Politische Bildung: Demokratie in Zeiten des Populismus

Der Tag der Demokratie am 15. September ist international – das Verständnis ihrer Grundsätze weniger. Zum Glück kann das gelernt werden.

Wahlkabinen-Kuckuck: Der Kleine weiß noch nicht, was Demokratie ist – aber weiß es der Große?
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Wahlkabinen-Kuckuck: Der Kleine weiß noch nicht, was Demokratie ist – aber weiß es der Große?
Wahlkabinen-Kuckuck: Der Kleine weiß noch nicht, was Demokratie ist – aber weiß es der Große? – (c) Clemens Fabry

Rechtspopulistische Parteien sind in ganz Europa auf dem Vormarsch. Zugleich gibt es eine große Zahl an Migranten, die in autoritären Systemen sozialisiert wurden und sich nun in die westlichen Gesellschaften einfinden sollen. Erfreulicherweise mehren nun auch die Initiativen und Lehrgänge auf diesem Gebiet.

Bereits vor drei Jahren wurde an der Donau-Uni unter der Bezeichnung Zukunft der Demokratie in Europa ein länderübergreifendes Doktoratsstudium zur Förderung demokratiepolitischer Forschung aus der Taufe gehoben, das vom Interuniversitären Netzwerk Politische Kommunikation (Netpol) betrieben wird. Netpol gehören mehrere europäische Universitäten und Institutionen an, Koordinator ist der Politologe Peter Filzmaier. Universitärer Hauptpartner ist die Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest, die von Österreich, den Landesregierungen Bayerns und Baden-Württembergs sowie Südtirol unterstützt wird.

Das Programm laufe sehr gut, sagt Filzmaier. Inzwischen sei Netpol von zwei internationalen Gutachtern evaluiert und in allen drei Bereichen (Forschung, Lehre, Organisation und Kommunikation) mit der Bestnote bewertet worden. Beispiele für Themen, die hier bearbeitet wurden, sind etwa politische Einstellungen von Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund, eine kritische Betrachtung der Wahlkämpfe zum Europäischen Parlament und Vertrauen in die Wissenschaft im Zeitalter der digitalen Kommunikation.

 

Prävention gegen Extremismus

Demokratiethemen haben natürlich auch in dem von Filzmaier geleiteten Masterlehrgang Politische Bildung an der Donau-Uni ihren Platz. Dieser Lehrgang richtet sich an Lehrer, Personen in der Erwachsenenbildung und Multiplikatoren für Politische Bildung, etwa Lokalpolitikern, Verwaltungsbediensteten, Integrationsbeauftragten und Jugendarbeitern. 2017/18 soll der Schwerpunkt auf Prävention gegen Radikalismus und Extremismus gesetzt werden.

Eine globale Sicht auf Demokratie und Politik vermittelt der Universitätslehrgang Global Citizenship Education an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Der dreijährige Lehrgang, der mit dem Master of Arts abschließt, wird vom Bildungsministerium und der Austrian Development Agency (ADA) gefördert, was die Kosten für die Teilnehmer senkt. Lehrgangsleiter Werner Wintersteiner würde, gefragt nach einer medientauglichen Kurzdefinition, den Begriff Global Citizenship Education als „Politische Bildung mit weltbürgerlicher Perspektive“ bezeichnen. „Es geht darum, die globale Dimension immer mit zu berücksichtigen“, sagt Wintersteiner. „Über die Politische Bildung hinaus beinhaltet Global Citizenship Education aber auch Friedenserziehung und Menschenrechtserziehung und damit verbunden das utopische Element einer solidarischen Weltgesellschaft als Ziel.“ Das Programm nahm bei seiner Gründung vor einigen Jahren einen künftigen Megatrend vorweg: Global Citizenship Education wurde 2012 zu einer Unesco-Leitlinie erkoren und vor einem Jahr von der UNO in die sogenannten Sustainable Development Goals integriert. Auch die OECD beschloss, bei der nächsten Pisa-Studie Global Competencies, das Denken in globalen Dimensionen, abzufragen. Der Klagenfurter Lehrgang richtet sich primär an Personen, die in der Lehrerausbildung an Hochschulen tätig oder selbst Lehrkräfte sind, aber auch an Personen, die in NGOs oder in der Entwicklungspolitik arbeiten, sowie an sonstige Interessierte.

Auch über das Bildungswesen hinaus habe der Lehrgang laut Wintersteiner viele Aktivitäten inspiriert: „Wir haben zusammen mit den Unesco-Schulen eine Fortbildung entwickelt sowie eine Seminarunterlage, die gratis im Netz aufrufbar ist. Wir wollen künftig zudem Unesco-Schulprojekte begleiten und stärker in der Lehrerbildung aktiv sein.“

Weiterbildung auf ganz anderen Wegen bietet das Demokratiezentrum Wien – eine Non-Profit-Organisation und virtuelle Wissensplattform, die wissenschaftliche Forschung mit Vermittlung von Inhalten an ein breites Publikum verbindet. Schwerpunkte sind aktuelle und historische Demokratisierungsprozesse, Demokratieentwicklung, neue Konzepte von Citizenship, E-Participation, Migration, Politische Bildung, Erinnerungskultur, Europäische Union sowie Geschichtsbilder.

 

Kostenlose Lernmodule

Seit Jahren werden hier Lernmodule für den Unterricht an Schulen erstellt, die kostenlos über die Website abrufbar sind. „Die Module werden laufend erweitert und von Lehrern und Fachdidaktikern, aber auch Studierenden häufig in Anspruch genommen“, sagt Gertraud Diendorfer, geschäftsführende Leiterin des Demokratiezentrums. Die Lernmodule beschäftigen sich mit politischer Partizipation, dem politischen System, sozialen Bewegungen, Demokratisierungsprozessen und -entwicklung in Österreich und der EU. Sie sind für die Fächerkombinationen Geschichte und Politische Bildung und das Unterrichtsprinzip Politische Bildung für die Sekundarstufe I und II entwickelt worden und orientieren sich an den aktuellen Lehrplänen sowie am Kompetenzmodell der politischen Bildung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2016)

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