Eine Geisteshaltung, die jeden weiterbringt

Entrepreneurship. Die Fähigkeit, notwendige Veränderung zu erkennen, aber auch umzusetzen, macht einen Unternehmer aus. Diese Skills können trainiert und gefördert werden.

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(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)

Österreich ist ein „Strong Innovator“, zumindest wenn es nach dem letzten „Zeugnis“ der EU-Kommission geht. Laut dem „European Innovation Scoreboard“ vom Juli 2016 liegt die Alpenrepublik immerhin an zehnter Position und hat sich damit seit der letzten Bewertung um einen Platz verbessert. Eine qualitative Steigerung wurde auch im Bereich Entrepreneurship attestiert. Der so bezeichnete Unternehmer- und Gründergeist wird inzwischen durch eine Start-up-Initiative der Regierung gefördert.

Für Nikolaus Franke, Leiter des Instituts für Entrepreneurship & Innovation an der WU Wien und des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation der WU Executive Academy, ist Entrepreneurship eine zukunftsentscheidende Qualität, die längst nicht nur für Manager wichtig ist. „Ich denke, es ist ein Set von Fähigkeiten und eine Geisteshaltung, die praktisch jedem Menschen guttut – in der Karriere und im Leben allgemein. Keinesfalls ist Entrepreneurship nur für Spitzenführungskräfte reserviert.“ Aus Sicht des Experten sei es überfällig, das gesamte Bildungssystem verstärkt darauf auszurichten. „Überspitzt gesagt ist es ein Schlüsselthema von Kindergarten bis Seniorenbildung. Zielgruppe ist jeder. Starten sollten wir sofort“, so Franke.

 

Aktive Veränderer

Franke definiert den Entrepreneur als „aktiven Veränderer“, der zwei grundsätzliche Fähigkeiten mitbringen müsse. „Erstens muss er Gelegenheiten zur Veränderung früher als andere erkennen.“ Das bedeutet, dass er kreativ, fantasievoll und geistig flexibel ist. Zudem muss er die Ideen auch aktiv umsetzen. Dazu gehöre also mehr, als nur ein Visionär zu sein. Gefragt sind für Franke Eigenschaften wie Initiative, Mut, Beharrlichkeit, Glaube an sich selbst, Energie, Teamfähigkeiten, Überzeugungskraft. Als Entrepreneur könne man in vielen Bereichen wirken. „Ein Beispiel sind natürlich Unternehmer, die neue Geschäftsmöglichkeiten suchen und Innovationen aktiv umsetzen. Einen Unternehmer, der den Betrieb nur verwaltet, würden wir nicht als Entrepreneur bezeichnen. Aber man kann auch als Mitarbeiter eines Unternehmens als solcher wirken – manchmal nennt man diese Menschen Intrapreneure. Das sind Entrepreneure, die im rechtlichen Sinne keine Unternehmer sind“, erklärt Franke. Glücklicherweise gäbe es auch in Verwaltung, Politik, Kultur, Non-Profit und vielen anderen Bereichen Menschen, die Chancen sehen und sie proaktiv verfolgen.

An der FH Wien der WKW betreibt man bereits seit zehn Jahren den Bachelorstudiengang Unternehmensführung – Entrepreneurship. In dem Betriebswirtschafts-Studium der FH diesen Fokus zu setzen sei nicht nur wegen eines dazu passenden Forschungsschwerpunktes naheliegend gewesen, sagt Studiengangsleiter Reinhard Zeilinger. Es entspreche auch den Zielen der Absolventen, auf deren Initiativen bereits etliche Gründungen zurückgegangen seien. „Mit dem Gedanken, ein eigenes Unternehmen zu gründen, spielen viele Studierende im Laufe des Studiums. Die Förderung von künftigen Unternehmen ist der FH Wien der WKW ein großes Anliegen“, so Zeilinger.

Das Studium existiert sowohl in Vollzeit- als auch in berufsbegleitender Form, und in einer bilingualen Vollzeitvariante, in der etwa die Hälfte der Lehrveranstaltungen auf Englisch gehalten wird. Dieses Angebot werde zumeist von Studierenden aus Österreich wahrgenommen, sagt Zeilinger. „Es wird aber die Chance genutzt, Studierende aus anderen Ländern einzubinden.“

 

Fokus auf KMU

Noch jung ist das Bachelorstudium KMU-Management und Entrepreneurship der FH Salzburg, das vor drei Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Hier will man vor allem Klein- und Mittelbetrieben (KMU) eine praxisnahe Managementausbildung auf Hochschulniveau bieten. Geschäftsführer von bestehenden KMU seien eine wichtige, jedoch nicht die einzige Zielgruppe, sagt Studiengangsleiter Veit Kohnhauser. „Unternehmensnachfolger im Rahmen von Übernahmen – etwa eines Familienunternehmens – oder auch Gründer sind ebenso herzlich willkommen wie KMU-Führungskräfte, die sich beruflich weiterentwickeln möchten.“ Im Durchschnitt bringen die Studierenden laut Kohnhauser zehn Jahre Berufserfahrung mit. Eine Besonderheit des Studiums sind die sogenannten Entwicklungsräume, im Rahmen derer Studierende die Möglichkeit erhalten, eine eigene Unternehmensidee zu planen und umzusetzen. Wie Kohnhauser berichtet, laufen derzeit rund 30 Projekte für eine Unternehmensgründung. Einige seien bereits erfolgreich umgesetzt worden.

INFORMATION

Ausbildungen mit Fokus auf Entrepreneurship (Auswahl)

• TU Wien CEC/WU Executive Academy:

Professional MBA Entrepreneurship & Innovation. www.tu-wu-innovation.at

• FH Wien der WKW:

Bachelorstudium Unternehmensführung – Entrepreneurship

www.fh-wien.ac.at/unternehmensführung

• FH Salzburg:

Bachelorstudium KMU-Management und Entrepreneurship

www.fh-salzburg.ac.at/kmu

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2017)

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