Robotik: Der mechanische Gehilfe lernt dazu

In modernen Produktionsanlagen sind sie längst selbstverständlich. Nun beginnen Roboter, sich auch außerhalb von Fabriken nützlich zu machen.

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Roboter werden menschlicher. Wie der „Hobbit“ der TU-Wien, der im Haus der Barmherzigkeit getestet wurde, sollen mechanische Helfer in Zukunft auch im Pflegebereich eingesetzt werden. – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Kommen die Roboter noch – oder sind sie längst da?“ Hinweise auf die Beantwortung dieser Frage gibt es derzeit für die Besucher der Ausstellung „Roboter. Maschine und Mensch?“ im Technischen Museum Wien. Im Fokus stehen Geschichte, aktuelle Trends und Visionen der Robotik, jenes geheimnisvollen Begriffs, den 1942 der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov geprägt hat. Mittlerweile ist aus Science-Fiction längst Realität geworden. Der moderne Arbeitsalltag wurde in den letzten Jahrzehnten bereits von Industrierobotern erobert. In Zukunft sollen mit Intelligenz „beseelte“ Maschinen auch den Lebensalltag mitgestalten. „In der Robotik zeichnet sich ein deutlicher Trend ab. Zusätzlich zu den klassischen Industrierobotern, die in vollautomatischen Fertigungen ihren Dienst verrichten, werden vermehrt Serviceroboter zum Einsatz kommen. Diese neue Generation der Roboter wird eine höhere Komplexität aufweisen, damit aber auch signifikant flexiblere Aufgaben erfüllen können“, meint Wilfried Kubinger, Experte für Serviceroboter an der FH Technikum Wien.

 

Roboter außerhalb der Fabriken

Dem Einsatz von Robotern außerhalb von Fabrikhallen werden große kommerzielle Aussichten prognostiziert. In ihrer jüngsten Erhebung rechnet die International Federation of Robotics damit, dass in den nächsten drei Jahren ein Umsatzwachstum des Marktes von 3,6 auf 16,3 Milliarden US-Dollar zu erwarten ist. Roboter werden bald nicht mehr bloß Autos montieren, sondern auch vollautomatisch den Rasen mähen und Haushaltsaufgabe selbstständig übernehmen. Und sie sollen helfen, die Probleme alternder Gesellschaften aufzufangen, ein effizienteres Management der Energieressourcen ermöglichen und insgesamt für eine höhere Lebensqualität in den zukünftigen Megacities sorgen.

In der Industrierobotik dringen Serviceroboter beispielsweise in den Flugzeugbau vor und bekommen ganz allgemein die Fähigkeit, sich im Raum zurechtzufinden und Ziele kollisionsfrei anzusteuern. „Ein interessanter Gegenstand der aktuellen Forschung ist die Miniaturisierung von Robotern, etwa bei Flugrobotern, die in den sich rasant entwickelnden Bereich der mobilen Robotik fallen, oder von kleinsten mechanischen Strukturen, die die unmittelbare Verbindung in die Mikrotechnik herstellen“, so Franz Geiger, Hochschullehrer für Automatisierungstechnik an der FH Vorarlberg.

So vielschichtig die als Schlüsseltechnologie des dritten Jahrtausends gehandelte Robotik mit ihren Teilgebieten der Informatik (insbesondere der künstlichen Intelligenz), der Elektrotechnik und des Maschinenbaus ist, so wachsend sind die Ansprüche an Experten. Eine Ausbildungsmöglichkeit bietet der Bachelorstudiengang Mechatronik/Robotik an der FH Technikum Wien. „Bei den Grundlagen beginnend werden den Studierenden alle nötigen Kenntnisse in den Bereichen Mechanik, Elektronik, Informatik, Sensorik, Prozessorik und Aktorik vermittelt. Labors, in denen die Studierenden an Projekten arbeiten sowie ein Berufspraktikum sorgen für Praxisnähe. Das Studium wird durch Wirtschaftsfächer, Soft Skills und Englisch abgerundet“, erläutert Studiengangsleiter Kubinger. Im gleichnamigen Masterstudium werden die Grundlagen vertieft und durch Forschungs- und Entwicklungsmethoden, Unternehmensführung und komplexere Anwendungsbeispiele ergänzt. An der FH Vorarlberg sind der Robotik im Bachelorstudium Mechatronik zwei Lehrveranstaltungen und im Masterstudium eine eigene Spezialisierung (Robotics and Control und Applied Robotics) gewidmet.

 

Haushaltsroboter absehbar

„Allein in Vorarlberg befassen sich viele produzierende Unternehmen mit Robotik. Der österreichweite und internationale Bedarf an qualifizierten Mechatronikern mit Robotik-Fachkenntnissen wird mit Sicherheit immer größer“, erläutert Mechatronik-Programmdirektor Johannes Steinschaden und sieht gute Perspektiven. Von besten Berufsaussichten für Robotiker ist auch Kubinger überzeugt: „Die zunehmende Flexibilisierung der Fertigung, der steigende Einsatz von Servicerobotern in der Industrie und auch die absehbare Einführung von Haushaltsrobotern erhöhen die Nachfrage nach einschlägigen Experten stetig.“

Auf einen Blick

FH-Studien mit Bezug zur Robotik

•FH Technikum Wien: Mechatronik/Robotik, Bachelor Vollzeit, Master Vollzeit und berufsbegleitend.www.technikum-wien.at

•FH Vorarlberg: Mechatronik, Bachelor und Master, beide Vollzeit. www.fhv.at

•Johannes-Kepler-Universität Linz: Mechatronik, Bachelor und Master. www.mechatronik.jku.at

•FH Oberösterreich Campus Wels: Mechatronik/Wirtschaft, Diplomstudium auslaufend, seit 2012 Bachelorstudium, ab Herbst 2013 auch Masterstudium, beide berufsbegleitend. www.fh-ooe.at

•Management Center Innsbruck (MCI): Bachelor Mechatronik (Studienzweige Maschinenbau, Elektrotechnik),Vollzeit und berufsbegleitend, Master Mechatronics – Mechanical Engineering, Vollzeit und berufsbegleitend. www.mci.edu

Weiters finden Lehrveranstaltungen und Forschung auf dem Gebiet der Robotik an den Technischen Universitäten statt:

•Institut für Mechanik und Mechatronik an der TU Wien. www.mec.tuwien.ac.at

•Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik (ACIN) an der TU Wien. www.acin.tuwien.ac.at

Bachelor und Master Maschinenbau an der TU Graz. http://portal.tugraz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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