Controlling: Trittsicher auf dem globalen Parkett

11.01.2013 | 15:49 |  Von Erika Pichler (Die Presse)

Von der Buchhaltung zur Unternehmenssteuerung: International gültige Zertifikate können nun in Österreich erworben werden.

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In Zeiten steigender Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt erweist sich der schriftliche Nachweis beruflicher Zusatzqualifikationen als überaus hilfreich. Bewegen sich Firmen ausschließlich auf dem heimischen oder mitteleuropäischen Markt, reichen in der Regel nationale Zertifikate. Bewirbt man sich bei global agierenden Unternehmen, ist es vorteilhafter, wenn man international gültige Nachweise wie beispielsweise Cambridge-Zertifikate für Englisch, CFA für Banker oder CPA für Wirtschaftsprüfer vorlegen kann.

CMA nun auch in Österreich


Eine für Österreich neue Möglichkeit internationaler Zertifizierung bietet künftig das Controller-Institut an: „Es handelt sich um den Abschluss zum Certified Management Accountant (CMA), der in englischer Sprache angeboten wird und für den wir letztes Jahr eine Partnerschaft mit dem Institute of Management Accountants (IMA) eingegangen sind, der größten amerikanischen Vereinigung für Weiterbildung im Bereich Management Accounting. Dafür haben wir eigens ein Österreich-Chapter der IMA gegründet“, berichtet Geschäftsführer Christian Kreuzer. Der österreichischen Weiterbildungsplattform für die Bereiche Controlling, Accounting und Finance, die neben zahlreichen Seminaren seit 30 Jahren auch einen Lehrgang zum „Certified Controller“ anbietet, wurde es damit möglich, ihr Programm mit Vorbereitungskursen für die CMA-Zertifizierung zu erweitern.

Die „amerikanische Zertifizierung“ dürfte in erster Linie für Controller infrage kommen, die in international tätigen Konzernen arbeiten. So seien etwa in Indien, China oder Russland CMA-Zertifizierungen bereits sehr gängig, sagt Kreuzer, der eine Nachfrage in Österreich nach der neuen Zertifizierung als durchaus „realistisch“ ansieht. Schließlich werde für die hierzulande große Gruppe der klassischen Mittelstandsbetriebe das Certified Management Accountant Program nur dann interessant, wenn sie internationalisieren, also Töchter in anderen Ländern gründen. Außerdem könnten aufgrund der formalen Bestimmungen des CMA ausschließlich Akademiker, mindestens mit Bachelor-Grad, für diese Qualifizierung zugelassen werden.

Hoher Lernaufwand


Auch Englisch als Unterrichtssprache kann sich für manche Controller als Hürde erweisen und nicht zuletzt dürfte die Spezifik der amerikanischen Zertifizierungskultur für viele gewöhnungsbedürftig sein. Der Kurs, den das Controller-Institut anbietet, dient nicht – wie sonst üblich – der Erarbeitung des Lernstoffs, sondern ausschließlich der Vorbereitung auf die Prüfung, einen Multiple-Choice-Test mit hohen Drop-out-Raten.
„Für die CMA-Prüfung müssen die Teilnehmer schon vor dem Kurs hunderte Seiten Material selbstständig lernen. Man rechnet dabei mit mindestens 200 Stunden Lernaufwand, also zum Beispiel zwei Monate lang mit mehreren Stunden täglich. Der Kurs selbst dient dann nur noch der Vorbereitung auf die Prüfung“, erläutert Kreuzer.

In zwei mal drei Kurstagen geben die Referenten einen Überblick über alle wesentlichen Prüfungsbereiche und fokussieren dabei auf Problemlösungstechniken und Prüfungsfragen. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf konkrete Prüfungs-Skills gelegt, um die Fähigkeit zu schulen, unter Zeitdruck komplexe Multiple-Choice-Fragen zu lösen. „Die Prüfungen werden zu weltweit einheitlichen Terminen an zertifizierten Testzentren, zum Beispiel auch in Wien, abgelegt. Man hat dabei vier Stunden Zeit, das bedeutet ungefähr eine Minute pro Frage“, sagt Kreuzer. Der Termin des ersten Vorbereitungskurses soll, in Absprache mit den ersten Teilnehmern, Ende Jänner festgelegt werden.

Lehrgang wird überarbeitet


Auch die Donau-Universität Krems, die seit zweieinhalb Jahren einen einsemestrigen Zertifikatslehrgang zum „Certified Controller“ anbietet (außerdem das aufbauende Masterstudium „Controlling and Financial Leadership“ und den MBA „Business Controlling“), möchte in Zukunft einen internationalen Schwerpunkt setzen. „Eine Zertifizierung nach einheitlichen, übernationalen Kriterien ist auf jeden Fall erstrebenswert“, sagt Lehrgangsleiterin Eva Krczal. „Die Donau-Universität Krems hat sowohl mit der internationalen Akkreditierung von Lehrgängen als auch mit der Vorbereitung der Studierenden auf Zertifizierungen, wie zum Beispiel zum Projekt- oder Prozessmanager, gute Erfahrungen gemacht. Auch was die Controlling-Lehrgänge betrifft, befinden wir uns gerade in der Vorbereitungsphase zur Akkreditierung beziehungsweise zur Abstimmung des Programmes mit der Zertifizierung zum internationalen CMA.“

Der Lehrgang „Certified Controller“, der derzeit mit einem Zertifikat der Donau-Uni abgeschlossen wird, umfasst sieben Wochenendmodule und bezieht sich inhaltlich vor allem auf operatives Controlling und Social Skills. „Studierende wählen den Zertifikatslehrgang, weil sie im Bereich des operativen Controllings ihre Fachkompetenzen vertiefen und professionalisieren wollen, und weil sie sich die Möglichkeit offenlassen möchten, später mit einem Masterstudium weiter zu studieren“, sagt Krczal.
Der Lehrgang zeichne sich zum einen durch einen hohen Selbststudienanteil, zum anderen durch relativ komplexe Fallstudien aus. Die Leistungskontrollen finden in Form von Hausarbeiten, schriftlichen Prüfungen und Multiple-Choice-Tests statt. Jede Kontrolle bezieht sich auf die jeweilige Lehrveranstaltung, eine Abschlussprüfung gibt es nicht. Der nächste Lehrgang „Certified Controller“ startet im Oktober 2013.

Neue Controlling-Akademie


Bereits im April dieses Jahres startet erstmals eine neue Controlling-Weiterbildung der Akademie für Recht und Steuern (ARS). „Executive Training Controlling und Unternehmenssteuerung“ lautet der Name des Akademielehrgangs, der auf dem Basisprogramm des Instituts Controlling-Akademie aufbaut. Das Executive-Training wurde in Kooperation mit dem Institut für Accounting, Controlling and Auditing der Hochschule St. Gallen mit vier Kernmodulen und einer individuellen Schwerpunktsetzung konzipiert.

„Die neue ARS Controlling-Akademie richtet sich primär an bereits ausgebildete Teilnehmer zur Festigung und Vertiefung von spezifischem Wissen. Ganz besonders an dieser Akademie ist ihre inhaltliche Ausrichtung an den individuellen Problemstellungen der einzelnen Teilnehmer, die im Rahmen der Akademie vom Teilnehmer selbst sowie von weiteren Experten intensiv bearbeitet werden. Im Vordergrund stehen demnach das Anwenden von Wissen sowie die Analyse und Beurteilung von Fällen“, erklärt Mag. Philipp Matzka, ARS-Controlling-Experte und verantwortlicher Referent des neuen Controlling-Lehrgangs.

Lösungsansätze entwickeln


Zu Beginn werden Frage- und Problemstellungen aus dem eigenen beruflichen Umfeld mit Experten diskutiert und daraus, entsprechend den persönlichen Anforderungen, vier individuelle Schwerpunktthemen festgelegt. Am Ende des Trainings sollen für jeden Teilnehmer neue Lösungsansätze für die Praxis entwickelt werden. Die Kernmodule erfordern einen zeitlichen Aufwand von vier Tagen. Dazu kommen noch mindestens vier weitere aus dem Programm frei wählbare Tagesseminare für Spezialisierungsmodule.

Auch hier wird vorerst noch kein externes oder gar internationales Zertifikat vergeben. „Die Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft ist mit dem Cert-NÖ der Donau-Universität Krems ein zertifizierter Anbieter von Aus- und Weiterbildungen. Jeder Teilnehmer von Seminaren, Tagungen und Akademien erhält ein ARS-Zertifikat ausgestellt“, sagt Sprecherin Marlene Six. „Spezifische Zertifizierungen für das Controlling-Angebot werden an der ARS derzeit noch nicht vergeben.“ Aber auch das soll folgen.

Zertifikate-Anbieter
Controller-Institut
▷ Certified Controller
▷ Certified Management Accountant (CMA)
www.controller-institut.at

Donau-Universität Krems
▷ Certified Controller www.donau-uni.ac.at

Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft (ARS)
▷ Controlling-Akademie
▷ Akademie „Executive Training Controlling und Unternehmenssteuerung“
www.ars.at

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.controlling.univie.ac.at

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