Ernsthaft unternehmungslustig

26.04.2013 | 18:26 |  DANIELA MATHIS (Die Presse)

Jeder ist ein Künstler? Das war einmal. Heute ist unternehmerisches Denken angesagt. Doch was ist das genau? Lässt es sich lernen? Und wie?

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Er weht durch Büros und Fabriken, sorgt in den Chefetagen für immer frischeren Wind und wirbelt auch in altehrwürdigen Hallen des Wissens einigen Staub auf: Der Unternehmergeist soll zunehmend alle Arbeitsbereiche durchdringen.

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Während früher nicht einmal Firmenchefs permanent auf den Mix aus Risikobereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Geschäftssinn und Kreativität setzten, wird diese Einstellung zunehmend auch von Angestellten oder nicht gewinnorientierten Institutionen wie öffentlichen Universitäten oder NPOs erwartet. „Eigentlich eine schöne Sache, denn wer sinnvoll und selbstverantwortlich agieren kann, ist weit weniger Burn-out-gefährdet als ein reiner Befehlsempfänger“, meint Thomas Wala, frischgebackener Institutsleiter für Unternehmensführung an der FH Wien der WKW. „Zudem ähnelt der Tätigkeitsbereich vieler auch einer Art Miniunternehmung, wie etwa bei großen Projekten. Hier ist Intrapreneurship, also das unternehmerische Denken einzelner Mitarbeiter, sicher von Vorteil.“ Andererseits „gibt es auch Menschen, denen das Entrepreneurship-Gen einfach fehlt. Nicht jeder wird damit geboren.“

 

Wahrer Unternehmergeist

Wer sich für das Unternehmertum interessiere, habe jedenfalls schon gute Voraussetzungen. Und was macht ihn zum einem perfekten Unternehmer? „Ein Entrepreneur zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass er Eigenverantwortung zeigt und die Kunst beherrscht, bei Entscheidungen rationale und emotionale Aspekte zu verknüpfen“, definiert Anton Zeiner von der Donau-Universität Krems den zeitgemäßen Unternehmer. „Und natürlich muss er die technischen Tools kreativ nutzen können.“ Für Sabine Köszegi gehören „Entrepreneurship und Innovation untrennbar zusammen. Innovation ist ohne unternehmerisches Denken nicht möglich, unternehmerischer Erfolg ohne Raum für Kreativität ebenso wenig“, so die Professorin, die den MBA Entrepreneurship und Innovation der TU und WU Wien mitgestaltet. Thomas Wala nennt „positives Selbstbild, proaktives Herangehen an Herausforderungen und das Denken über die aktuelle Geschäftstätigkeit hinaus, kombiniert mit profunder Marktkenntnis und einer innovativen Idee“, als Rüstzeug. Und nennt sogleich ein simples Beispiel: „Ein Konditor, der nicht nur hervorragende Süßwaren fertigt, sondern sich auf Geburtstagstortenformen nach Wunsch spezialisiert hat. Wer etwa eine Rolex möchte, bekommt eine – in Kuchenform.“

 

Wer bin ich? Gut? Und gut genug?

Neben dem Glück, eine Marktlücke entdeckt zu haben, gehört dazu aber eine Menge Vorbereitung. Neben dem betriebswirtschaftlichen Handwerkszeug – Erstellen von Businessplänen, Controlling und Finance, Marketing und Management – ist die Persönlichkeitsbildung in allen Aus- und Weiterbildungen ein wichtiger Punkt. „Unternehmer haben große Verantwortung“, bringt es Köszegi auf den Punkt. „Nur wer sich selbst gut führen kann, seine Stärken und Schwächen kennt, der kann auch im Umgang mit Mitarbeitern oder Geschäftsideen auf diese Eigenschaften setzen.“ In Sachen Ethik und CSR (ressourcenschonende und soziale Nachhaltigkeit) setzt der WU/TU-MBA auf Teambuilding mit Zusatznutzen – die Studenten erarbeiten gemeinsam ein soziales Projekt. Derzeit wird das Curriculum adaptiert. An der FH Wien der WKW werden die Bachelorstudenten im sechsten Semester „Unternehmensführung – Entrepreneurship“ zu einschlägigen Ringvorlesungen geschickt. An der Donau-Universität wird den Studenten des MBA Entrepreneurship & Innovation Management in Rollenmodellen die große Bedeutung klargelegt. Zeiner: „Wer gründet, macht das erst einmal im kleinen Stil. Da kann es sich niemand leisten, schlechte Nachrede zu riskieren, indem Mitarbeiter oder Umwelt schlecht behandelt werden oder die Finanzierung fahrlässig gehandhabt wird.“ Im Kremser MBA ist auch ein Coaching für die Gründungsphase vorgesehen, „damit neben den theoretischen Case Studies auch an den tatsächlichen Ideen der Studenten erarbeitet werden kann, wie ein vager Gedanke zu einem Geschäftsmodell werden kann“, so Zeiner.

 

Gründen im Team

Der Umgang mit der eigenen Verantwortlichkeit zeigt sich derzeit vermehrt schon beim Gründen. „Immer mehr Leute tun sich zusammen, um sich mit ihren Stärken zu ergänzen und auch, um das unternehmerische Risiko nicht allein tragen zu müssen“, so Köszegi. Vor allem stellt Crowdfunding eine neue Finanzierungsform dar, um in Zeiten von Basel III das notwendige Startkapital vorweisen zu können. Ein weiterer Trend im Entrepreneurship ist das Nutzen der neuen Medien für Marketingstrategien oder Open Innovation (Austausch, Nutzung und gemeinsame Entwicklung von Ideen). Wala: „Die Herausforderungen mögen sich ändern, eines bleibt immer gleich. Ein Entrepreneur muss auch lernen, wie man richtig scheitert. Denn Unternehmertum heißt lebenslanges Lernen – on the Job.“

Auswahl an Aus- und Weiterbildungen

•Bachelor Unternehmensführung– Entrepreneurship, (sechs Semester, Vollzeit/berufsbegleitend, Deutsch oder Englisch)
•Master Unternehmensführung – Executive Management (vier Semester, berufsbegleitend, überwiegend Deutsch), Studiengebühren: 363,36 Euro pro Semester + ÖH-Beitrag, FH Wien der WKW, www.fh-wien.ac.at

•Professional MBA Entrepreneurship & Innovation, drei Semester in Modulen, 30.000 Euro, Programmsprache: Englisch, TU und WU Wien, www.tu-wu.innovation.at

•Danube Professional MBA Entrepreneurship & Innovation Management, vier Semester/elf Module, 23.900 Euro
•Advanced Business Planer, zwei Semester/vier Module, 6900 Euro, Programmsprachen: Deutsch und Englisch, Donau-Universität Krems, www.donau-uni.ac.at

WEITERE MÖGLICHKEITEN:

www.fh-krems.ac.at

www.fh-kufstein.ac.at, www.fhwn.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

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