Wirtschaftskrisen erfordern bekanntlich Sparen und Investieren zugleich. Diesen Spagat zu bewältigen ist auch im Weiterbildungsbereich herausfordernd. Zwar hat es unbestritten Sinn, seine Ressourcen gerade während der Rezession in einen hochkarätigen Lehrgang oder MBA zu stecken, um sich in besseren Zeiten wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche zu erheben. Neben knappen Zeitressourcen spricht aber vor allem das Budget bisweilen strikt dagegen – bei Privatpersonen ebenso wie bei Unternehmen.
Bescheidenheit ist eine Zier...
Ein Ausweg können Stipendien sein, die nicht nur von Stiftungen, Unternehmen oder Tageszeitungen, wie etwa „Die Presse“, angeboten werden (wir berichten laufend), sondern auch von den Anbietern teurer Studienprogramme selbst immer wieder ausgelobt werden. Mit etwas Glück und einer überzeugend professionellen Bewerbung kann man auf diesem Weg eine wesentliche Senkung der Studiengebühren erreichen und so vielleicht auch sein Unternehmen überzeugen, in ein MBA-Programm zu investieren. Die verbleibenden Gebühren können nämlich ohne Problem steuerlich als Werbekosten (bei Arbeitnehmern) oder Betriebsausgaben (bei Unternehmern) geltend gemacht werden.
Etliche Stipendien vergibt alljährlich die WU Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien. Im MBA-Bereich sind zum Beispiel Teilstipendien für den Executive MBA sowie für Professional MBA-Lehrgänge vorgesehen. Die Stipendien sind ganzjährig ausgeschrieben und stehen Bewerbern aller Nationalitäten offen. Bis zu maximal 50 Prozent der Teilnahmegebühr können ersetzt werden.
Eine Stipendienkommission entscheidet über die Höhe. Die genaue Anzahl richtet sich nach Qualität und Zahl der Bewerber. Sie sei jedenfalls nicht davon abhängig, ob Kursprogramme ohnehin mit regulär zahlenden Bewerbern gefüllt werden können, sagt Geschäftsführerin Astrid Kleinhanns-Rollé. „Wir hatten immer im Hinterkopf, High Potentials eine international anerkannte Ausbildung zu ermöglichen, die sie sich vielleicht allein nicht hätten leisten können. Im Vordergrund steht aber immer die Qualität der Bewerber. Sie lassen ihre umfassende Berufserfahrung, ihren kulturellen und Branchenhintergrund in unsere Programme einfließen und tragen so genauso zur Qualität wie unsere Vortragenden oder die Inhalte unserer Curricula bei.“
An der WU Executive Academy gibt es exklusiv für Interessenten aus CEE-Ländern (dazu zählen nicht nur Ost- und Südosteuropa, sondern auch das Baltikum, Mittelasien und die Kaukasusrepubliken) die Möglichkeit, sich um ein CEE-Stipendium zu bewerben. Diese Stipendien betreffen alle englischsprachigen Professional-MBA-Spezialisierungen. Auch hier entscheidet eine Stipendienkommission über den Erlass von maximal der Hälfte der Teilnahmegebühr. Details zu allen Stipendien der WU Executive Academy sind ab dem Frühjahr auf der Website der Business School zu finden.
...doch einen MBA macht man nicht mit ihr
Interessenten aus dem CEE-Raum gewährt auch das Controller-Institut ein Stipendium für das Programm „Professional MBA Controlling“. Als wichtigste Plattform für die österreichische Controlling- und Finance-Community setzt sich das Institut seit jeher für die Weiterentwicklung des Berufsbildes „Controller“ ein und fördert deshalb Forschung und Lehre in diesem Fachgebiet. „Im Sinne einer internationalen Vernetzung bieten wir daher Personen aus dem CEE-Raum die Möglichkeit, in Österreich eine Ausbildung auf internationalem Niveau zu machen“, sagt Michaela Sramek vom Controller-Institut. „Firmen mit Headquarter in Österreich und Niederlassungen im CEE-Raum setzen bei den Mitarbeitern eine Ausbildung auf hohem internationalen Niveau voraus.“ Der Professional MBA Controlling wurde vom Controller Institut entwickelt und wird seit mehr als zehn Jahren gemeinsam mit der WU Executive Academy veranstaltet.
Innovative Ansätze, soziale Erwägungen
Erstmals loben die Limak Austrian Business School und Clusterland Oberösterreich ein Teilstipendium im Wert von 9450 Euro für das neue MBA-Programm „Innovation Management 2.0“ aus. Das Programm richtet sich speziell an Führungskräfte und Experten, die mit Innovationsthemen betraut sind. Über die Vergabe des Stipendiums entscheidet die Studiengangsleitung, bestehend aus der akademischen Leitung und dem Programmmanagement. Doch welche Kriterien sind dabei ausschlaggebend? „Die Motivation und der zu erwartende Beitrag in der Teilnehmergruppe sind sicherlich von zentraler Bedeutung neben der Ausbildung und dem beruflichen Werdegang im Gesamtpaket“, sagt Studiengangsleiterin Martina Engelpuzeder. „Unter anderem wird auch darauf geachtet, dass die Inhalte des Programms dem Bewerber und/oder dem Arbeitgeber unmittelbaren hohen Nutzen bringen.“ Ende der Bewerbungsfrist ist der 10. Jänner 2013.
Besonders attraktiv in puncto Kostenersparnis ist auch ein Stipendium, das das Salzburger IfM (Institut für Management GmbH) alljährlich für seinen Executive MBA in General Management vergibt: 80 Prozent der Kosten werden hier abgedeckt. „Das IfM möchte durch dieses Bildungsstipendium junge oder künftige Führungskräfte auf ihrem Karriereweg unterstützen. Sofern es keine Förderung vom Arbeitgeber gibt“, sagt IfM-Geschäftsführer Wolfgang Reiger.
„In besonderen Ausnahmefällen können auch private Umstände zu einem Stipendium berechtigen. Zum Beispiel: Eine junge Akademikerin gibt ihren Job auf, um ihren Vater in den letzten Lebensmonaten zu begleiten. Der MBA-Abschluss hilft ihr, wieder einen Job zu finden. Kriterien sind darüber hinaus ein abgeschlossenes Studium, hohe Eigenmotivation, zielorientierte Einstellung verbunden mit Ehrgeiz und Wissensdurst sowie gutes Selbst- und Zeitmanagement“, erzählt Reiger.
Immer aktuell: Frauenförderung
Als Premiere plant das Institut für Management für 2013 ein Stipendium speziell für weibliche Nachwuchsführungskräfte und Unternehmerinnen. „Aus diesen Gruppen ist der Anteil an MBA-Studierenden sehr gering. Das IfM möchte hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Wir möchten Frauen ermuntern und ermutigen, in ihre persönliche Weiterentwicklung zu investieren. Für Frauen mit Kindern ist neben dem finanziellen Aufwand der zeitliche Aufwand noch ein sehr großer Knackpunkt. Hier ist insbesonders das MBA-Programm am IfM durch den modularen und flexiblen Aufbau, die individuellen Prüfungstermine und die intensive Unterstützung durch Dozenten und das IfM-Team dazu geeignet, um Beruf, Familie und Studium erfolgreich unter einen Hut zu bringen.“
So viel soziales Denken bei einer Business School löst auch hier die Frage aus, ob sich hinter Stipendien nicht auch ein verdeckter Schleuderpreis verbergen kann. „Die Stipendien stellen eine besondere Möglichkeit zum Programmbesuch dar“, stellt Reiger klar. „Das IfM hält seit mehreren Jahren seine Lehrgangsgebühren unverändert und sieht daher auch keine Notwendigkeit zu Preisnachlässen. Wir versuchen, über Teilzahlungsbeträge unseren Teilnehmern entgegenzukommen.“
WU Executive Academy,
Executive MBA General Management, Professional MBA, www.executiveacademy.at
Controller-Institut,
Professional MBA Controlling, www.controller-institut.at
IfM, Executive MBA General Management, www.ifm.ac
Limak, MBA Innovation Management 2.0, www.limak.at/mbainnovation
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)
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