Wie soll eine akademische Arbeit aussehen?

Zwei Kurse, die vor allem Studierende aus dem Ausland unterstützen.

Projektleiterin Petra Hauptfeld-Göllner von der FH Burgenland erklärt einer ungarischen Gaststudentin die neue Onlineplattform, die insbesondere ausländische Studierende bei der richtigen Gestaltung akademischer Arbeiten unterstützen.
Schließen
Projektleiterin Petra Hauptfeld-Göllner von der FH Burgenland erklärt einer ungarischen Gaststudentin die neue Onlineplattform, die insbesondere ausländische Studierende bei der richtigen Gestaltung akademischer Arbeiten unterstützen.
Projektleiterin Petra Hauptfeld-Göllner von der FH Burgenland erklärt einer ungarischen Gaststudentin die neue Onlineplattform, die insbesondere ausländische Studierende bei der richtigen Gestaltung akademischer Arbeiten unterstützen. – FH Burgenland

Die Slowakin Barbora Schmidtova, Erasmus-Gaststudentin im Studium Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der FH Burgenland, ist derzeit mit all den Herausforderungen konfrontiert, die das Verfassen der Masterarbeit in der – deutschen – Fremdsprache mit sich bringt: unterschiedliche Schreibstile und akademische Gepflogenheiten, Zitierweisen, Formulierungen. An ihrer Mutteruniversität in Bratislava studiert Schmidtova Interkulturelle Kommunikation und ist im Rahmen dieses Faches verpflichtet, ihre Abschlussarbeit auf Deutsch oder Englisch zu schreiben. Die Wahl fiel nicht schwer, da Schmidtova seit neun Jahren Deutsch lernt und schon ein Gastsemester in Deutschland absolviert hatte.

Wissen, das darüber hinaus nötig ist, um eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, erwirbt sie in einem neuen Kurs der FH Burgenland: Academic Writing Online (AWO) nennt sich ein EU-finanziertes Onlineangebot, das speziell für internationale Studierendeentwickelt und in sieben Sprachen frei zugänglich gemacht wurde. Die Fachhochschule unterstützt damit vor allem ihre zahlreichen Studierenden aus dem CEE-Raum und hat den in Deutsch und Englisch entwickelten Kurs ins Tschechische, Slowakische, Ungarische, Slowenische und Kroatische übertragen.

Der Kurs kann als offener Onlinekurs (MOOC) im Selbststudium absolviert, aber auch im Blended-Learning-Verfahren mit dem Unterricht kombiniert werden. Schmidtova ist vor allem von den Videos angetan. „Da werden Inhalte einfach erklärt und zudem schriftlich eingeblendet.“ Außerdem würde manches durch Beispiele veranschaulicht. „Ich weiß jetzt, wie so eine Arbeit aussehen soll. Besonders wichtig waren für mich die Zitationsregeln sowie gängige Phrasen, außerdem das Paraphrasieren und der Aufbau in Absätzen.“ Der Kurs beinhaltet auch zahlreiche Übungen.

Internationalisierung fördern

Laut Projektleiterin Petra Hauptfeld-Göllner war einer der Hauptgründe für die Etablierung eines Onlineformats, Internationalisierungsprozesse zu unterstützen. Man habe viele Studierende aus mittel- und osteuropäischen Ländern, die dadurch ihre Abschlussarbeiten auf Deutsch besser bewerkstelligen könnten. Hier werden unterschiedliche Schreibtraditionen im Vergleich sichtbar und dadurch auch klarer, so die Hoffnung. „Zitationsregeln unterscheiden sich von Uni zu Uni oder zwischen den Disziplinen, nicht nur von Land zu Land. Einleitungen werden an unserer FH klar strukturiert geschrieben, in Kroatien oder Slowenien eher essayistisch als Hinführung zu einem Thema.“

Nicht zuletzt falle es auch vielen österreichischen Studierenden schwer, wissenschaftlich zu schreiben. „Sie lernen zwar, empirisch zu arbeiten oder zu zitieren, aber das Schreiben selbst wird oft zu wenig thematisiert“, sagt Hauptfeld-Göllner. Daher diene der deutsche AWO-Kurs als Ausgangspunkt.

Die Serviceeinrichtung für wissenschaftliches Schreiben mit der größten Reichweite (betreffend Anzahl der Studierenden und Studien) in Österreich besteht am Center for Teaching and Learning (CTL) der Universität Wien. Dort wird – neben Schreibmentoring und anderen Angeboten – die Schreibwerkstatt „Mehrsprachig schreiben“ für Studierende mit nicht deutscher Muttersprache angeboten.

Schreiben als Prozess begreifen

In fünf Workshops, die aufeinander aufbauen, aber auch unabhängig voneinander besucht werden können, werden Methoden der „prozessorientierten Schreibdidaktik“ vermittelt. Die Prozesshaftigkeit als wesentliches Kriterium von Forschungsarbeit überhaupt bewusst zu machen, ist für Brigitte Römmer-Nossek, die am CTL den Bereich „Wissenschaftlich Schreiben – Angebote für Studierende“ leitet, das Hauptziel der Workshops. „Das Schreibprojekt beginnt schon vor dem Verfassen der ersten Version“, sagt Römmer-Nossek. Daher gehe es in der Schreibwerkstatt primär darum, die Phasen wissenschaftlichen Schreibens – Planung, Themeneingrenzung, Forschungsfrage, Argumentationslinien, Rohtext und Überarbeitung – herauszuarbeiten und zu simulieren, in der Gruppe voneinander zu lernen und einander Feedbacks zu geben. Wichtig sei aufzuzeigen, „dass diese Phasen gleich lang dauern können wie die Schreibarbeit selbst“.

Die Schreibwerkstätten „Mehrsprachig schreiben“ der Uni Wien werden von drei Expertinnen für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/Z) angeboten, die am CTL als Schreibmentorinnen ausgebildet wurden. „In den Workshops, die sie gemeinsam konzipiert haben, verbinden sie Fremdsprach- und prozessorientierte Schreibdidaktik zu einem eigenen Ansatz“, sagt Römmer-Nossek.


Web: www.awo.academy
http://ctl.univie.ac.at

 


[N5FL3]

(Print-Ausgabe, 17.12.2016)

Kommentar zu Artikel:

Wie soll eine akademische Arbeit aussehen?

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen