Wien. Man macht sich schmutzig, schwitzt im Sommer, friert im Winter. Und man muss anpacken können – jeden Tag. Trotzdem hat sich Kerstin Rezny für eine Lehre als Elektroinstallationstechnikerin entschieden. Warum eigentlich? „Weil das die Zukunft ist. Der Bereich wird sicher einmal boomen“, meint sie. Da gibt ihr auch ihr Lehrherr recht: „Bald werden keine Jalousien mehr ohne Technik funktionieren – wie viele andere Bereiche im Haushalt“, meint Josef Witke. Gerade deswegen würden Haustechniker und auch -technikerinnen immer wichtiger werden.
Aber die guten Zukunftschancen im Technikbereich sind nicht der einzige Grund für Kerstins Berufswahl: Ihr wird niemals langweilig, denn es gibt jeden Tag etwas anderes und das irgendwo anders zu tun. Dass ein Bürojob im Trockenen nichts für Kerstin ist, hat sie schon früh gewusst: „Ich bin bei meinem Vater aufgewachsen, damit war ich schon einmal vorbelastet“, erzählt die 21-Jährige. Mit Werkzeugen habe sie schon als Kind zu tun gehabt. Und in der Schule habe sie durch den Physikunterricht gemerkt, wo ihre Interessen liegen. Die Ausbildung an der HTL hat sie dann allerdings abgebrochen – „Es war der falsche Bereich, irgendwann war dann das Interesse weg.“ Außerdem habe ihr der Praxisbezug zur Arbeit gefehlt. Durch ein Praktikum ist sie schließlich auf das Unternehmen von Josef Witke in Wien-Simmering gestoßen, das sich auf Video- und Alarmanlagen bis hin zu Glasfaser- und Netzwerktechnik spezialisiert hat. „Ich bin also eine Frau und Quereinsteigerin“, erzählt Kerstin, das sei doppelt ungewöhnlich.
Die Qualität muss stimmen
Lehrherr Witke hatte allerdings überhaupt keine Bedenken, eine Frau aufzunehmen. „Es ist allgemein schwer, einen guten Lehrling zu finden“, sagt er. Ob Frau oder Mann, sei ihm egal – solange die Qualität stimme. Außerdem bringe es auch Vorteile, eine weibliche Arbeitskraft im Betrieb zu haben: „Der Umgangston verändert sich dadurch.“ Und die Männer würden insgesamt mehr Rücksicht nehmen. ib
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)
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