Dass in den heimischen Amtsstuben eine ruhige Kugel geschoben wird, ist ein verbreitetes Vorurteil, das laut Experten nur in Ausnahmefällen zutrifft. Vielmehr würde eine Vielzahl an Reformen – und der damit in der Regel verbundene Sparzwang – von den Beamten einiges abverlangen. Vor allem Führungskräfte wären gefordert, den Drahtseilakt zwischen knappen Ressourcen und optimalem Output zu meistern. Die dafür notwendigen Skills und Werkzeuge können sie sich auch in einer Reihe von einschlägigen Ausbildungen aneignen.
„Die Reformen und Einsparungen, die die öffentliche Verwaltung betreffen, nehmen in der Regel nur wenig Rücksicht auf bestehende Organisationen“, so Wolfgang Güttel, wissenschaftlicher Leiter der Limak Austrian Business School, zu einem grundlegenden Problem öffentlicher Körperschaften. Mehr noch als in der Privatwirtschaft wären daher Leadership-Skills gefragt, um mit den schwierigen Rahmenbedingungen klar zu kommen.
„Führungskräfte in der Verwaltung müssen heute strategisch und unternehmerisch denken können“, erklärt der Experte. So gelte es etwa, sich zu überlegen, mit welchen Strategien man seine Mitarbeiter in ihrer Entwicklung unterstützt, um diese besser einsetzen zu können. Er spricht von einem großen „Lern- und Reflexionsprozess“.
„Der Bedarf ist hoch“
Die gute Nachricht für alle in der öffentlichen Verwaltung tätigen Führungskräfte und solche, die es noch werden möchten: Es gibt bereits eigens auf diesen Bereich zugeschnittene Weiterbildungsmöglichkeiten, die von Güttel genannten Skills kann man durchaus lernen. Nicht wenige heimische Bildungseinrichtungen bieten dies an – dazu gehört unter anderem die Fachhochschule Campus Wien mit dem berufsbegleitenden Masterstudium „Public Management“.
„Der Bedarf ist auch hoch“, sagt Christine Leitner, Leiterin des Centers for European Public Administration der Donau-Universität Krems. Die Weiterbildungseinrichtung bietet derzeit den Lehrgang „Verwaltungsmanager“ an. Das zwei Semester dauernde – und laut Leitner – „gut gehende“ Programm, sei stark auf Kommunen zugeschnitten. Zu den Teilnehmern würden überwiegend niederösterreichische Kommunalbedienstete zählen.
Zunehmende Vernetzung
Zu den großen Herausforderungen für die Mitarbeiter kommunaler Verwaltungen zählt die Expertin neben Modernisierungs- und Veränderungsprozessen wie der Zusammenlegung von Kommunen vor allem die europäische Integration. „Wir erleben eine zunehmende Vernetzung der öffentlichen Verwaltung“, sagt sie. Das gelte auch für die europäische Ebene.
Wichtig sei es daher, zu verstehen, wie Entscheidungen in Europa zustande kommen. „Nur wer das tut, kann auch auf den Entscheidungsprozess aktiv Einfluss nehmen“, erklärt Leitner. In diesem Zusammenhang sei nicht zuletzt auch einiges an interkultureller Kompetenz gefragt. Laut Leitner verfügten Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung früher in der Regel über rechtliche Ausbildungen. „Heute sind darüber hinaus auch wirtschaftliches Wissen und Skills gefragt“, bestätigt sie. In die gleiche Kerbe schlägt auch Martin Stieger, Studienleiter an der World Wide Education (WWEDU).
Die Fernuniversität mit Sitz in Wels hat mit dem „Master of Public Administration“ (MPA) und dem Expertenlehrgang „Akademisches Verwaltungsmanagement“ zwei einschlägige Ausbildungen im Programm. Besonders beliebt sei der MPA: Von den rund 3200Absolventen, die die virtuelle Universität bislang hervorgebracht hat, hätten rund zehn Prozent den Masterlehrgang erfolgreich abgeschlossen. Stieger ist guter Dinge, dass das auch in Zukunft der Fall sein wird. Der Hintergrund: Der Akkreditierungsantrag als Privat-Uni ist derzeit im Gange.
Man versuche, die Ausbildungsinhalte auch mit politischem Wissen aufzuwerten, bestätigt Stieger. Aktuelle Inhalte fließen permanent in das Lehrprogramm ein. Derzeit beschäftige man sich etwa stark mit dem Thema Gemeindeautonomie – sprich, der schwierigen Situation der österreichischen Kommunen und wie deren Finanzierung sichergestellt werden kann. Dazu hat Stieger beispielsweise, ebenso wie andere Lektoren der WWEDU, einen Beitrag für das aktuelle Buch des Linzer Fachhochschulprofessors Friedrich Klug, „Wahrung und Stärkung der Gemeindeautonomie“, verfasst.
Inhouse-Programm
Das Limak-Programm „MPM Public Management“ wird derzeit ausschließlich als Inhouse-Programm angeboten und ist dementsprechend stark auf die jeweiligen Kunden zugeschnitten, wie etwa auf die Führungskräfte von Gebietskrankenkassen. Das Grundgerüst der Ausbildung bilden im Wesentlichen die vier Säulen „Führung, Team, Organisation sowie Change“.
„Wenn man als Führungskraft andere dazu bringen möchte, Veränderungen anzunehmen, so muss man mit gutem Beispiel vorangehen“, meint Güttel zur zuletzt genannten Säule. Viel Wert lege man auf erfahrungsorientiertes Lernen, weshalb auch die maximale Teilnehmerzahl auf 25 begrenzt sei und sich somit die Studierenden stärker einbringen können. „Je höher die Partizipation der Teilnehmer, desto größer ist auch der Lerntransfer“, sagt er.
Besonders gute Erfahrungen habe man damit gemacht, einen Teil der Ausbildung zu öffnen – sprich, mehrere Führungskräfte aus unterschiedlichen öffentlichen Verwaltungskörpern zusammenzubringen. So werde letztlich auch der Austausch und das Networking der Teilnehmer untereinander gefördert.
An der Donau-Uni Krems kann man den Lehrgang „Verwaltungsmanager“ sowie den „Master of Public Administration“ absolvieren.
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Der „Master of Public Management (MPM)“ wird von der Limak als Inhouse-Programm angeboten.
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Die Fern-Uni WWEDU bietet den „Master of Public Administration“.
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Der Master „Public Management“ ist an der FH Campus Wien möglich.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)
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