24.05.2013 22:52 Merkliste 0

„Der Job als Friseurin war gar nichts für mich“

14.10.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Rauchfangkehrerin. Jenni (19) und Nadine (21) haben erst über Umwege ihren Traumjob gefunden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Es kommt nicht selten vor, dass Passanten auf der Straße Jenni und Nadine berühren wollen, wenn sie sie in Arbeitsmontur antreffen. Denn: Rauchfangkehrer bringen bekanntlich Glück. Dass es sich um einen weiblichen Rauchfangkehrer handelt, macht da keinen Unterschied. Wenn die beiden wegen der anstehenden Hauptkehrung an der Wohnungstüre läuten, würden die Leute allerdings schon regelmäßig verwundert reagieren, erzählen die zwei jungen Frauen.

Beide sind über Umwege zu ihrem heutigen Beruf gekommen. Jenni Fuchs hat zuvor schon eine Ausbildung zur Druck- und Medientechnikerin gemacht, aber anschließend keinen Job gefunden. Nachdem ihr Bruder ein Praktikum beim Rauchfangkehrerbetrieb Habacht gemacht hatte, riet er ihr, sich dort zu bewerben, das würde ihr sicher gut gefallen. „Und genau so war es“, sagt die 19-Jährige, die heuer ihr zweites Lehrjahr in der Firma Habacht in Wien Floridsdorf absolviert.

Nadine Parizek hat es vorher mit einer Lehre als Friseurin versucht, aber „das war einfach gar nichts für mich“, sagt die 21-Jährige. Was ihnen an ihrem Beruf als Rauchfangkehrerin so gut gefällt? „Wir sind viel im Freien, haben immer mit neuen Herausforderungen und neuen Leuten zu tun und sitzen nicht im Büro“, sagen die beiden. Und auch wenn ihnen das Stiegensteigen, extreme Temperaturen in den Dachböden oder schwere Eisendachluken manchmal zu schaffen machen – sie haben ihren Traumjob gefunden.


Mehr Infos an Schulen nötig

Beide sagen, dass sie sich gleich für diesen Job entschieden hätten, wenn sie ihre Möglichkeiten früher gekannt hätten. Es brauchte mehr Infos in der Schule – „und Frauen sollten sich einfach trauen, in Männerberufe zu gehen“, sagt Jenni. Auch ihr Chef, Christian Habacht, zweifelt nicht daran, dass Mädchen in diesem Beruf „anpacken“ und versucht, ihnen die Tätigkeit näherzubringen. Er ist mit seiner Firma jedes Jahr beim Wiener Töchtertag, einer Veranstaltung, bei der Mädchen in untypische Berufe hineinschnuppern können. thea

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Schlagzeilen Bildung