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Energie: „Grünes Gewissen reicht nicht“

18.01.2013 | 17:44 | Von Patrick Baldia und Daniela Mathis (DiePresse.com)

2020 sollen EU-weit 20 Prozent aus alternativen Quellen stammen. Interdisziplinäres Wissen zur Bereit- und Umstellung sowie neue Sparmodelle sind gefragt.

Die großen Konzerne gründen eigene Abteilungen, die kleinen Unternehmen suchen Experten – oder lernen selbst dazu: „Für immer mehr Firmen wird erneuerbare Energie zu einem wichtigen Thema, zu einer Weichenstellung für die Zukunft“, sagt Hubert Fechner, Leiter des Masterstudiums „Erneuerbare urbane Energiesysteme“ der Fachhochschule Technikum Wien. Insgesamt gebe es zahlreiche Chancen, sich zu spezialisieren oder neue Produktsparten zu eröffnen. „Ein wesentlicher Wissensfaktor ist es, die Potenziale erkennen zu können, die sich aus der Situation ergeben“, meint er. Nachsatz: „Es bedarf kluger Köpfe, die die Energiewende begleiten.“

Ökologische Zusammenhänge kennen


Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Karriere ist für Fechner das umfassende Verständnis für die allgemeine Energiesituation sowie für die dahinter stehenden technologischen Aspekte. Genau das sollen seine Studenten auch mit auf den Weg bekommen. Während im Bachelorstudium ein Fokus auf die Technologie gelegt werde, gehe es im Masterstudium um die systemische Integration des zuvor Gelernten. „Die Studenten beschäftigen sich unter anderem mit Energiepolitik, wirtschaftlichen Barrieren oder der gesamtökologischen Bewertung der einzelnen Energieträger“, erklärt Fechner.

Ähnlich breit angelegt wie „Erneuerbare urbane Energiesysteme“ ist der Masterstudiengang „Öko-Energietechnik“ der Fachhochschule Oberösterreich. Konkret beschäftigen sich die Studiengangsteilnehmer mit der Nutzung und Optimierung umweltfreundlicher Energie in Anlagen und Gebäuden. Schwerpunkte werden bei den Themen Solartechnik und Gebäudeoptimierung gesetzt. „Die Studenten müssen das dahinter stehende System verstehen“, begründet der Studiengangsleiter Peter Zeller die breite Aufstellung der „grundsätzlich technischen Ausbildung“. So breit wie das Studium angelegt sei, sei auch das künftige Betätigungsfeld der Absolventen.

Energieexpertise: Zahlreiche Berufsbilder


Wie Zeller erklärt, entsteht mit der dynamischen Entwicklung eine Vielzahl an neuen Berufsbildern – nicht zwangsläufig nur in der Energiebranche. Er verweist darauf, dass viele Unternehmen und öffentliche Körperschaften mittlerweile Energiemanager und -beauftragte beschäftigen. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, Einsparpotenziale aufzuspüren und wahrzunehmen, ebenso die Integration von erneuerbaren Energiequellen sicherzustellen. Oft ist nämlich der Umstieg beziehungsweise die Nutzung von grüner Energie auch mit erheblichen Einsparpotenzialen verbunden. „Das ist bekanntlich immer ein schlagendes Argument, um ein grünes Gewissen zu entwickeln“, bemerkt Zeller.
Mit effizientem Energietransport und Einsparungsmodellen in Sachen Verkehr und Logistik beschäftigt sich der Masterstudiengang „Energy and Transport Management“ der Fachhochschule Joanneum. In vier Semestern werden Energieerzeugung und -verteilung, der Betrieb von Eisenbahnen, Autobahnen und Verkehrsunternehmen und die Zusammenhänge von Umweltplanung und Energieverbrauch vermittelt. Laut Studiengangsleiter Michael Bobik wurden auch auf letzterem Gebiet in der Vergangenheit erhebliche Fehler gemacht. Die Verwirklichung des Traums vom eigenen Haus im Grünen geschehe oft auf Kosten der Energieeffizienz. „Dadurch benötigt jeder ein Auto“, sagt er. Gefragt wären intelligente Städte oder Siedlungen mit „energieeffizient gebauten Reihenhäusern, die eine gute Verbindung an das öffentliche Verkehrsnetz aufweisen. Dadurch kann der CO2-Ausstoß erheblich reduziert werden“, so Bobik. Die Vorträge werden in Blockform angeboten, so dass es auch Nichtstudenten möglich ist, diese in Kursform – mit Gebühr – einzeln zu besuchen.

Grenzüberschreitend zu denken und zu handeln ist auch Thema des Weiterbildungslehrgangs „Renewable Energy in CEE“ des Continuing Education Center der TU Wien. In Kooperation mit dem Energiepark Bruck/Leitha, der Universität Mosonmagyaróvár (Ungarn) und des Energy Centre Bratislava werden die technischen und wirtschaftlichen Schwerpunkte in Ländermodulen absolviert. Alternative Energieerzeugung, Bereitstellung und Einbindung ins Energiesystem, Sparmodelle und rechtliches Know-how werden in vier berufsbegleitenden Semestern vermittelt. Energie, so Lehrgangsleiter Reinhard Haas, kenne nun einmal keine Ländergrenzen.



WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.technikum-wien.at,
www.fhooe.ac.at,
www.fh-joanneum.ac.at,
www.cec.tuwien.ac.at,
www.fh-burgenland.ac.at


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