39 Prozent aller Führungspositionen in der Wirtschaft mit Lehrabsolventen besetzt.

Auch die Jobaussichten seien besser, als viele annehmen dürften: Laut Haubner werden in 52 Prozent aller Stellenanzeigen Arbeitskräfte mit Lehrabschluss gesucht; nur fünf Prozent der Stellenanzeigen richten sich an Akademiker. Diesen Herbst haben österreichweit rund 36.000 Lehrlinge – in zirka ebenso vielen Betrieben – ihre Ausbildung begonnen.

 

Mehr als 200 Lehrberufe

Wenig informiert sein dürften die Jugendlichen auch, was die Vielfalt des Arbeitsmarkts betrifft: Von 205 möglichen Lehrberufen nutzen die Jugendlichen nur zirka fünf Prozent. Die Spitzenreiter sind altbekannt: Bei den Männern sind die Lehrberufe Metalltechnik, Elektrotechnik und Kraftfahrzeugtechnik am beliebtesten. Die Mehrheit der Frauen lernen Einzelhandels-, Bürokauffrau oder Friseurin.

 

Am morgigen Dienstag findet zum sechsten Mal der „Tag der Lehre“ statt: Bei der Lehrberufsmesse im Wiener MAK informieren Ausbildungsunternehmen über das Lehrstellenangebot. Alle Infos unter: www.tag-der-lehre.at

Auf einen Blick

Der ÖVP-Wirtschaftsbund fordert eine Attraktivierung der Lehre. Vor allem die Schulen seien hier gefordert, sagt Generalsekretär Peter Haubner. Österreichweit absolvieren derzeit rund 120.000 Jugendliche in circa 36.000 Ausbildungsbetrieben eine Lehre. Zwei Drittel sind Männer. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

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Mehr aus dem Web

19 Kommentare

Man kann keinen zwingen.

Empfehlungen werden zumeist ignoriert.

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Irreleitung

Dass knapp 40% der Führungspositionen in der Wirtschaft mit früheren Lehrlingen besetzt sind, hat praktisch null Aussagekraft für die Aussichten der heutigen Lehrlinge auf einen Aufstieg. Diese Führungskräfte sind vor 30, 40 Jahren in den Beruf eingestiegen, die brachten andere Voraussetzungen mit und sind in einer Zeit aufgestiegen, als für Managementpositionen noch keine akademische Ausbildung gebraucht wurde. Wer heute ins System einsteigt, kommt ohne mindestens Bachelor und/oder DI nicht mehr hinauf.

1 0

wie lautet der Spruch...

lieber als doppel Dr. beim AMS, als bei -20 Grad auf der Baustelle.

Fehlersuche zum schlechten Image der Lehre

Ein wesentliches handicap der Lehre in Österreich ist die Öffentlichkeitsarbeit und Beratungsarbeit für die Lehre.
* Der Gewerkschaftschef der Tourismusbranche ist dadurch groß geworden, dass er von Beginn seiner Tätigkeit an die Lehrberufe seiner Gewerkschaft ständig öffentlich desavouiert hat. Das war sein Verständnis von Politik - jetzt wird er Arbeiterkammerpräsident.
* Unter den MedienarbeiterInnen gibt es praktisch kaum jemanden, der eine Lehre gemacht hat bzw. die großen Vorteile dieses Bildungsweges öffentlich darstellen will.
* Große Erfolge von Lehrlingen, wie der Medaillenregen bei Europa-Wettbewerben (soeben wieder einmal mit Medaillenregen für Österreich abgeschlossen) und Berufsweltmeisterschaften werden in Medien nur gegen ausreichende Finanzierung dargestellt.
* Wir sind auf unsere Jugend, die durch berufliches Können Spitzenleistungen erbringt, nicht stolz (vgl. etwa die Bayern oder die gesamte Schweiz). Wenn etwas zählt, dann sportliche Leistungen.
* Eingang in Presse und Rundfunk erhalten vor allem jene Lehrlinge, die kriminelle Taten begangen haben.
* Bildungs-PolitikerInnen haben sichtlich keine Ahnung, was sie mit dem System des Aussiebens der Besten für die "Höheren" Schulen (damit diese am ehesten bei sinkenden Schülerzahlen gefüllt sind ) anstellen. Sie unterschätzen die eigenen Lenkungseffekte, wenn sie nicht nach Eignung und Neigung beraten.
* usw, usw.

wunderbar

die Lehre ist dumm und anachronistisch, gehört abgeschafft und die Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr verlängert.
es gibt keinen Grund, warum man Jugendliche in Betriebe verheizt und dummen Chefs aussetzt. obwohl.. ist es in der Schule wirklich besser?

Antworten Gast: Mr.Manuel
03.11.2012 12:13
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Re: wunderbar

Es fällt mir auf, dass Sie immer und immer wieder den selben Senf zum Thema Lehre beigeben - wird das nicht langweilig? Haben Sie eine Lehre gemacht und wurden Sie dabei dermaßen unterdrückt??

Meiner Meinung nach benötigen wir gut ausgebildete Handwerker und Akademiker, um wirtschaftlich am Ball zu bleiben. Warum viele nur noch Akademiker haben wollen ist mir unklar - das richtige Verhältnis macht es aus.

Es gibt genug junge Menschen, die sich beim Lernen schwer tun aber sehr guter Arbeiter sind - warum soll man denen wertvolle Jahre ihres Lebens nehmen, indem man sie in eine Schule zwingt? Und außerdem: Wie soll man in einer Schule parktische Fertigkeiten erwerben - ist doch Nonsens!

Ich bin für eine Reformierung der Lehre und dafür, dass man hierzulande Arbeit wieder schätzt! Diese ganze Titelgeilheit und Verschulung stinkt zum Himmel! Außerdem sollten wir vom Maturawahn wieder runter kommen.

MfG

Antworten Gast: Leiderleider
15.10.2012 07:47
0 0

Re: wunderbar

ist Ihr nick wohl nicht ironisch gemeint.

Re: Re: wunderbar

und Ihre Antwort? sofern man diese als solche bezeichnen kann. (a.-ad-h.)

Antworten Antworten Antworten Gast: Leiderleider
15.10.2012 10:59
0 0

Re: Re: Re: wunderbar

mehr hat sich Ihr Auswurf nicht verdient.

Re: Re: Re: Re: wunderbar

ha ha ha ha, super. ich finde solche Antworten einfach genial. aber danke für die Beleidigung und Ihre Antworten sprechen für sich. da braucht man nicht mal einen Seitenhieb.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Leiderleider
15.10.2012 13:03
1 0

Re: Re: Re: Re: Re: wunderbar

Wer im Zusammenhang von Jugendlichen und betrieblicher Ausbildung von"verheizen" spricht, der hat schon genug Seitenhiebe verteilt.

An Dummheit ist Ihr Auswurf nicht mehr zu überbieten!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: wunderbar

Warum werden meine Antworten nicht freigeschalten?

Gast: Vernunftwende
14.10.2012 22:29
0 0

Warum führt man nicht generell ein 2jährige Lehre für Maturanten ein - ohne weitere Schulbesuchverpflichtung? Bei gewissen Lehrberufen gibt es da ja, oder nicht?


Re: Warum führt man nicht generell ein 2jährige Lehre für Maturanten ein - ohne weitere Schulbesuchverpflichtung? Bei gewissen Lehrberufen gibt es da ja, oder nicht?

weil es im österr bildungssystem seit maria theresia keine nenneswerten änderungen gegeben hat. vorne steht das personifizierte wissen und vermittelt den schülern mittels frontalunterricht fraktionen davon. allen gleichzeitig, unabhängig, wer wo wieweit ist.

dann wird der schmarrn abgeprüft, das ganze wird vom genie benotet und dann gibts das schicksalhafte papier, das ohne nennswerte beziehungen von mama und papa schon mal den weiteren lebensweg ordentlich beeinflussen kann.

^^

"Auf Lehrer! reimt sich in Österreich bis heute eher „Misere“ denn „Karriere“. "

Re: ^^

"Lehrer!" und "Misere" reimen sich gar nicht. Nicht einmal mit Rufzeichen.

Antworten Gast: Lektoraktuell
14.10.2012 21:43
1 0

Re: ^^

Thema verfehlt.

Gast: max_huber_III
14.10.2012 20:10
2 0

@ Vorposter

"Den Fakt ist, dass die Lehre in Kombination mit der Berufsreifeprüfung bereits heute sehr interessant ist"

Nur in der Kombination, wenn man nach der Berufsreifeprüfung eine FH-Ausbildung anstrebt!

Ich als BS Lehrer sehe jeden Tag, wie die HTL-Fachschulen die Schüler von einer Lehre abhalten. Nach der Fachschule bekommen, diese Jugendlichen keinen Job und werden in den Firmen als Lehrlinge eingestellt und müssen daher die Berufsschule nachholen. Sie steigen z.B. bei dem Lehrberuf Mechatroniker in der 2. oder 3. Klasse ein.

Welche Verschwendung von Lebenszeit und Potentialen - kurz MEGASINNLOS!

Also die Lehre ist gut, aber nur in Verbindung Berufsreifeprüfung + FH.


Gast: Berufsschullehrer
14.10.2012 19:42
1 0

Ich kann diese Einschätzung bestätigen

Wenn ich in den 1. Klassen mit meinen Schülern über Berufswahl und deren Vorbereitung spreche, sind das POLY & HS die einzigen Schultypen die hier Hilfestellungen und Informationen anbieten.

Von den anderen Schulsystemen konnte ich das bisher (bin im 15. Dienstjahr) noch nie feststellen.

Der Grund - Kampf um Schülerzahlen - liegt hier klar auf der Hand. Den Fakt ist, dass die Lehre in Kombination mit der Berufsreifeprüfung bereits heute sehr interessant ist.

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