Kleinkinder in Fremdbetreuung werden stärker gefordert

Stimmt die Qualität von Kinderkrippen und Tageseltern, wirkt sich die Betreuung positiv auf das spätere Bildungsniveau der Kinder aus.

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Wien. Welche Auswirkungen hat es, wenn bereits Kleinkinder zeitweise außerhalb der Familie betreut werden? Nur positive, fassen es Wissenschaftler zusammen: Das Österreichische Familienforschungsinstitut (ÖIF) hat im Auftrag des Familienministeriums nationale und internationale Studien verglichen. Das Ergebnis: Die Kinder in Fremdbetreuung profitieren davon. Allerdings nur, wenn auch die Qualität der Einrichtungen stimmt.

„Mit zunehmender Dauer der vorschulischen Betreuung nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass Kinder ein Gymnasium besuchen“, meint Wolfgang Mazal, Leiter des ÖIF. Vor allem Nachwuchs aus bildungsfernen Schichten würde davon profitieren. „Kinder sind in den Einrichtungen sprachlich besonders gefordert“, fügt Lieselotte Ahnert von der Fakultät Psychologie der Uni Wien hinzu. Zu Hause sei der Alltag bequem, die Lage eingespielt. In Krippen müssten die Kinder lernen, mit dem neuen Umfeld umzugehen und dort zu kommunizieren.

Auch ökonomisch sei die Fremdbetreuung von Vorteil: Würden die Kinder eine bessere (sprachliche) Basis in die Schule mitbringen, brauchte man weniger pädagogische Unterstützung, sagt Mazal. „Und wenn die Kinder in Betreuung sind, können auch die Eltern ins Erwerbsleben zurück.“ Das sei für die Industrie gut, aber auch für den Staat – da er mehr Steuern lukriert.

Einen wichtigen Punkt muss man laut Mazal allerdings beachten: „Die Qualität ist das Entscheidende.“ Man könne nicht sagen frühkindliche Betreuung sei allgemein gut oder schlecht. Positive Effekte bringe sie nur, wenn sie qualitativ hochwertig ist. „Will man die Vorteile lukrieren, muss man Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Mazal. Das pädagogische Personal müsse ausreichend geschult werden, die Gruppen dürften nicht zu groß sein und die Räumlichkeiten müssten passen. Also viele Kriterien, die man mit finanziellen Mitteln umsetzen muss.

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) nutzte die Gelegenheit, um erneut darauf aufmerksam zu machen, dass im vergangenen Jahr bereits der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen zwischen Bund und Ländern vereinbart wurde. „Die Wirksamkeit von Einrichtungen ist deutlich und positiv – in den verschiedensten Bereichen“, fügte sie hinzu. Das ist vor allem deswegen spannend, weil die ÖVP, die sie zur Ministerin erkoren hat, die Fremdbetreuung von Kleinkindern nicht in erster Linie forciert.

Karmasin will nun die kommenden zwölf Monate nutzen, um einen „Qualitätskompass“ zu erarbeiten. Dafür werden Gespräche mit den Verantwortlichen aus Ländern und Gemeinden, Eltern, Pädagogen und Experten geführt. Am Ende soll ein Leitfaden unter anderem für geschlechtersensible Pädagogik, gesunde Ernährung und die Förderung von männlichen Pädagogen stehen. „Die Einrichtungen sollen sich an den höchsten Standards orientieren“, meint Karmasin.

Verbindlich soll der „Kompass“ allerdings nicht sein – die Gefahr, dass es sich um ein zahnloses Papier handelt, ist also relativ hoch. Karmasin ist aber optimistisch: „Die Länder sind dafür verantwortlich, Qualität anzubieten.“ Die Richtlinien seien also auch in ihrem Interesse.

 

Grüne: Sorge um Gratiskindergarten

Am Donnerstag war an anderer Stelle aber noch das Gratis-Kindergartenjahr Thema: Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, forderte in einer Aussendung zwei verpflichtende Kindergartenjahre für alle Kinder im Rahmen einer neuen Bildungspflicht. Die Salzburger Landesrätin Martina Berthold (Grüne) wies darauf hin, dass die 15a-Vereinbarung zum verpflichtenden Gratis-Kindergartenjahr bereits im Sommer auslaufe. Da es bisher keine Gespräche über die Weiterführung gab, sorge sie sich um die weitere Finanzierung. (ib/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2015)

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