Warum Steuern zahlen? Und wenn ja, wie viel?

Steuern. Das Thema Steuerrecht mutet eher trocken an, das weite Feld hält aber spannende Forschungsprojekte bereit – und Ausbildungen mit hervorragenden Berufsaussichten.

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Zahlen Sie brav Ihre Steuern – und wenn ja, warum?“ Dieser ziemlich aus dem Leben gegriffenen Frage gehen Psychologen der Universität Wien in einem groß angelegten Forschungsprojekt nach, das noch im Frühjahr abgeschlossen werden soll. Das FWF-Projekt mit dem Titel „Der Einfluss der Macht der Steuerbehörde auf das Vertrauen in die Steuerbehörde und Konsequenzen für den Steuerbeitrag“ wird von Eva Hofmann vom Institut für Angewandte Psychologie der Uni Wien geleitet. Ihr Team aus dem Bereich „Arbeit, Bildung, Wirtschaft“ des Instituts führte dafür Labor-, Feld- und Online-Experimente, eine neuropsychologische Studie, Interviews mit Studierenden, Steuerprüfern und Steuerzahlern sowie Selbstständigen aus Österreich und den Niederlanden durch. Viel angewandter kann Forschung wohl nicht sein.

 

Steuerschlupflöcher im Visier

Bei anderen Fragestellungen rund um den Themenkomplex Steuern sind vor allem Ökonomen und Juristen gefragt. Brisant sind beispielsweise Steuerschlupflöcher oder Doppelbesteuerungsabkommen, die sich hinter den Kürzeln BEPS (Base Erosion And Profit Shifting – Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung) und DBA verbergen. Mit beidem beschäftigt sich Georg Kofler, Universitätsprofessor am Institut für Finanzrecht, Steuerrecht und Steuerpolitik der Johannes-Kepler-Universität Linz. Kofler forscht derzeit zu diesen Themenkomplexen für zwei Monate an der Universität Sydney und hält Vorträge über das aktuelle EU-Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Steuervermeidung.

An der Universität Linz leitet er den Master Steuerwissenschaften, der gemeinsam mit dem Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre angeboten wird. Das Studium baut auf dem Bachelor Wirtschaftsrecht in der Spezialisierung „Steuerjurist/in“ auf, kann aber auch von Absolventen der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften begonnen werden. „Wir betonen darin die Interdisziplinarität und Praxisanbindung des Fachs, sodass es insbesondere auf die Anforderungen der Steuerberaterprüfung ausbildet “, sagt Kofler.

Auch das bereits erwähnte Bachelorstudium Wirtschaftsrecht der Universität Linz biete mit der Vertiefungsmöglichkeit zum Steuerjuristen (in 21 verschiedenen steuerlichen Kursen) ideale Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Steuerberater, in der Finanzverwaltung oder in Unternehmen. Diese Vertiefung berücksichtigt laut Kofler den auf dem Arbeitsmarkt bestehenden Bedarf an steuerrechtlich ausgebildeten Akademikern. Sie ist so ausgerichtet, dass sie neben dem Beruf absolviert werden kann.

Die beiden JKU-Institute bündeln ihre Kompetenzen nicht nur in der Lehre. Seit mehreren Jahren betreiben sie auch eine im deutschsprachigen Raum einzigartige Forschungsplattform für Fragen des Zoll- und Außenwirtschaftsrechts. Die vielfältigen Fragen des internationalen Handels werden dabei ebenso bearbeitet wie beispielsweise die Russland-Sanktionen.

 

Speziell für Finanzverwaltung

Eine Bachelor- und eine Masterausbildung, die auf Steuerrecht und Wirtschaft spezialisiert ist, bietet die Fachhochschule Campus Wien mit dem berufsbegleitenden Studium Tax Management an, bei dem besonders Wert auf Praxisorientierung gelegt wird. Das Programm wurde nicht nur zusammen mit der Akademie für Wirtschaftstreuhänder, sondern auch mit Experten des Finanzministeriums entwickelt. Es bereitet daher – neben den gängigen Karrieremöglichkeiten (Steuerberatungskanzlei, Unternehmen, Wirtschaftsberatung) – auch auf eine Tätigkeit in der Finanzverwaltung vor. Studiengangsleiter Friedrich Stanzel hebt die Praxisbezogenheit vieler Bachelor- und Masterarbeiten hervor. „Sie beleuchten aktuelle Entwicklungen im nationalen und internationalen Bereich, zum Beispiel die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs zur Arbeitskräftebestellung oder die BEPS-Empfehlungen der OECD.“ Dass sich allein schon aus der österreichischen steuerpolitischen Praxis genügend Anknüpfungspunkte für die Forschung ergeben, sieht auch Sabine Kirchmayr-Schliesselberger, Vorständin des Instituts für Finanzrecht der Universität Wien. „Im letzten Jahr gab eine große Steuerreform sowie eine zusätzlich ,Herbstlegistik‘. Die Forschungsschwerpunkte unseres Instituts liegen derzeit in der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Reformen.“

Kirchmayr-Schliesselberger leitet den Universitätslehrgang für Steuerrecht und Rechnungswesen am Postgraduate Center der Uni Wien. Das vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufene Weiterbildungsprogramm sei sehr gut angelaufen und wird nunmehr sowohl in einer Teilzeit- als auch in einer Vollzeitvariante angeboten. Die Teilzeitvariante werde in der Regel von Personen genutzt, die einschlägig beruflich tätig sind. „Die Teilnehmerzahl im zweiten Jahr hat sich fast verdoppelt. Das Interesse ist groß, nicht zuletzt auch wegen der guten Berufsaussichten.“

Web:www.postgraduatecenter.at, www.jku.at, www.fh-campuswien.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2016)

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