Biomedizin: Ursachenforschung im menschlichen Genom

03.05.2013 | 18:15 |  VN PATRICK BALDIA (Die Presse)

Analytik und Informatik liefern Grundlagen, um Krankheiten zu verstehen und zu heilen.

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In der Biomedizin hat es in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte gegeben: Vor allem bei Krankheiten, bei denen genetische Faktoren eine Rolle spielen. Bereits jetzt ist es möglich, Behandlungen auf den jeweiligen Genotypen eines Patienten abzustimmen. Experten gehen davon aus, dass in naher Zukunft weitere wichtige Erkenntnisse folgen werden. Neben den heimischen Universitäten bieten auch FH interessante Studien rund um das Thema Biomedizin an.

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„Die Biomedizin beschäftigt sich nicht nur mit den Erscheinungen einer Krankheit, sondern geht der Ursache auf den Grund“, sagt Karin Pröll, Studiengangsleiterin des Masterstudiums Biomedizinische Informatik der FH Oberösterreich. Dazu gehört, die DNA eines Menschen zu analysieren und die Gene zu identifizieren, die Krankheiten verursachen. Aufgabe der Bioinformatik – gemeinsam mit der medizinischen Informatik einer der wesentlichen Inhalte des Studiums – sei es, die bei Experimenten anfallenden Daten zu erfassen und zu analysieren.

 

Erst Analytik, dann Informatik

Den Input für die Bioinformatik liefert wiederum die biomedizinische Analytik – einer Disziplin, in der Monika Riederer, Leiterin des gleichnamigen Bachelorstudiengangs der FH Joanneum, vor allem zwei wichtige Themen im Aufwind sieht: molekulare Techniken und die Massenspektrometrie. Beide würden bereits jetzt in sämtliche Fächer ihres Studiengangs einfließen. „Mit einer künftig stark steigenden Tendenz.“ Zu den molekularen Techniken zählt die Expertin etwa die molekularbiologische Diagnostik, mit deren Hilfe man Bakterien, Viren oder auch Tumorzellen anhand ihrer Erbsubstanz identifizieren kann. „In Zukunft werden molekulare Techniken vor allem in der personalisierten Medizin Anwendung finden“, so Riederer. Etwa beim Next Generation Sequencing – einer Methode, die zwar noch sehr teuer sei, aber in ein paar Jahren flächendeckend einsetzbar sein sollte. Damit werden etwa auf bestimmte Genotypen abgestimmte Leukämietherapien möglich. Auch könnten Personen mit seltenen Varianten bestimmter Enzyme eigens auf sie zugeschnittene Medikamente erhalten.

 

Diagnose durch Ausatmen

„Bei der Massenspektrometrie geht es wiederum darum, bestimmte Moleküle zu identifizieren – etwa in der Atemluft“, erklärt Riederer. „So sollte es möglich werden, Tumore oder Bakterieninfektionen der Lunge zu diagnostizieren oder andere systemische Biomarker zu bestimmen.“

Laut Pröll kommen laufend neue Geräte auf den Markt, die immer größere Datenmengen immer schneller analysieren. Mit diesen und anderen medizinischen Geräten beschäftigen sich die Studenten des Masterstudiums Biomedical Engineering Sciences der FH Technikum Wien, das Lehrgangsleiter Stefan Sauermann als „klassisches Medizintechnikstudium“ beschreibt. Ein zweiter Schwerpunkt des Masterstudiums ist die medizinische Informatik. „Hier ist ELGA das Kernthema“, sagt Sauermann. Die elektronische Gesundheitsakte wird bekanntlich in den nächsten Jahren in Österreich eingeführt (siehe Artikel rechts).

Die Absolventen sind laut Sauermann in vielfältigen Jobs an der Schnittstelle von Technik und Medizin tätig. Analoges – umgemünzt auf Informatik und Medizin – berichtet auch Pröll. Die Studenten der biomedizinischen Analytik verschlägt es laut Riederer in einen der vielen Bereiche der Laboranalytik – im Gesundheitsbereich, in die naturwissenschaftliche Forschung oder in verwandte Industriezweige. „Für viele ist es sicher ein Traum, in einem CSI-Labor zu arbeiten“, so Pröll. Sowohl molekulare Techniken als auch Verfahren der Massenspektrometrie kommen in der Forensik zur Anwendung. „Allerdings ist in Österreich aus Datenschutzgründen der Kontakt zwischen Labor und Exekutive nicht möglich, das läuft über das Gericht“, so Riederer.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.technikum-wien.ac.at, www.fh-joanneum.at, www.fh-ooe.at, www.fh-campuswien.ac.at, www.fh-salzburg.ac.at, www.fh-kufstein.ac.at, www.fh-gesundheitsberufe.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2013)

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