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Zusammen gewinnt man leichter

26.10.2012 | 18:47 |  von Alexia Weiss (Die Presse)

Mitarbeiter ergänzen einander im Idealfall, damit sich Synergieeffekte ergeben können. Wie das gelingen kann und und was der Teamleader wissen – oder lernen – sollte.

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Ob ein Team funktioniert und gut zusammenspielt oder nicht, das hat vor allem mit guter Führung zu tun. Die Aufgabe von Führungskräften besteht darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Gemeinschaftsleistung von höherer Qualität ist, als dies durch bloße Addition der Einzelbeiträge möglich wäre, sind sich Experten einig. Hernstein-Trainerin und -Beraterin Herta Fischer erklärt: „Wir sprechen dann von Teamvorteil, Synergieeffekt oder übersummativer Intelligenz.“

Schritt eins sei, die richtigen Leute zusammenzuführen. Valerie Höllinger, kaufmännische Geschäftsführerin des BFI Wien, plädiert hier dafür, „in den Recruiting-Prozess zu investieren“. Wer die besten Leute für sein Team wolle, müsse sich entsprechend Zeit nehmen. Die im Lebenslauf angegebene Fachqualifikation könne durch gezielte Fragen nach den Aufgabengebieten, der genauen Rolle und den Erfolgen des Bewerbers verifiziert werden. „Für das Bewerbungsgespräch sollte man mindestens eine Stunde einplanen, und Interessenten nicht zwischen zwei andere Meetings quetschen.“ „Kopfwissen“ rücke in einem solchen Gespräch in den Hintergrund. „Zum Erfassen eines Menschen, insbesondere, wenn es um Sympathie und die Einschätzung der künftigen Zusammenarbeit geht, hat sich ein gewisses Vertrauen in mein Bauchgefühl als hilfreich erwiesen.“

Am BFI versucht man, dies in verschiedenen Weiterbildungen zu fördern: Der Diplomlehrgang „Management- und Führungskompetenz“ widmet sich unter anderem auch dem Thema Teambilden. Wer gestrafftes Know-how tanken will, kann auch unter folgenden Seminaren wählen: „Rangdynamik für Führungskräfte“, „Teamkultur“ oder „Managing Diversity“.

 

„Wie ein Regisseur“

Der Trainer, Coach und Mediator Günther Reisel hält an der Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft (ARS) Seminare zum Thema „Gruppendynamisches Führen von Teams“. Wenn man ein neues Projektteam zusammenstellt, muss man auch auf die sozialen Beziehungen der Teilnehmer untereinander achten, betont er. „Ich werde Personen mit einander ergänzenden fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten nominieren, und auch der kreative Input darf nicht fehlen. Ich bestimme einen Projektleiter und kann hier ganz generell als Führungskraft beliebig die Rollen besetzen – wie ein Regisseur, der dem Drehbuch Leben verleihen möchte.“

Schwieriger ist es, wenn ein bestehendes Team nicht die Leistung erbringt, die man von ihm erwartet. Die Gründe dafür können vielschichtig sein, so Fischer: keine klaren oder einander widersprechende Ziele, keine Klarheit über Aufgabenverteilung und Entscheidungsspielräume, Konkurrenzspiele, Vertrauensverlust, Unsicherheit, Überlastung. Als Führungskraft muss man genau hinsehen: Was läuft im Team? Welche Dynamiken ergeben sich? In Einzelgesprächen mit den Teammitgliedern kann ausgelotet werden, wo das Problem liegt. In Meetings mit allen Beteiligten kann dies dann zum Thema gemacht werden. Ist die Situation sehr konfliktbelastet, rät Fischer, sich externe Unterstützung zu holen. Damit es gar nicht so weit kommt, kann man sich das Prozess-Know-how zur Steuerung von Gruppen am Hernstein Institut für Management und Leadership in den Trainings „Gruppendynamik I und II“ aneignen. „Führungskräfte lernen hier, Gruppenprozesse zu erkennen. Sie können erproben, wie man die Kommunikations- und Interaktionsprozesse in Teams so gestalten kann, dass es zu keinen Blockierungen kommt und die Kreativität aller Beteiligter für die Lösungsfindung genutzt werden kann“, so Fischer. Für Unternehmen gibt es das Angebot „Teamentwicklung“, um ein neu zusammengestelltes Team rasch arbeitsfähig zu machen oder in bestehenden die Performance zu erhöhen. Das Hernstein Institut bietet zudem das „Team-Monitor-Tool“, das bestehenden Arbeitsgruppen hilft, ihr Teamverhalten einzuschätzen und dann daraus einen Entwicklungsprozess abzuleiten.

 

Teamspirit: Zart und kraftvoll

Vorsicht ist dabei angesagt: „Ich halte es inzwischen für einen völligen Irrweg, wenn man versucht, Wir-Gefühl, Teamspirit, oder wie immer man das nennen mag, direkt zu erzeugen, indem man Menschen durch gemeinsame, außergewöhnliche Erfahrungen zusammenschweißen will“, meint der systemische Berater Erich Kolenaty, führender Kopf bei „Transformation Unternehmensentwicklung“. „Teamspirit ist etwas sehr Zartes und gleichzeitig sehr Kraftvolles. Er lässt sich jedenfalls nicht herbeitrainieren, sondern entsteht von selbst, wenn die Umstände es ermöglichen und die Zeit reif ist.“ Teambuilding und -entwicklung ist auch einer der Arbeitsschwerpunkte von Kolenaty. Bei seinen Trainings sieht er sich als Impulsgeber, der sich im Hintergrund hält. „Der Rest erledigt sich per Selbstorganisation, also mit der Energie der Menschen – vorausgesetzt, sie können Sinn und Zweck nachvollziehen.“

 

Authentizität erwünscht

Dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen, ist allerdings die Führungskraft verantwortlich. Für sie gibt es eine ganze Reihe von Dos und Don'ts in Sachen Führung. Authentizität gehört hier zu den Dos, verlautbarte Regeln selbst zu leben, alle Teammitglieder mit Respekt zu behandeln, ohne Blick auf Alter, Dienstzeiten, Ausbildung und Geschlecht, so Reisel. Die Liste der Don'ts ist ein Stück länger: Wenig persönliches Interesse zu zeigen gehört dazu, Absprachen nicht einzuhalten, keine Transparenz zu bieten, unklar zu kommunizieren, keine ehrliche Anerkennung zu zollen, sich von einzelnen Teammitgliedern gegen andere instrumentalisieren zu lassen.

Und oft ist weniger auch mehr. Höllinger beispielsweise setzt stark auf selbst organisierende Teams. „Wie locker man die Zügel lässt, ist von Fall zu Fall, von Team zu Team unterschiedlich und von den jeweils handelnden Mitarbeitern abhängig.“ Im Alltag stelle man fest, dass einzelne Mitarbeiter auch aufgrund früherer Berufserfahrungen weniger Vertrauen gewöhnt sind als andere und daher vielleicht etwas mehr in die Freiheit gedrängt werden müssen. Dabei solle man darauf achten, dass kein Gefühl des Alleingelassenwerdens aufkommt. „Gute Erfahrungen habe ich auch mit der Botschaft gemacht, dass meine Tür jederzeit offen steht. Und das nicht nur sprichwörtlich.“ Emotionen sollen übrigens auch erlaubt sein, meint Höllinger. Allerdings soll dabei weder die Arbeit aus den Augen gelassen noch jemand ausfällig werden. Und: Mitarbeiter sollten die Chance haben, aus Fehlern zu lernen und an Kritik zu wachsen.

 

Menschenkenntnis hilft

Beim Verständnis der Führungskräfte von Gruppendynamik, Führungskommunikation und bei ihrer Menschenkenntnis setzt Reisel, ARS, im Seminar „Gruppendynamisches Führen von Teams“ an. Zum Einsatz kommen bei dieser Weiterbildung auch Elemente des Neurolinguistischen Programmierens (NLP). Ist bei einem Team einmal eine positive Entwicklung eingeleitet, bietet Reisel ebenso Teambuilding-Workshops an, die die Mitglieder durch ein Gemeinschaftserlebnis einander näherbringen. Der Coach betont aber: „Solche Seminare sehe ich eher als Belohnung des gelebten Teamgeists.“

Auf einen Blick

BFI Wien: u.a. Diplomlehrgang „Management- und Führungskompetenz“, „Rangdynamik für Führungskräfte“, „Teamkultur“

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.bfi-wien.at

Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft (ARS): Seminar „Gruppendynamisches Führen von Teams“

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www.ars.at

Transformation Unternehmensentwicklung: Trainings zu Teambuilding

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www.transformation.at

Hernstein Institut für Management und Leadership: „Gruppendynamik I und II“ für Führungskräfte, „Teamentwicklung“, „Team-Monitor-Pool“

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.hernstein.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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