Die Fachzeitschrift „Economist“ rief heuer das „year of the chief financial officer (CFO)“ aus – mit gutem Grund. Wenn in vielen Unternehmen das Geld knapp wird, steigt der Finanzbereich zwangsläufig in der Wertigkeit auf.
Zugleich hat sich auch das Rollenbild geändert: Im vom Finanzvorstand geführten Ressort geht es längst nicht mehr „nur“ um Buchhaltung, Bilanzen, Steuern und den Kontakt zur Hausbank. „Finanzführungskräfte tragen mehr als
bisher gesamtunternehmerische Verantwortung“, so Robert Pichler, stellvertretender Leiter des Instituts für Financial Management an der FH Wien. Und sie stehen –
jedenfalls bei kapitalmarktorientierten Unternehmen – viel stärker im Blickpunkt der Öffentlichkeit.
All das fällt unter das Schlagwort „Financial Leadership“ und betrifft nicht nur den obersten Boss im Finanzbereich, sondern färbt auch auf die Funktion des Controllers ab. Denn „dieser ist oft derjenige, der vorbereitet und ausarbeitet, was der CFO dann gegenüber seinen Vorstandskollegen und den
Investoren vertritt“, so Rita Niedermayr, Geschäftsführerin des Österreichischen Controller-Instituts (ÖCI). „Beide ziehen thematisch an einem Strang, sie bilden sozusagen eine Schicksalsgemeinschaft.“ Die kollektive Bereitschaft in Unternehmen, dem Controller Gehör zu schenken, steige gerade in Krisenzeiten, damit wachse auch sein Einfluss auf strategische Unternehmensentscheidungen.
Vertrauen wiederherstellen
Was aber auch bedeutet, dass von ihm mehr gefordert wird als die bloße Aufbereitung von Zahlen und Daten. Er soll, so Pichler, „ein kritischer Beobachter und Berater des Unternehmens sein“. Und hat darüber hinaus – genauso wie der CFO – eine ebenso wichtige wie heikle psychologische Aufgabe zu erfüllen: „Beide dürfen jetzt keine Endzeitstimmung verbreiten, sondern müssen langfristig wieder Vertrauen in das herstellen, was das Unternehmen tut“, so Niedermayr. Natürlich nicht durch Schönfärberei, sondern indem sie „für
Sicherheit und Berechenbarkeit sorgen“. Dieses „Vertrauensmanagement“ sollte aus der Sicht der Expertin auch bei Qualifikationen mehr bedacht werden – spezifische Ausbildungen gibt es dafür allerdings noch kaum.
Insgesamt beginnen sich einschlägige Lehrgänge aber schon am neuen Rollenverständnis zu orientieren. So soll das „Advanced Controlling“-Programm des ÖCI nicht nur das Fachwissen vertiefen, sondern auch auf eine Führungsrolle – im formellen Sinn, aber auch im Sinne einer Beratungsfunktion für das Management – vorbereiten. Darüber hinaus gibt es einen speziellen Studiengang für „Financial Leadership“: den „Professional MBA Controlling & Finance“, der gemeinsam mit der Executive Academy der WU Wien angeboten wird. Er ist für jene gedacht, die im Finanzbereich ganz hoch hinaus wollen.
Für Fach- und Führungskräfte
Die FH Wien bietet einen Bachelorstudiengang „Finanz-, Rechnungs- & Steuerwesen“ und ein neues, ausschließlich berufsbegleitendes Masterstudium „Financial Management & Controlling“ an. Der „Bachelor“ bilde zur Fachkraft aus, das Masterstudium zur Führungskraft, erklärt Pichler.
Um zu Letzterem zugelassen zu werden, muss man allerdings schon Führungserfahrung im Finanzbereich haben oder dort zumindest eigenverantwortlich tätig gewesen sein. Gefordert wird außerdem ein akademischer Abschluss, der aber nicht unbedingt facheinschlägig sein muss. Quereinsteigern vermittelt eine „Grundlagenschiene“ im ersten Semester das nötige betriebs- und volkswirtschaftliche Basiswissen.
Ähnlich ist der Ausbildungsweg am Campus 02 in Graz. Der sechssemestrige Bachelorstudiengang „Rechnungswesen und Controlling“, der wahlweise berufsbegleitend oder als Vollzeitstudium angeboten wird, richtet sich an Maturanten und an Leute mit Berufserfahrung. Er bereitet, so Koordinatorin Karoline Eder, auf eine Tätigkeit als „unterstützende Kraft“ im Finanzressort von Unternehmen vor. Auch der Einstieg in eine Steuerberaterlaufbahn ist danach möglich. Ein berufsbegleitendes Masterstudium als Ausbildung für Führungskräfte startet 2010.
An der Hochschule Kufstein soll es – wenn der Fachhochschulrat zustimmt – künftig ein neues Masterstudium „International Business Studies“ geben. In diesem werden die beiden bestehenden Studiengänge „Internationales Finanzmanagement und Controlling“ sowie „Internationales Marketing und strategisches Management“ aufgehen. „Innerhalb dieser Ausbildung kann man sich entweder auf Marketing oder auf Finanzmanagement spezialisieren“, so Sara Neubauer, Leiterin der Studienabteilung. Neu ist auch die Organisationsform als Vollzeitstudium.
Mehr als bloß Zahlenjongleure
17.04.2009 | 20:30 | (DiePresse.com)
Aufwertung. „Financial Leadership“ ist mehr als ein Schlagwort: In vielen Unternehmen haben Finanzverantwortliche und Controller heute eine starke Position. Was auch neue Anforderungen an ihre Ausbildung stellt.

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