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Reden, um zu ├╝berzeugen

21.12.2012 | 16:33 | Von Antonia Naval (DiePresse.com)

Klare Worte statt um den Brei herumzureden: Die Kunst des Redens kann erlernt werden. Rhetorik- und Kommunikationsseminare helfen dabei.

Es gibt sie viel zu häufig: Meetings, in denen viel geredet, aber nichts gesagt wird. Auch Ansprachen und Sonntagsreden lassen die Zuhörer oft mit der Frage zurück: „Was wollte er/sie jetzt eigentlich sagen?“ Dabei zählte sie schon früh zum guten Ton: Die Rhetorik, die Kunst des Redens, war bei den Griechen und Römern hoch im Kurs. Sogar philosophiert wurde darüber. Wer heute die Kunst des Redens erlernen will, trifft auf ein breites Angebot an Kursen und Schulungen.

Charisma und Stimme


Rund ein halbes Jahr lang lernen und trainieren die Teilnehmer der „Rhetorik-Akademie“ des Wifi die Kunst des Redens und Präsentierens. In mehreren Bundesländern, unter anderem in Wien, der Steiermark oder in Vorarlberg bietet das Wifi die Rhetorik-Akademie an. Sie umfasst neun Module, die abends und samstags abgehalten werden. Der Inhalt reicht von kommunikativen Grundlagen der Rhetorik über Präsentationstechniken bis hin zu Charisma-Training, bei dem Raumarbeit, Körperarbeit und Präsenztraining einfließen. Am Ende der Akademie steht eine Abschlusspräsentation auf dem Lehrplan. „Im Rahmen des Abschlussmoduls halten die Teilnehmer vor einer Jury eine selbst erstellte Präsentation zu einem frei gewählten Thema“, erklärt Wolfgang Pappler, Lehrgangsleiter der Rhetorik-Akademie am Wifi in Wien. Für Pappler ist Rhetorik „die Kunst, Bilder im Kopf des Kommunikationspartners entstehen zu lassen“. Und er ergänzt: „Wir wissen heute, dass 55 Prozent der Information über Mimik und Körpersprache transportiert werden. 38 Prozent über die Stimme und nur sieben Prozent über das gesprochene Wort. Daher ist es umso wichtiger, all diese Bereiche einzeln und gezielt zu trainieren.“ Wer seine Ideen authentisch und überzeugend präsentieren kann, kann auch andere dafür begeistern.

„Authentizität“ ist auch für Dolf Maurer, Geschäftsführer der Sprecher-Akademie, das Um und Auf beim Thema Rhetorik. Standen in früheren Kursen meist simple „Dos and Don'ts“ – wie die richtige Haltung – im Vordergrund der Seminare, so gelte es heute, die Stärken jeder einzelnen Persönlichkeit zu unterstreichen, damit sie beim Reden möglichst „natürlich“ wirkt. Bei den Kursen, die von der Sprecher-Akademie angeboten werden, steht das praktische Üben immer im Vordergrund. Beim Rhetorik-Seminar „Ihr Auftritt“ (Modul vier) geht es in erster Linie um selbstsicheres Auftreten: bei Firmenfeiern, Bühnenauftritten oder Moderationen. Das Seminar wird als Blockveranstaltung angeboten.

Seminar für „Vielsprecher“


Um das Sprechen selbst geht es bei Kursen der Sprecher-Akademie, die sich über mehrere Wochen erstrecken. Denn dabei müssen die Teilnehmer auch (außerhalb der abendlichen Trainingszeiten) üben. „Atem und Stimme“ (Modul fünf) hilft den Teilnehmern, die Sprecheffizienz zu verbessern. Das Seminar eignet sich für alle „Vielsprecher“, also Lehrer, Trainer, Reiseführer oder Politiker. Ziel ist es, die Leichtigkeit beim Sprechen zu fördern, um die Konzentration auf Inhalt und persönlichen Ausdruck zu ermöglichen. Trainiert werden die rund zehn Teilnehmer von ausgebildeten Schauspielern. Neben stimmschonendem Sprechen und Atemtechnik umfasst der Kurs auch Stresstraining und das authentische Einsetzen der eigenen Stimme. Das Seminar „Sprechtechnik“ (Modul eins) richtet sich an alle, die eine klare, dialektfreie und natürliche Aussprache erwerben wollen. Das Einmaleins der Sprechtechnik nach Theodor Siebs steht hier auf dem Programm. Siebs vereinheitlichte die Sprache für Schauspieler, damit diese im gesamten deutschen Sprachraum arbeiten konnten. Diese „Hochlautzunge“ ist auch gültig für Radio und TV im deutschsprachigen Raum. „Viele Menschen haben eine umfassende Fachkompetenz, sind aber oft ungeschickt in der Formulierung“, weiß Maurer. Sprech- und Rhetorikseminare können dabei helfen, die eigenen Anliegen und Ideen an den Mann zu bringen.

Typgerecht kommunizieren


Unter dem Titel „Erfolgreich kommunizieren nach dem PCM-Modell“ lehrt Sonja Rauschütz, nicht nur die eigenen Gedanken richtig auszudrücken, sondern auch das Gegenüber typengerecht anzusprechen. PCM steht für „Prozess-Kommunikations-Modell“, stammt aus den USA und ist ein „Kommunikations- und Managementtool der Verhaltenstheorie“, erklärt Rauschütz. Dabei geht es darum „typengerecht“ zu kommunizieren. Sechs Typen werden bei PCM unterschieden: Logiker, Beharrer, Empathiker, Rebellen, Macher und Träumer – jeder Typ kommuniziert anders. „Rebellen muss man spielerisch ansprechen“, nennt Rauschütz ein Beispiel. Macher hingegen reagiert auf Schlüsselwörter wie „Risiko“ oder „Gewinn“. „Kommunikation findet dann effizient statt, wenn man den richtigen Kanal hat.“ Vor Beginn des Seminars wird daher für alle Teilnehmer eine Architektur ihrer Persönlichkeit erstellt; im Seminar selbst wird dann geübt zu erkennen, auf „welcher Frequenz“ das Gegenüber ist und wie man ihn daher am besten anspricht. Auch Stressmanagement ist Teil des Seminars. Wer gestresst ist, kann nicht mehr klar denken, und in stressigen Situationen reden die Menschen oft aneinander vorbei. Daher ist es wichtig, bei anderen Stress zu erkennen – zu wissen, wie man dem Gegenüber aus der Situation heraushelfen kann, aber auch zu lernen „wie ich mich selbst aus dem Stress raushalte, mich nicht anstecken lasse“, sagt Rauschütz. Und auch Selbstmanagement spielt eine Rolle. „Was brauche ich, damit ich gut kommunizieren kann“, nennt Rauschütz einen weiteren Punkt. Zwei Tage lang dauert das Seminar, das vom Business Circle in Wien angeboten wird. Selbstbewusstes Auftreten, eine gepflegte Sprache, eine geübte Stimme und überzeugende Körpersprache sind erlernbar – speziell hier gilt allerdings: Übung macht den Meister.


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