Als klar und übersichtlich kann der Coachingmarkt wohl nicht bezeichnet werden. Man hört von Hausbau-coaches, Vitalcoaches, Singlecoaches und natürlich von Fussball-Coaches. „Coach“ darf sich nämlich jeder nennen, der will, denn der Begriff ist berufsrechtlich nicht geschützt.
Die bestehende Unüberschaubarkeit sorgt unter jenen, die ihren Beruf klar abgegrenzt sehen wollen, für Verstimmung und macht potenziellen Klienten die Unterscheidung von seriösen und weniger seriösen Angeboten schwer. Dabei gibt es internationale Definitionen für Coaching, das eine unterstützende Leistung im beruflichen Umfeld bezeichnet, bei der das Problem vor allem über die Hilfe zur Selbsthilfe gelöst wird. Im Unterschied zum Training, bei dem der Trainer ein bestimmtes Wissen vermittelt oder zur Beratung, bei der auch Ratschläge gegeben werden, wird beim Coaching durch gezieltes Fragen beim Klienten selbst nach vorhandenem Lösungspotenzial gesucht. „Oft wird der Begriff aber für Angebote verwendet, die mit Coaching eigentlich nichts zu tun haben“, meint Elfriede Konas, Gründungsmitglied des „Österreichischen Dachverband für Coaching“ und Geschäftsführerin von Konas Consulting.
Suche nach Qualitätsstandards
In Österreich versucht der Coaching-Dachverband durch die Etablierung von Qualitätskriterien einheitliche Standards für das Berufsfeld durchzusetzen. „Wir haben in enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Verband Kriterien für das Coaching und für die Coaching Aus- und Weiterbildung erarbeitet. Alle Coaches, die beim Dachverband gemeldet sind, erfüllen diese Kriterien“, erklärt Konas. Die Qualitätssicherung erfolgt auf drei Ebenen. Geprüft wird – grob zusammengefasst – die berufliche Qualifikation des Coaches, die klare Ausformulierung des Coaching-Prozesses sowie die Qualität des Ergebnisses. Ende Februar beschloss der Dachverband auch eine Reihe von Bestimmungen für anerkannte Ausbildungsprogramme. Voraussetzung für die Aufnahme in einen Lehrgang ist etwa ein Mindestalter von 26 Jahren sowie eine zumindest dreijährige Berufserfahrung. Neben der fundierten Ausbildung spielen persönlichkeitsbezogene Faktoren eine maßgebliche Rolle. „Für einen guten Coach ist ein hohes Maß an Selbstreflexion und eine reife Persönlichkeit notwendig“, so Peter Jelinek von Jelinek & Partner Consult. „Er muss außerdem die Überzeugung mitbringen, dass Menschen in der Lage sind, sich selbst helfen zu können.“
Die Suche nach Problemlösungen findet meist auf einer sehr persönlichen Ebene statt, der Coach übernimmt daher eine hohe Verantwortung gegenüber seinen Klienten. „Sehr wichtig ist es, Transparenz über die eigenen Qualifikationen und Erfahrungen als Coach zu schaffen. Der Klient muss sich ein Bild machen können, ob ein Coach und dessen Arbeitsweise für seinen Zwecke passend scheint. Ein Qualitätskriterium ist auch die genaue Klärung der Ziele des Klienten. Als Coach muss man selbst abschätzen können, ob man für den jeweiligen Fall die geeignete Person ist,“ meint Michaela Stark, Trainerin, Beraterin und Coach im eigenem Unternehmen „blaufeuer“. Um für sich selbst strenge Qualitätskriterien festzulegen, sieht Stark keine Notwendigkeit, Mitglied einer übergeordneten Dachorganisation zu sein. „Noch nie hat ein Klient nicht mit mir zusammenarbeiten wollen, weil ich kein Mitglied des Dachverbands bin“, sagt Stark.
Internationale Gütesiegel
Auf internationaler Ebene arbeitet zum Beispiel die IFC (International Coach Federation) an einheitlichen Kriterien zur Professionalisierung des Berufes. Die weltweit agierende Organisation bietet Zertifikate für drei unterschiedliche Coaching-Levels an und hat eine Liste von geforderten Kernkompetenzen des Coaching-Berufs erstellt. Trotz der Bemühungen bleibt die Situation, zumindest in Österreich, unübersichtlich. „Ich merke aber, dass die Klienten hellhöriger geworden sind. Sie wägen stärker ab, wem sie ihr Vertrauen schenken und stellen viel mehr Fragen“, sieht Elfriede Konas im Verhalten der Kunden eine positive Entwicklung. Gewerberechtlich ist der Beruf des Coaches zum überwiegenden Teil der Unternehmensberatung sowie der Lebens- und Sozialberatung zugeordnet. Dafür gibt es auch entsprechende Ausbildungsprofile und eine Abgrenzung des Berufsfeldes. Solange der Begriff „Coach“ frei verwendet werden kann, ist es aber durchaus möglich, auf einen Auto-Coach zu stoßen, der sich bei näherem Nachfragen als normaler Automechaniker entpuppt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2008)






